Walterswil

«Die Gemeinde hat mich unfair behandelt»: Bauherr der Erotik-Bar will sein Geld zurück

Im Restaurant Sonne in Walterswil wollte Zvonko Petrovic eine Bar eröffnen.

Im Restaurant Sonne in Walterswil wollte Zvonko Petrovic eine Bar eröffnen.

Der Bauherr der umstrittenen Kontaktbar in Walterswil fordert die Ausserkraftsetzung der Planungszone im Dorfkern. Ansonsten will er der Gemeinde eine Rechnung ausstellen.

Nachdem letzte Woche bekannt wurde, dass gegen die Planungszone im Walterswiler Dorfkern keine einzige Einsprache erhoben wurde, drängt sich nun die Frage nach dem «Wieso nicht?» auf. Dazu berechtigt wären sowohl der Eigentümer der Liegenschaft an der Rothackerstrasse, wie auch der Bauherr der Erotik-Bar.

Zunächst konnte Bauherr Zvonko Petrovic nicht für eine Stellungnahme erreicht werden, nun hat er sich doch noch zu Wort gemeldet. «Ja, es stimmt, ich habe keine Einsprache gegen die Planungszone erhoben», bestätigt Zvonko Petrovic. «Dies, weil ich der Ansicht war, dass das die Aufgabe des Liegenschaftseigentümers gewesen wäre», erläutert Petrovic. «Doch dieser war der Meinung, dass eine Einsprache nicht notwendig sei.»

Baugesuch für Kontaktbar wurde zurückgezogen

Petkovics Ziel ist sowieso ein anderes: In einem Schreiben an den Walterswiler Gemeinderat, das der Bellacher Anfang März versendete, erklärt er dem fünfköpfigen Gremium, dass er sein Baugesuch für die Kontaktbar und die Zimmervermietung inklusive Dienstleistungen im Erotikbereich zurückziehen werde und nur eine normale Bar mit normaler Zimmervermietung in der ehemaligen Sonne-Bar errichten möchte. Als Gegenleistung möchte Petrovic, dass der Gemeinderat die über die insgesamt vier Parzellen im Walterswiler Dorfkern verfügte Planungszone zurückzieht.

Ansonsten sehe er sich gezwungen, der Gemeinde seine bisherigen Vorinvestitionen für die Baupläne und das Baugesuch in Rechnung zu stellen, schreibt er in einem Brief, welcher dieser Zeitung vorliegt. «Ich bin der Meinung, dass mich die Gemeinde unfair behandelt hat und fordere deshalb meine bisherigen Ausgaben zurück.»

Unfair behandelt deshalb, weil der Bellacher die Ansicht vertritt, die Walterswiler Gemeinde habe die Planungszone ohne rechtliche Grundlage verfügt. «Ich habe weder gegen das Zonenreglement der Einwohnergemeinde Walterswil, noch gegen das Kantonale oder das Nationale Baugesetz verstossen», ist Zvonko Petrovic überzeugt.

Erster Schritt für Ortsplanungsrevision

Die Walterswiler Gemeindepräsidentin Marie-Louise Wilhelm-Merz ihrerseits bestätigt den Erhalt des besagten Schreibens von Anfang März. Doch: «Wir ziehen die Planungszone nicht zurück», stellt sie klar. «Erstens, weil diese Massnahme nicht einfach so getätigt werden kann und zweitens, weil die Erotik-Bar nicht der alleinige Grund für die Verfügung der Planungszone ist. Sie ist der erste Schritt für die Ortsplanungsrevision der Gemeinde Walterswil.»

Gemäss dem Solothurner Planungs- und Baugesetz darf der Walterswiler Gemeinderat sowohl bis zum Erlass als auch während der Änderung von Nutzungsplänen für genau bezeichnete Gebiete Planungszonen festlegen.

Zvonko Petrovic bleibt ausserdem bei seiner Aussage, wonach die Idee der Erotik-Bar von der Walterswiler Gemeinde, und nicht von ihm gekommen sei. «Es war nie meine Absicht, eine Kontaktbar zu eröffnen», sagt er klar. Sein Ziel sei es, die Räume an ausländische Arbeiter zu vermieten. «Ich habe bereits Zusagen erhalten, dass ich sechs Zimmer vermieten kann.»

Besagte Rechnung hat Zvonko Petrovic nun dem Gemeinderat zukommen lassen. Er macht Ansprüche auf eine mittlere vierstellige Summe geltend, die er innerhalb von zehn Tagen gerne auf sein Konto überwiesen hätte.

Die Walterswiler Gemeindepräsidentin Marie-Louise Wilhelm-Merz zeigt sich davon wenig beeindruckt: «Er darf uns die Rechnung schicken. Doch die Ausgaben hat er zu tragen, denn sie sind auf seine eigene Initiative erfolgt.»

Nach der Kirche ins Puff?

Nach der Kirche ins Puff? - Tele M1-Beitrag vom Februar 2017

In der ehemaligen Sonne-Bar in Walterswil soll es schon bald ein Bordell geben. Dass sich das Lokal neben der Kirche befindet, sorgt für rote Köpfe.

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