Eine Nachfolge ist vorderhand nicht in Sicht: Die SVP hat keine Ersatzmitglieder, das einzige Ersatzmitglied der SP hat ebenfalls den Rücktritt erklärt.

«Absolut überraschend»

«Den Reigen der Demissionen eröffnete Judith Piller (SVP) absolut überraschend mit ihrer Mitteilung an den Gemeinderat am letzten Februar-Wochenende», heisst es im Bericht von Gemeindeschreiberin Antonietta Liloia zur letzten Gemeinderatssitzung. «Sie kündigte ihre Demission als Gemeinderätin und als Gemeindevizepräsidentin per 29. Februar 2016 per Mail an. Eine Begründung enthielt das Schreiben nicht.»

«Nur wenige Stunden später», so fährt der Gemeinderatsbericht fort, «erreichte den Rat die Demission des zweiten SVP-Mitglieds Thomas Hartmann. Sein Rücktritt erfolgte ebenfalls per 29. Februar 2016 und gilt auch für sein Amt als Delegierter des Planungsverbandes der Region Aarau.» Hartmann habe «verschiedene persönliche Gründe» angeführt.

Am 1. März traf sich der nur noch neunköpfige Gemeinderat zur Sitzung. Dort folgte der dritte Akt: «Am Dienstag, zum Abschluss der Gemeinderatssitzung, erklärte Mara Moser (SP) ebenfalls aus persönlichen Gründen ihren sofortigen Rücktritt aus dem Gemeinderat», ist dem Ratsbericht zu entnehmen. Moser übergab auch gleich das Demissionsschreiben der SP-Ersatzgemeinderätin Lisa Schär.

«Wohl oder übel»

Der Gemeinderatsbericht übt Kritik an den drei fast zeitgleichen Rücktritten: «Der Gemeinderat musste die Demissionen wohl oder übel entgegennehmen, obwohl die Ratsmitglieder von ihrer Wählerschaft für die gesamte Amtsperiode gewählt wurden und die Rücktritte wohl nicht dem Wählerwillen entsprechen dürften.»

Die laufende Amtsperiode 2013–2017 dauert noch ein gutes Jahr. Die Gemeinde wird die Parteileitungen nun auffordern, Wahlvorschläge für die vakanten Sitze für den Rest der Amtsperiode einzureichen. Die nächsten ordentlichen Gemeinderatswahlen finden voraussichtlich am 23. April 2017 statt. Die Nachfolge des Vizegemeindepräsidiums kann der Gemeinderat laut Gemeindeordnung selber wählen.

Schweigen über die Gründe

Zu den Gründen ihrer Rücktritte äusserten sich alle drei Demissionäre auf Anfrage überaus vorsichtig. Gemeindevizepräsidentin Judith Piller deutete auf Anfrage gegenüber dieser Zeitung an, dass es sich um schon länger dauernde Differenzen handle, wobei es offenbar unter anderem um die Art und Weise des Umgangs im Gemeinderat ging. Nähere Einzelheiten zu ihren Rücktrittsgründen wollte sie jedoch am Dienstag unter keinen Umständen nennen. Eine Stellungnahme dazu sei «frühestens nach der Generalversammlung der SVP möglich». Dort werde die SVP auch über ihr weiteres Vorgehen beschliessen.

Pillers Parteikollege Thomas Hartmann war 1997 der erste SVP-Gemeinderat in Niedergösgen. Auch er wollte seinen Rücktritt nicht näher begründen und vertröstete ebenfalls auf die nächste Generalversammlung der Ortspartei.

«Ein Zeichen setzen»

«Der Umgang und das Handeln der Gemeinde Niedergösgen gegenüber den Gemeinderäten, den Angestellten und der Bevölkerung sind für mich nicht mehr verantwortbar», erklärte die junge SP-Vertreterin Mara Moser. Sie habe sich 2013 auf ihr neues Gemeinderatsamt gefreut. Aber es sei immer mehr vorgefallen, das sie nicht akzeptieren könne. «Ich habe gekämpft, aber ich sehe keinen Ausweg mehr.» Mit dem Rücktritt möchte sie «ein Zeichen setzen und die Bevölkerung aufwecken». Auch sie möchte vor weiteren Stellungnahmen eine GV der SP Niedergösgen abwarten.

Gemeindepräsident Kurt Henzmann bestätigt, dass es vor allem zwischen ihm und Gemeindevizepräsidentin Judith Piller zu Spannungen gekommen sei. In der letzten Zeit sei die Zusammenarbeit nicht mehr konstruktiv gewesen, es sei vermehrt über Protokolle und Formfragen gestritten worden.

Bei Judith Piller habe er jede Kompromissbereitschaft vermisst: «Das war schade, weil sie sehr gute fachliche Kompetenzen hat.» Die drei Rücktritte seien für ihn völlig überraschend gekommen, die Gründe seien ihm unverständlich. Er hoffe, dass von SVP und SP nun neue Mitglieder für den Rat gemeldet würden.