In ihrer jetzigen Form wurde die Dorfkirche St. Peter und Paul in Starrkirch-Wil 1671 gebaut. Sie ist der Geburtsort der christkatholischen Kirche in der Schweiz. Wann die erste Kirche in Starrkirch-Wil genau entstand, ist zwar unklar, es wird jedoch vermutet, dass deren Ursprung bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht. Erstmals erwähnt wurde sie 1036 im Dorfnamen.

«Starrchenchilchun» hiess die Gemeinde damals. Eine These besagt, dass zu dieser Zeit ein alemannischer Siedler namens Starcho als Stifter der Hofeigentümer in Starrkirch-Wil gelebt haben soll. Im selben Jahr wurde die Kirche von Starrchenchilchun vom Grafen von Lenzburg dem Stift Beromünster geschenkt. Fast 400 Jahre blieb sie in dessen Besitz. 1498 wurde das Gotteshaus weitergegeben und gehörte danach dem Kloster Schönenwerd.

Vor 350 Jahren wurde die Kirche schliesslich erbaut, wie sie noch heute aussieht. Dank einer Vergabung von 2000 Gulden des Chorherren Johan Jakob Gugger konnte 8 Jahre später, 1679, das dazugehörige Pfarrhaus erbaut werden, welches ebenfalls noch heute in seiner ursprünglichen Form vorhanden ist. Nach einem Feuer wurde die Kirche 1812 verlängert. Vier Jahre später konnte sie wieder ihrer Bestimmung übergeben werden und als Dorfkirche aller Katholiken von Starrkirch, Wil und Dulliken dienen.

Glaubensspaltung in Starrkirch-Wil

Turbulent wurde die Geschichte um die Dorfkirche im Jahr 1872 mit der in Starrkirch-Wil ausgelösten Trennung zwischen der römisch-katholischen Kirche und der späteren christkatholischen Kirche der Schweiz. Paulin Gschwind war damals seit sieben Jahren Pfarrer in Starrkirch.

Der Hirtenbrief des Bischofs, der in allen Kirchen hätte verlesen werden sollen, beinhaltete auch die päpstlichen Konzilbeschlüsse, welche Pfarrer Paulin Gschwind beim Verlesen jedoch ausliess. 1871 musste er sich deswegen vor dem bischöflichen Ordinariat verantworten, wo er erklärte, nie öffentlich gegen die Beschlüsse zu sprechen, aber betonte auch, dass er diese als freier Mann auch nie akzeptieren würde.

Gemeinde stand hinter Pfarrer

1972 wurde Paulin Gschwind deswegen vom Bischof als Pfarrer abgesetzt. Jedoch konnte der auf seine Gemeinde zählen: Eine Mehrheit der Einwohner von Starrkirch-Wil stand hinter dem abgesetzten Pfarrer. Mit dem Rückhalt der Gemeinde legte Pfarrer Gschwind bei der Regierung Einspruch ein. Am 27. September 1872 trat der Solothurner Kantonsrat zusammen, um Stellung in dieser Angelegenheit zu nehmen. Mit 78:22 Stimmen gewährte der Rat dem Pfarrer Schutz, solange er nicht von der zuständigen Behörde, dem Stift von Schönenwerd, abgesetzt werde.

Als 1873 ein Kapuziner anstelle von Pfarrer Paulin Gschwind einen Gottesdienst in der Starrkirch-Wiler Kirche halten sollte, wurde der Kapuziner von Gschwinds Anhängern mit Gewalt aus der Kirche entfernt. Die Einwohner mit römisch-katholischem Glauben folgten dem Kapuziner. Nach der Glaubensspaltung wurde Paulin Gschwind zum ersten christkatholischen Pfarrer und die Starrkirch-Wiler Dorfkirche zur ersten christkatholischen Kirche der Schweiz.

Vier Säulen zieren den Eingang der Kirche.

Vier Säulen zieren den Eingang der Kirche.

Renovationen und Farbglas

Nach der Spaltung der Katholiken wurde es während fast 100 Jahren wieder ruhiger um die Dorfkirche Starrkirch-Wil. 1967 wurde das Gotteshaus dann einer Komplettrenovation unterzogen. Nur zehn Jahre später entstand ein Kirchgemeindesäli und somit ein Zentrum für Gemeindeaktivitäten. 1989 wurde von der Gemeinde die vollständige Innenrenovation des Pfarrhauses und eine teilweise Unterkellerung beschlossen.

Sechs Jahre danach, 1995, erhielt die Dorfkirche Farbglasfenster, welche von Raphaela Bürgi gestaltet und vom Glasatelier Engeler in Andwil gefertigt wurden. 2008 folgte eine Innenrenovation. Noch heute finden in der Dorfkirche wichtige Aktivitäten, Konzerte und Veranstaltungen statt. Und noch heute steht sie am selben Ort, an dem sie vor rund 350 Jahren erbaut wurde, und trägt auf ihren Säulen die Geschichte der christkatholischen Kirche der Schweiz.