Trimbach
Der Weg neben dem Gleis wurde aus der Illegalität geholt

Der Bahnlehrpfad in Trimbach erklärt die Anfänge der Eisenbahn in der Region Olten. Früher fand sich dort eine Abkürzung.

Lorenz Degen
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Den Bahnlehrpfad Trimbach gibt es seit dem 30. Mai 2008.
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Bahnlehrpfad Trimbach
Urs Ramseier textete die zehn Info-Stelen für den Bahnlehrpfad.
Die Stelen wurden nach SBB-Normen im Miniaturformat gefertigt.
Auf dem Friedhof Trimbach erinnert ein Denkmal an die Verunglückten des Tunneleinsturzes im Jahr 1857.

Den Bahnlehrpfad Trimbach gibt es seit dem 30. Mai 2008.

Patrick Lüthy

«Da muss ein Weg hin», sagte sich Karl Zimmermann 1994. Der pensionierte SBB-Angestellte aus Trimbach nutzte damals den Trampelpfad zwischen der Station Trimbach und der Überführung, der auf dem ehemaligen, bis 1938 genutzten zweiten Gleisbett lag. «Mit Kindern und Kinderwagen haben wir uns da oft durchgewurstelt.» Zimmermann ging jedoch in Deckung, wenn ein Zug nahte: «Als Mitarbeiter der Generaldirektion sollte ich mich da nicht blicken lassen.» Denn die Abkürzung war illegal. «Ich wollte diesen Weg legalisieren, da er einem breiten Bedürfnis entsprach und von vielen Leuten genutzt wurde.»

Lange passierte nichts. An einer 1.-August-Feier kam er mit Josef Elsener, dem damaligen Präsidenten des Verschönerungsvereins Trimbach (VVT), ins Gespräch. Das 80-jährige Jubiläum stand an, der Verein wollte etwas «Epochenfüllendes» machen. «Ich hätte dir eine gute Idee», sagte Zimmermann zu Elsener, der für den Weg «sofort Feuer und Flamme war.» Zimmermann schlug eine Arbeitsteilung vor. «Ich sagte zu den VVT-Leuten, dass sie selbst Hand anlegen müssten. Ich würde für die Bewilligungen und die Finanzierung schauen.»

Sein guter Draht zu Benedikt Weibel, dem damaligen SBB-Generaldirektor, half ihm, als untere SBB-Instanzen mit der Unterstützung zögerten. «Die Abteilung der Liegenschaften schwieg einfach und wollte die Anfrage aussitzen. Erst als ich Benedikt Weibel schrieb, ich hätte ihn gerne zu einer Bratwurst bei der Eröffnung eingeladen, kam Bewegung in die Sache.»

Die Gemeinde Trimbach musste «Götti» sein

Da die SBB jedoch keine Nutzungsverträge mit Privaten oder Vereinen abschliessen, war der Einbezug der Gemeinde Trimbach nötig. Mit deren Hilfe als «Götti» konnte der Weg rechtlich verankert werden. Nun galt es, ihn auch baulich herzurichten. Die Mitglieder des VVT packten an, am
9. April 2005 erfolgte der Spatenstich. «Das waren Senioren, die chrampften», erinnert sich Zimmermann. Von Hand mussten sie den Schotter, der sich jahrzehntelang festgesetzt hatte, beiseiteschaffen.

Mit Hilfe des Lions-Club wurden dann Maschinen eingesetzt, und die Arbeit ging etwa zehnmal schneller vorwärts.» Auch wurde das Projekt abgespeckt. Ein durchgehender Weg vom Restaurant Isebähnli bis zur Haltestelle Trimbach war vorgesehen. «Die Fortsetzung bis zur Rankwog-Tripolis hinunter mussten wir aufgeben.» Der bereits existierende Teil des Weges bis zur Passerelle sollte zum Bahnlehrpfad werden, auf dem über die Geschichte der Hauenstein-Scheitellinie informiert wird. Der komplett neu geschaffene Rest sollte schliesslich den Namen «Panoramaweg» erhalten.

Für den Bahnlehrpfad wurden zehn Chromstahl-Stehlen angefertigt. Sie entsprechen denjenigen der SBB für die Fahrpläne im Mini-Format. Als ehemaliger Projektleiter der SBB-Bahnhöfe wusste Zimmermann, was das Material kostete: «Ich bemühte mich, 30'000 Franken zusammenzubringen. Die Wernli AG beteiligte sich grosszügig, konnte jedoch den Betrag nicht alleine aufbringen. So musste ich Klinken putzen.»

Mit zusätzlichen Spendengeldern der R. Nussbaum AG, des Lions-Club Wartenfels, dem Legat Vögeli der Einwohnergemeinde, der Bürgergemeinde, des Verschönerungsvereins und dem Kulturverein Forum Trimbach und einem Beitrag vom kantonalen Lotteriefonds kamen schliesslich die nötigen Mittel zustande. «Mehr als einmal erhielt ich die bange Frage aus dem VVT, ob die Sammlung wohl gelingen würde.» Zimmermann gelang das Meisterstück: Am 30. Mai 2008 wurde der Bahnlehrpfad feierlich eröffnet.

Zehn Tafeln zur Bahngeschichte am alten Hauenstein

Die Tafeln wurden von Urs Ramseier konzipiert. Auf neun Stelen beschreibt der Lokalhistoriker Geschichte der alten Hauensteinlinie in chronologischer Folge; von den Anfängen der Eisenbahn über den Bau der Bahnlinie Basel-Olten, vom Tunnel-Unglück von 1857, zur Geschichte der Station Trimbach sowie über die Kunstbauten der Strecke. Die zehnte Tafel befasst sich mit dem Basistunnel und dem Arbeiterdörflein Tripolis, an das heute noch eine Strasse erinnert. Seit der Eröffnung der Linie nach Tecknau im Januar 1916 trägt die Bergstrecke über Trimbach-Läufelfingen die Bezeichnung «alter Hauenstein», die erst 1953 elektrifiziert wurde.

Die Anreise zum Bahnlehrpfad geschieht am einfachsten mit der S9, dem Läufelfingerli. Der gemergelte Weg beginnt gleich neben dem Trimbacher Stationshäuschen, wo die erste Tafel steht. Der Bahnlehrpfad folgt anschliessend leicht ansteigend dem Gleis Richtung Restaurant Isebähnli, nach etwa einem Kilometer geht er in den «Panoramaweg» über. «Man braucht etwa 20 Minuten, wenn man sich jede Tafel genau anschaut, natürlich auch länger», schätzt Ramseier. Mit Ausnahme der Treppen bei der Strassenüberführung vor dem «Isebähnli» ist die ganze Strecke rollstuhlgängig, allerdings aus Haftungsgründen nicht als solche gekennzeichnet.

Ramseier ist sehr zufrieden mit der Nachfrage: «Es kamen und kommen immer viele Besucherinnen und Besucher. Familien mit Kindern, Schulklassen oder Wandergruppen, aber auch einzelne Interessierte.» Ein Nebeneffekt des Weges ist auch die Inner-Trimbacher Verbindung, wie sie von Karl Zimmermann und anderen Einwohnern ursprünglich genutzt wurde. Mehr Bahngeschichte zu erwandern gibt es noch auf der anderen Seite des Unteren Hauensteins: In Läufelfingen beginnt der «Bahnwanderweg», der allerdings unabhängig vom Trimbacher Projekt geplant wurde. Auch hier wird die Eisenbahngeschichte unterwegs auf Tafeln erklärt. Hinab durchs Homburgertal führt der Wanderweg nach Sissach und weiter über Liestal bis nach Pratteln.