Stüsslingen/Rohr
Die erste gemeinsame Versammlung steht bevor: Stüsslinger Gemeindepräsident äussert sich zur Fusion

Georges Gehriger, Gemeindepräsident von Stüsslingen, leitet heute die erste Gemeindeversammlung mit Rohr.

Interview: Lorenz Degen
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Georges Gehriger zeigt die neue Ortstafel von Rohr, auf der die Zugehörigkeit zu Stüsslingen sichtbar ist.

Georges Gehriger zeigt die neue Ortstafel von Rohr, auf der die Zugehörigkeit zu Stüsslingen sichtbar ist.

Bruno Kissling

Ein ganz spezieller Tag steht am Samstag Georges Gehriger (51) bevor: Die erste gemeinsame Gemeindeversammlung von Stüsslingen und Rohr wird stattfinden. Im Interview äussert sich der Stüsslinger Gemeindepräsident zum Fusionsprozess und den anstehenden Aufgaben der neuen Einheitsgemeinde.

Herr Präsident, wie haben Sie sich auf diese erste Versammlung vorbereitet?

Georges Gehriger: Eigentlich wollten wir eine «Landsgemeinde» durchführen. Wie bei der Glarner Landsgemeinde hätte es ein spezielles Essen gegeben. Für den Festakt wäre Frau Regierungsrätin Wyss zu uns gekommen, es hätten auch Ehrungen stattgefunden. Das geht nun nicht in dieser Form.

Was haben Sie stattdessen nun vor?

Heute Morgen werden wir uns in der Turnhalle Stüsslingen treffen. Es gilt das bewährte Schutzkonzept, das heisst Desinfektion, Abstand, Masken und Sektoren. Zudem soll die Türe offenbleiben, um die Luftzirkulation zuzulassen. Statt im Vereinsraum, wo die Gemeindeversammlung üblicherweise stattfindet, haben wir in der Halle auch mehr Platz. Wir hoffen allerdings, den Festakt im Sommer 2021 nachzuholen. Wenn das Wetter stimmt, machen wir das dann draussen, das wäre sehr schön.

Was ist in der Zwischenzeit alles geschehen im Fusionsprozess?

Der Kantonsrat hat das Geschäft behandelt und die Gebietsanpassung genehmigt. Im Gemeinderat haben wir die Gemeindeordnung, «GO» und die Dienst- und Gehaltsordnung «DGO» an die neue Organisation angepasst. Zudem war es eine sehr grosse Aufgabe, für den Finanzverwalter das gemeinsame Budget zu erstellen und zu konsolidieren.

Wie steht Stüsslingen derzeit finanziell da?

Staf hat uns auf dem linken Fuss erwischt. Dadurch, dass mehrere Personen mit grossem Einkommen pensioniert wurden, gab es gesamthaft weniger Steuersubstrat. Das müssen wir tragen. Uns beschäftigt zudem der Kostenanstieg im Bereich Bildung und Soziales. Wir budgetieren für 2021 ein Defizit von 400000 Franken. Nächstes Jahr müssen wir Anpassungen vornehmen. Es handelt sich um eine strukturelle Problematik, einfach die Steuern zu erhöhen, wäre nicht zielführend.

Was für Aufgaben sind noch zu bewältigen?

Wir werden unsere Archive zusammenlegen. Ein grosser Aufwand wird die Zusammenlegung der Daten in den Informatiksystemen sein, welche dann mit Tests zu verifizieren sind. Da bin ich froh, auf unser Verwaltungsteam zählen zu können.

Wie sieht es aus mit dem neuen Gemeinderat?

Der Übergangsgemeinderat wird durch André Wyss und Judith Soland mit zwei Mitgliedern aus Rohr ergänzt, die andere drei Mitglieder Gabriel Burki, Urs Lochmann und Christoph Schär werden per 1. Januar 2021 ihr Gemeinderatsmandat niederlegen. Von Stüsslingen hören per 31. Juni 2021 Benno Bucher und Petra von Arx als amtierende Gemeinderäte auf.

Was ändert sich auf der Verwaltung?

Die Gemeindeschreiberin von Rohr wird neue Gemeindeschreiberin von Stüsslingen, weil unsere bisherige Stelleninhaberin weggezogen ist. Wir sind froh über diese Lösung, da dadurch Wissen erhalten bleibt.

Gibt es Änderungen bei den Kommissionen?

Wir werden keine Finanzkommission bilden. Aus der Unterhalts- und Umweltkommission wird neu die Umweltkommission. Der Tiefbau mit den Strassen kommt neu zur Werkkommission, die neu nicht mehr Wasserkommission heisst. Die Baukommission Rohr bleibt bis zur neuen Amtsperiode im August 2021 bestehen.

Wie geht es Stüsslingen generell?

In Stüsslingen haben wir mit dem Dorfladen, dem Bauernladen, dem Beck, Biofleisch ab Hof eine gute Grundversorgung, die geschätzt und genutzt wird. Den Gemeinderat beschäftigt im Moment vor allem auch die finanzielle Lage, welche keine guten Aussichten beschert. Die Sozial- und Bildungskosten steigen stärker an, auf der anderen Seite sinken die Steuereinnahmen und der Beitrag aus dem Finanzausgleich. Dank des einmaligen Fusionsbeitrags können wir dieses Jahr auf Steuererhöhungen noch verzichten.

Welche Geschäfte stehen nebst der Fusion auf der Agenda?

Die Ortsplanrevision ist im Moment in einer intensiven Mitwirkung, alle Hinweise nehmen wir gerne auf. Durch Corona verloren wir ein gutes Jahr, aber das ist weiter nicht tragisch. Unter anderem werden wir das Thema «erhaltenswerte kommunale Gebäude» nochmals hinterfragen. Dazu haben wir Steinschlagmassnahmen, ein grösseres Strassenprojekt, das Flurreglement, Neubesetzung der Schulleitung und die Neuwahlen mit der Besetzung der Ämter auf der Agenda.

Was für erhaltenswerte Gebäude gibt es im Dorf?

Die Dorfkirche ist bereits ein geschütztes Gebäude. Zusätzlich wollen wir das Elektrotürmli, wo Fledermäuse drin nisten, erhalten. Es wurde renoviert, da haben wir es auch gleich geschätzt. Das Dorfbild soll zwar erhalten bleiben, aber ohne eine Schutzzone, welche die Eigentümer einschränkt. So etwas passt nicht zum liberalen Stüsslingen.