«Die heutige Versammlung bot nicht so viel Action wie die Infoveranstaltung zur Asylunterkunft Täli», scherzte Gretzenbachs Gemeindepräsident Daniel Cartier nach einer unspektakulären Rechnungsgemeinde. In seinen Worten war gleichzeitig eine Portion Erleichterung zu spüren. «Der letzte Frühling widerspiegelte meine bisher schwierigste Zeit als Gemeindepräsident», gab Cartier unverblümt zu.

Die Asylunterkunft Täli kam an der montäglichen Versammlung für einmal nur unter den Mitteilungen zur Sprache. Denn bis heute ist noch kein einziger Asylbewerber in der temporären Unterkunft eingezogen. «Durch die Schliessung der Balkanroute sind die Anträge für Asylgesuche zurückgegangen. Der Kanton hat daher keinen dringenden Handlungsbedarf mehr. Trotzdem wird die Unterkunft laut Kanton per Anfang Juli in Betrieb genommen», erklärte Gemeindepräsident Cartier.

Diese Mitteilung nahmen die 34 anwesenden Stimmberechtigten stoisch zur Kenntnis. Ganz allgemein habe sich die Stimmung seit der Infoveranstaltung und den Sprayereien durch Unbekannte an der Asylunterkunft entspannt. «Wir konnten dank weiteren, intensiven Gesprächen die direktbetroffenen Anwohnerinnen und Anwohner sensibilisieren», zeigte sich Cartier im Gespräch nach der Rechnungsgemeinde zufrieden.

Was passiere, wenn die ersten Asylsuchenden einziehen werden, könne er natürlich nicht abschätzen. «Aber bei uns fahren bekanntlich nicht wie in Deutschland volle Busse mit Asylsuchenden vor.» Daher ist Gretzenbachs Gemeindepräsident zuversichtlich, dass die Stimmung bezüglich der Asylunterkunft nicht noch einmal kippen wird.

Gewinn statt Verlust eingefahren

Der Fokus richtete sich daher auf das wesentliche Geschäft: die Rechnung 2015. Dabei wartete der Gemeinderat mit einem überraschenden Gewinn auf. Statt den budgetierten 56 000 Franken Verlust resultierte ein Überschuss von 52 500 Franken. Neben tieferen Investitionen als erwartet – die allerdings auf die nächste Rechnung verschoben wurden – waren die Steuereinnahmen bei den natürlichen Personen um einiges höher ausgefallen als budgetiert.

Der akribisch vorbereitete Finanzverwalter Hans Vögeli zeigte in seiner Analyse auf, weshalb diese Steuerfreude nur einmalig gewesen sein dürfte. Einer der fünf besten Steuerzahler falle im Jahre 2016 weg und zwei weitere müssten 2016 im Vergleich zum Vorjahr rund die Hälfte weniger bezahlen.

Selbst wenn der Lastenausgleich für die Sozialhilfe einmal mehr über dem budgetierten Betrag lag, war er doch zum ersten Mal seit der Neuregulierung 2009 unter dem Stand des Vorjahres. Diesen Fakt hob Hans Vögeli hervor, leiden doch viele kleinere Gemeinden seit der Einführung der Sozialregionen unter massiv gestiegenen Sozialkosten – dieser Trend scheint sich nun zumindest kurzfristig umzukehren.

Auch mal ein Schulterklopfen

Zum Abschluss der Versammlung durften zwei verdiente Gretzenbacher geehrt werden. Der eine war Rolf Schertenleib, der seit 16 Jahren in verschiedenen Funktionen für die Gemeinde tätig ist. Der andere war der Gemeindepräsident höchstpersönlich, welcher seit 1999 in der Gretzenbacher Politik und seit 2009 als Gemeindeoberhaupt mitmischt. «Es ist natürlich schön, wenn dir zwischendurch auch einmal auf die Schulter geklopft wird», meinte Daniel Cartier. Erst recht, wenn im ersten halben Jahr 2016 die Schulterklopfer der Minderheit angehörten.