«Das Grösste an diesem Film ist die Offenheit und Herzlichkeit der Behinderten», erzählt der Oltner Filmemacher Peter Bolliger, «sie machen ohne Hemmungen mit». Für einen Dokumentarfilm sei es wichtig, dass die Gefilmten sich natürlich bewegen und nicht in die Kamera blicken. Vor Drehbeginn habe er sich etwas Sorgen gemacht, ob das klappe, gibt Bolliger zu. «Aber für die Betreuten war es fast einfacher als für die Betreuer: Am Anfang mussten sie lachen, dann haben sie sich sehr schnell an die Kamera gewöhnt und machten ganz locker mit.»

Seit rund einem Jahr sind die Dreharbeiten im Gang, verteilt auf 25 Drehtage. «Manchmal kommen wir nur für einen bestimmten Event, ein anderes Mal ist es ein ganzer Tag», berichtet Bolliger. «In dieser Zeit haben sich richtige Freundschaften ergeben. Die Betreuten fragen uns: Wann kommt ihr wieder?» Für ihn sei es heute fast wie Heimkommen, wenn er wieder auf den Buechehof komme.

Das bestätigt vonseiten der Institution Beat Gygax, in der Geschäftsleitung für Personal und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. «Die Beziehung zu den Filmern ist sehr gut», sagt er. «Sie werden heute ganz natürlich aufgenommen, wie Kollegen.» Und: «Es wird etwas fehlen, wenn sie nicht mehr kommen.»

Premiere vor Weihnachten

Mittlerweile ist der Buechehof-Film zum grössten Teil fertig gedreht. Bis Ende Juli kommen noch einzelne Interviews dazu. Als Endprodukt soll bis Oktober oder November eine Kinoversion von 60 bis 70 Minuten Dauer vorliegen, erklärt Bolliger. Die Premiere, so sein Ziel, soll vor Weihnachten stattfinden. Dazu sucht er mit dem Oltner Kinobetreiber Koni Schibli noch den geeigneten Saal, wo die grosse Schar der Filmstars und ihre Angehörigen Platz finden: Die Betreuten und Mitarbeiter vom Buechehof.

In den Oltner Kinos wird auch das breite Publikum den Film zu sehen bekommen. Zudem hofft Bolliger, eine 45-minütige Fassung als Dokfilm für das Schweizer Fernsehen produzieren zu können. Und er möchte das Werk an Dokumentarfilm-Festivals zeigen.

Ein Tag und ein Jahr

Das Grundkonzept: Der Film lässt die Zuschauer einen Tag im Buechehof erleben, von Morgen bis Abend – und gleichzeitig ein ganzes Jahr. Die Aufnahmen haben den Alltag in allen Jahreszeiten festgehalten. «Man beginnt an einem Morgen im Frühling und wird bis an einen Abend im Winter geführt», erklärt Bolliger, der auch das Drehbuch geschrieben hat.

Die Idee für den Buechehof-Film hatte Bolliger schon im Sommer 2013. Dann gründete er «Peter’s Filmwerkstatt» (Auftragsfilme) und drehte seinen Spielfilm «Todesfall». Im Frühling 2015 packte er das Projekt «Buechehof» an. Bolliger konnte seine Idee der Buechehof-Leitung persönlich vorstellen und stiess auf positives Echo. Während fünf Tagen lernte er den Buechehof von innen kennen, indem er in allen Abteilungen mit den Behinderten zusammen mitarbeitete. Bis im Juli 2015 überarbeitete er sein Drehbuch. Dann starteten die Dreharbeiten, für die er den erfahrenen Kameramann Peter Schurte (Zofingen) gewinnen konnte.

Die Geschäftsleitung des Buechehofs sah in Bolligers Vorhaben eine Chance für die Institution, hatte aber durchaus eigene Vorstellungen und Anforderungen. «Für uns war klar: Der Film muss authentisch sein, nicht überspitzt oder künstlich», erläutert Beat Gygax gegenüber dieser Zeitung. Er sollte die Arbeit für Menschen mit Unterstützungsbedarf treffend zeigen, durfte aber auch «nicht zuviel Aufruhr» in den Betrieb bringen.

Fast alle wollten mitmachen

Es galt, die Zustimmung aller Betreuten und ihrer gesetzlichen Vertreter sowie auch der Mitarbeiter einzuholen, die im Film vorkommen. «Fast alle haben ihre Einwilligung gegeben, nur ganz wenige wollten nicht im Film vorkommen», so Gygax. Auch einzelne Eltern von Betreuten werden im Film zu Hause besucht.

Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit Peter Bolliger und seinem Team war gegenseitiges Vertrauen. «Bisher haben wir zwei Versionen von Trailern des Films gesehen», berichtet Beat Gygax, «und wir waren beeindruckt von der Sensibilität fürs Ganze, die darin zum Ausdruck kommt.»

Die Leitung des Buechehofs habe die Drehbücher im Voraus zu sehen bekommen und jeweils den Ablauf der Drehtage mit dem Regisseur besprochen. Auch werde sie den fertigen Film vor der Veröffentlichung sehen. Aber eine Zensur werde nicht ausgeübt. «Die Machart des Films ist Sache der Filmer», sagt Gygax. «Wir vertrauen darauf, dass es funktioniert.»