Gretzenbach
Die Aufnahme von Asylsuchenden soll vor allem Geld sparen

Der positive Entscheid zur Vermietung der Unterkunft «Täli» ist wohl im wesentlichen Kalkül. Gretzenbach hat es in den letzten Jahren verpasst, das Aufnahmesoll für Asylsuchende zu erfüllen. Nun stellte sich die Frage: aufnehmen oder bezahlen.

Philipp Felber
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Die Zivilschutzanlage Täli befindet sich im Mehrzweckgebäude Grube.

Die Zivilschutzanlage Täli befindet sich im Mehrzweckgebäude Grube.

Christian von Arx

An der Infoveranstaltung zum Asyldurchgangsheim am Montagabend präsentierte Gemeindepräsident Daniel Cartier drei Optionen, welche dem Gemeinderat offenstanden. Erstens die Möglichkeit, das in den letzten Jahren fabrizierte Defizit beim Aufnahmesoll von Asylsuchenden mit normalen Aufnahmen von Asylsuchenden auszugleichen.

Zweitens das nun ab Ende Mai in Betrieb stehende kantonale Durchgangsheim und als dritte Option eine Ersatzvornahme an den Kanton in der Höhe von 500 000 Franken. Insbesondere das Argument mit der halben Million schien bei den Anwesenden als sinnvoll erachtet zu werden.

Dass Geld ein schlagkräftiges Argument in der Asyldiskussion sein kann, bestätigt auch Claudia Hänzi vom Amt für Soziale Sicherheit. «Gemeinden, welche aus verschiedenen Gründen das Aufnahmesoll in den letzten Jahren nicht erfüllen konnten, stehen vor der Entscheidung: aufnehmen oder zahlen.» Der positive Entscheid zur Vermietung der Unterkunft «Täli» ist wohl im wesentlichen Kalkül.

Publikumsaufmarsch überraschte

Einer, der direkt unter Beschuss stand, war Gretzenbachs Gemeindepräsident Daniel Cartier. Nach der Veranstaltung zeigte er sich sichtlich erleichtert. Doch er sagte auch: «Wir haben etwa die Fragen erwartet.» Etwas überrascht war er jedoch vom Publikumsaufmarsch. Gegen 350 Interessierte drängten sich in die rappelvolle Turnhalle 1957.

Gretzenbachs Gemeindepräsident Daniel Cartier am Infoanlass.

Gretzenbachs Gemeindepräsident Daniel Cartier am Infoanlass.

Patrick Lüthy

Claudia Hänzi zeigte sich von der konstruktiven und gut geführten Veranstaltung erfreut. Eine gewisse Routine in der Beantwortung der Fragen aus dem Publikum liess sich am Montagabend zudem nicht abstreiten, schliesslich betreibt der Kanton bereits neun Durchgangszentren und viele der Anwesenden von Kanton und der Betreiberfirma ORS Service AG haben fast so viele Veranstaltungen dieser Art erlebt, als dass die Voten der zum Teil aufgebrachten Bevölkerung überraschen konnten.

Etwas was sich Cartier und der Gemeinderat weiter offenhalten möchten, ist eine allfällige Verlängerung der Mietfrist für das Durchgangszentrum. Er betonte aber nach der Veranstaltung noch einmal, dass der Gemeinderat den Puls der Bevölkerung fühlen möchte.