«Mahren muss man lieben», sagt Paul Bühler «sonst wohnt man nicht hier.» Er schätzt die Ruhe und die Natur im Weiler westlich von Lostorf. Von seinem Haus aus hat er einen herrlichen Blick hinüber auf den Dottenberg und die Siedlung im Eibach-Tälchen darunter. Nur eine Handvoll Gebäude zählt der Weiler. Es sind vornehmlich Landwirtschaftsbetriebe oder Einfamilienhäuser.

Eines jener Gebäude, oder besser gesagt dessen Dach, hat unlängst Bühlers Aufmerksamkeit erregt. Es ist auf der Südseite seit Kurzem fast vollständig mit Sonnenkollektoren bedeckt. Bühler sieht darin eine «Verschandelung des Weilers Mahren». Gerade weil Mahren nur aus wenigen Gebäuden bestehe, steche das Dach mit der Solaranlage besonders ins Auge. «Da wäre mir das goldene Dach von Olten lieber», sagt er.

Dachziegel nur in Rot oder Braun

Bühler, der seit 22 Jahren in Mahren wohnt und dort selber schon mehrere Bauprojekte umgesetzt hat, vermutete einen Verstoss gegen die geltenden Bauvorschriften. Er wandte sich an die Gemeinde. «Ich wollte wissen, wer das bewilligt hat.» Er war sich sicher, dass die auffällige Konstruktion gegen den Juraschutzartikel des Kantons Solothurn verstösst. Dieser besagt, dass Bauten sich gut in die Umgebung einfügen müssen und das Orts- und Landschaftsbild nicht beeinträchtigen dürfen.

«Ein Siebtel der Dachfläche darf mit Lukarnen, Einschnitten oder Dachflächenfenster verbaut werden», weiss der Mahrener. «Diese Solaranlage sieht aus wie 36 Dachfenster», findet er und verweist zum Vergleich auf ein Haus in unmittelbarer Nähe mit einer kleineren Anlage, die seiner Ansicht nach nicht störe. «Es gibt genaue Vorschriften, welche Farben Dachziegel haben dürfen – ziegelrot oder rotbraune Töne. Aber bei einer Solaranlage kann jeder machen, was er will. Das ist sehr schade.»

Juraschutzzone klar definiert

Ganz so ist es zwar nicht. Aber tatsächlich braucht es heute für Dachsolaranlagen in der Bauzone keine Baubewilligung mehr, wie Heinz Marti, Bauverwalter von Lostorf, auf Anfrage bestätigt. Denn so steht es im Raumplanungsgesetz des Bundes. Allerdings kann der Kanton in klar umschriebenen Typen von Schutzzonen eine Baubewilligungspflicht vorsehen.

Entsprechend gilt im Kanton Solothurn eine Bewilligungspflicht für Solaranlagen auf Dächern von Kulturdenkmälern oder Gebäuden von kantonaler Bedeutung. Dazu gehören unter anderem auch Gebäude, die sich innerhalb der Juraschutzzone befinden. Verstösst die Konstruktion in Mahren also gegen den Juraschutzartikel?

Der Bauverwalter klärt auf: «Juraschutzzone und Bauzone überlagern sich nicht», sagt er. Die Schutzzone sei im kantonalen Richtplan klar definiert und umfasse nur den Wald und das Landwirtschaftsgebiet, nicht aber die Bauzone im Siedlungsgebiet.

Schutz des Ortsbilds

Für Paul Bühler ist das schwer nachvollziehbar. «Jurazone ist, wo der Jura ist», findet er. Zudem verweist er auf die Pflicht der Gemeinde, das Ortsbild zu schützen. Diese Schutzpflicht sei hier klar ausgehebelt worden. Er ist überzeugt: «Wenn so etwas bewilligungspflichtig wäre, dann wäre es ganz sicher nicht bewilligt worden.»

Was den Schutz des Ortsbildes anbelangt, gibt es ebenfalls klare Vorgaben. «Auch eine Ortsbildschutzzone muss rechtlich definiert sein», erklärt Bauverwalter Marti. Das Haus befindet sich aber in einer regulären Bauzone. Entsprechend bestehe lediglich eine Meldepflicht für die Solaranlage, welche die Gemeinde auch erhalten und geprüft hat. Einschreiten müssten die Behörden nur dann, wenn es sich um ein Projekt auf einem Gebäude innerhalb einer Schutzzone handeln würde. Dies ist beim Haus in Mahren nicht der Fall.

Paul Bühlers Ärger richte sich nicht gegen die Eigentümer des Hauses, wie er betont. «Sie nehmen ihr gutes Recht wahr.» Er wundert sich aber über den gesetzlichen Rahmen. «Wegen ein paar Bronzepferden macht man ein grosses Theater», sagt er und spielt damit auf einen aufsehenerregenden Rechtsstreit um zwei Skulpturen auf dem Gelände von Starcoiffeur Hugo Rütimann an, der ebenfalls in Mahren wohnt. «Aber eine Solaranlage muss man einfach akzeptieren, obwohl doch sonst alles streng reglementiert ist.»

Auf Anfrage dieser Zeitung wollten sich die Hauseigentümer nicht äussern. Paul Bühler hat mittlerweile seinen Anwalt kontaktiert. Er glaubt nicht, dass er damit viel bewirken kann, wie er selber sagt. «Ich werde keine grosse Chance haben. Aber wenigstens habe ich gemacht, was ich machen konnte.»