Däniken

Die Frau mit der Lizenz zum Taufen verlässt das Niederamt

Flavia Schürmann, Seelsorgerin von Däniken, verlässt den Kanton Solothurn und tritt eine neue Stelle in Luzern an.

Flavia Schürmann, Seelsorgerin von Däniken, verlässt den Kanton Solothurn und tritt eine neue Stelle in Luzern an.

Fünf Jahre war Flavia Schürmann Pfarreiseelsorgerin in Däniken. Jetzt tritt sie eine neue Stelle in der Innerschweiz an.

Flavia Schürmann steht ein wenig verlegen vor der Kamera. Trotzdem weiss sie, wie sie sich ablichten lassen will. «Als Seelsorgerin verstehe ich mich als öffentliche Figur», erklärt sie später im Gespräch. Sie will als Gesprächspartnerin der Niederämter wahrgenommen werden, deren Freuden und Sorgen kennen und wenn nötig eine Unterstützung sein. «Bei dieser Aufgabe gibt es mir Mut und Kraft zu wissen, dass Gott mir beisteht.»

Für die 30-jährige Seelsorgerin aus Kestenholz war schon als Kind das Erleben der Gemeinschaft und Religion wichtig: Sie war bei der pfarreinahen Gruppe Jungwacht und Blauring und als Ministrantin aktiv. Sie war besonders beeindruckt vom Pfarreileiter in ihrem Dorf: «Er hatte eine Familie, so habe ich es auch für mich vorstellen können, in einer Pfarrei zu arbeiten.»

Als sie dann das Theologiestudium in Luzern angefangen hatte, wusste sie zuerst nicht, auf was sie sich einlässt. «Es war blindlings ein Schuss mitten ins Schwarze», so Schürmann. Die Vielfältigkeit des Studiums gefiel ihr. Als es darum ging, einen Berufsweg einzuschlagen, musste sie sich zweimal überlegen, ob sie für die katholische Kirche arbeiten will.

Denn sie findet es schwierig, dass Frauen in der katholischen Kirche nicht die gleichen Wege offen stünden wie einem Mann: «Gewisse Sachen kann ich nicht ändern und ich war mir dessen auch bewusst, als ich Seelsorgerin wurde», meint sie fast schon fatalistisch. Heute ist sie sich sicher, dass sie den richtigen Weg eingeschlagen hat. Im alltäglichen Arbeitsleben habe sie nie das Gefühl, dass sie wegen ihres Geschlechts benachteiligt wurde.

Sie hat die Lizenz zum Taufen

Ihre erste Anstellung nach dem Studium fand sie 2014 in Däniken. Damals wurde im Niederamt gerade der Pastoralraum eingerichtet. «Es herrschte Aufbruchsstimmung und ich fand es spannend, zu sehen, wie man die Kirche gestalten kann und dabei auch noch Ressourcen bündelt», erklärt die Theologin. Der Berufseinstieg wurde ihr durch die Unterstützung der Pfarrei erleichtert: «Für mich war alles das erste Mal.» Nach fünf Jahren wird sie nun nach Wolhusen LU wechseln. Trotz der Vorfreude über die neue Herausforderung verlässt sie das Niederamt ungern: «Ich denke, die erste Anstellung vergisst man nie.»

Im Niederamt habe sie nicht nur ihre erste Arbeitserfahrung sammeln können, sondern wurde besonders unterstützt: Seit August 2016 hat sie eine generelle, ausserordentliche Taufvollmacht. Das heisst, dass sie im Pastoralraum Niederamt Kinder taufen darf. «Pfarrer Reglinski war es ein Anliegen, dass ich taufen darf. In einem anderen Bistum, mit einem anderen Pfarrer wäre das so nicht möglich gewesen», vermutet Schürmann.

Normalerweise dürfen nur Ordinierte – das sind Priester und Diakone, die Sakramente spenden können – diese Aufgabe übernehmen. Eine Taufe gehört zu den Aufgaben in ihrem Beruf, die sie sehr mag. «Bei einer Taufe geht es darum, das Kind in der Gemeinschaft aufzunehmen», erklärt sie. Bis jetzt hat sie schon gegen 30 Kinder taufen dürfen.

Unvergessliche Momente im Niederamt

Nicht nur die Taufen werden ihr in Erinnerung bleiben: Die Vertrautheit im Dorf, die Seniorentreffen im Pfarrsaal, die Ministranten-Lager, die Gottesdienste und vieles mehr. Ein unvergessliches Ereignis wird aber der Taizé-Jugendtreff vor zwei Jahren in Basel bleiben.

Zu diesem Anlass hat sie mitgeholfen, 100 junge Pilgernde im Niederamt zu beherbergen. «Es war erstaunlich einfach, so viele Menschen im Niederamt unterzubringen und ich fand es sehr eindrücklich, diese Solidarität zu erleben», meint sie ein wenig wehmütig.

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