Von Aarau her führen künftig vier Bahngleise Richtung Westen: Die zwei mittleren davon dienen vor allem dem schnellen Fernverkehr und werden als «Neubaustrecke Eppenberg» (NSE) bei der Verzweigung Wöschnau in den Eppenbergtunnel geführt, während die beiden äusseren Gleise künftig die langsamere Stammlinie durch den Bahnhof Schönenwerd bilden. Das südliche, also näher beim Hang gelegene Stammgleis muss in der Wöschnau die zwei neuen Gleise unterqueren.

Dieser Unterquerung dient der Einspurtunnel Wöschnau. Das ganze Bauwerk ist 1'160 Meter lang und besteht aus drei Teilen: Von Aarau her wird das Gleis zuerst in einer 170 Meter langen Rampe abgesenkt, unterquert dann auf 490 Metern Länge überdeckt die zwei Gleise der Neubaustrecke und erreicht über eine 500 Meter lange Rampe etwa bei der Firma Schenker Storen in Schönenwerd wieder das natürliche Niveau.

Die erste von drei Bauetappen für den Einspurtunnel Wöschnau hat jetzt begonnen. Die Frage nach dem Zeitpunkt der Fertigstellung lässt Oberbauleiter Benjamin Karli kurz stutzen, denn der Abschluss liegt noch in weiter Ferne: «Das wird etwa 2019 sein.»

Gleise hin und her verschieben

Der Einspurtunnel zeigt, dass auch die Stammlinie auf einem Teilabschnitt neu gebaut wird. Aber während der gesamten, rund fünfjährigen Bauzeit des Eppenbergtunnels müssen immer zwei Gleise für den Bahnverkehr zwischen Olten und Aarau offen bleiben. Das bedeutet viel Arbeit für die Gleisbauer: Je nach dem Stand der Bauarbeiten müssen die für den laufenden Betrieb offenen Gleise zwischen Aarau und der Wöschnau mehrmals etwas nach Norden oder Süden versetzt werden. Das wird noch öfter Nächte oder Wochenenden mit Gleisbauarbeiten nötig machen.

Bei unserem Besuch standen diese Arbeiten unter der Leitung von Hansruedi Gehrig, der schon seit 43 Jahren im Gleisbau tätig ist – ursprünglich bei den SBB, heute für die private Schweizer Gleisbaufirma Sersa, die auch für ausländische Bahnen, bis nach Australien, Gleise erstellt.

Im Aarauer Schachen testete Sersa gerade eine fabrikneue Schotterreinigungsmaschine, bevor diese in England zum Einsatz kommen soll. Die Arbeit ist lärmig und staubig, aber Gehrig macht das nichts aus. Er ist ein leidenschaftlicher «Gramper»: «Ich war schon dabei, als wir hier vor 30 oder 40 Jahren die heutigen Gleise eingebaut haben», lacht er. (cva)