Niedergösgen
Die Golfer sinds nicht – wer sind die Raser in der 30er-Zone?

Verkehrsmessungen an der Rainstrasse in Niedergösgen ergeben keine Hinweise auf Raserfahrten von Auswärtigen.

Christoph Zehnder
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Anwohner der Rainstrasse waren der Meinung, dass sich auswärtige Autofahrer nicht an Tempo 30 halten.

Anwohner der Rainstrasse waren der Meinung, dass sich auswärtige Autofahrer nicht an Tempo 30 halten.

Bruno Kissling

Der Verkehr an der Rainstrasse in Niedergösgen sorgte unter Anwohnern in der Vergangenheit wiederholt für rote Köpfe. Autofahrer würden sich in der Tempo-30-Zone häufig nicht an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit halten, lautete der Vorwurf. Der Verdacht richtete sich nicht zuletzt gegen Besucher des Golfplatzes Heidental in Stüsslingen, da viele der Fahrzeuge nach Aussagen von Anwohnern von Ausserhalb stammten und eher dem oberen Preissegment angehörten. Der Ärger über die mutmassliche Tempo-Bolzerei führte sogar dazu, dass ein Anwohner in der Vergangenheit eigene Geschwindigkeitsmessungen durchführte. Die Gemeinde ihrerseits hat die Polizei wiederholt um Radarkontrollen auf dem betroffenen Abschnitt ersucht – und will das auch weiterhin tun.

Auch das hohe Verkehrsaufkommen auf der Rainstrasse wurde von Anwohnern beklagt. Die Werkkommission wollte es genauer wissen und hat im vergangenen Juni eine Verkehrsmessung in Auftrag gegeben. Gemessen wurde sowohl im unteren Bereich beim reformierten Kirchgemeindehaus als auch weiter oben, kurz bevor die Strasse in den Wald mündet. Gemessen wurde vom 8. bis 14. Juni, also über eine ganze Woche hinweg.

Inzwischen hat die Kommission die Zahlen analysiert. «Es ist erstaunlich: Am meisten Verkehr gab es am Dienstag», sagt Andreas Meier, Vizepräsident der Gemeinde und der Werkkommission. Der Spitzenwert an diesem Tag betrug 2079 Fahrzeuge. Laut Meier deutlich mehr als am Wochenende, an dem eigentlich besagte Freizeitfahrer auf der Strasse sein müssten. «Die Messung zeigt klar: Es ist nicht der Golfplatz-Verkehr», sagt Meier und fügt hinzu: «Wir haben die Verkehrsmessung absichtlich an einem schönen Wochenende durchgeführt und dafür mehrfach verschoben.» Man wollte sicher gehen, dass die Golfplatz-Gäste an jenem Wochenende nicht zu Hause bleiben.

Wie sich gezeigt hat, ist der Verkehr auf der Rainstrasse werktags um 7 Uhr, über die Mittagszeit sowie am Abend um 18 Uhr am dichtesten. Vor allem in den Morgen- und Abendstunden sei der Verkehr erheblich. Es handelt sich vorwiegend um Berufsverkehr. Etwa ein Drittel ist Quartierverkehr und damit von den Anwohnern im weitesten Sinne hausgemacht. Für eine Ortsverbindung sei das Verkehrsaufkommen aber absolut im Rahmen.
Polizei machte Radarkontrollen

Aber was sagen die Messungen über die Geschwindigkeit aus? Beim Kirchgemeindehaus hatten die Autofahrer durchschnittlich 31 km/h auf dem Tacho, weiter oben – kurz vor der Dorfausfahrt – immerhin 36 km/h. Die Polizei hat im April und Juni ebenfalls Radarkontrollen durchgeführt. Bei der ersten Messung waren rund 10,55 Prozent der Fahrzeuge zu schnell unterwegs. Bei jener im Juni hatte mit 21,95 Prozent mehr als jeder Fünfte zu viel auf dem Tacho. «Das ist im Grossen und Ganzen nicht alarmierend», sagt Andreas Meier. Denn die Übertretungen bewegten sich allesamt in einem überschaubaren Rahmen. Es blieb bei ein paar Ordnungsbussen. Keiner der Lenker musste wegen überhöhter Geschwindigkeit verzeigt werden.

Keine Verkehrsmassnahmen

Meier selbst hatte an der Gemeindeversammlung im vorigen Jahr vorgeschlagen, das Gespräch mit den Golfplatz-Betreibern zu suchen und über die die Zufahrt über Erlinsbach-Stüsslingen als Alternative zu diskutieren. Nach den Erkenntnissen aus den Verkehrsmessungen bestehe dazu kein Grund mehr.

Weder Kommission noch Gemeinderat halten weitere verkehrstechnische Massnahmen auf der Rainstrasse für nötig. Denn Verkehrsbehinderungen gibt es in der Tempo-30-Zone bereits. Weitere Massnahmen währen laut Meier auch kaum umsetzbar. «Es gibt auf der Strasse kein Trottoir.» Würde man jetzt noch Verkehrsinseln oder Ähnliches installieren, bliebe überhaupt kein Platz mehr. «Dann wird die Benützung für den landwirtschaftlichen Verkehr oder für Lastwagen fast unmöglich.» Es handle sich bei der Rainstrasse nun mal um eine Verbindungsstrasse mit Durchgangsverkehr, so Meier. Diesen könne man nicht einfach unterbinden. «Sonst verlagert sich bloss der Verkehr. Dann haben einfach andere das Problem.»