«Denk dran, nicht hochtourig schalten», erinnert Ernst Will den Vereinspräsidenten der Floriansbrüder Dulliken, Roman Kissling, der sich ans Steuer des roten Opel Blitz setzt. Dann geht die Probefahrt mit dem «Grosi» los, wie sie das Fahrzeug liebevoll nennen.

Drei Vereinsmitglieder wechseln sich auf der kurzen Rundfahrt mit dem ehemaligen Einsatzfahrzeug mit Baujahr 1960 ab. Es war das erste Fahrzeug, dass die Feuerwehr Dulliken besass. «Dass es etwas rumpelte, interessierte deshalb niemanden», erzählt Kissling.

Seit 1991 ist das «Grosi» im Ruhestand

Die Probefahrt endet beim Feuerwehrmagazin Dulliken, wo sich weitere Mitglieder der Floriansbrüder zusammengefunden haben, um den Oldtimer für den Sommer vorzubereiten.
Mit dem «Grosi» werden seit 1991 keine Brände, sondern nur noch der Durst gelöscht.

Die Mitglieder der Floriansbrüder bauten das alte Fahrzeug unter der Leitung von Roland Marrer im Inneren zur mobilen Bar um. Ein zum Zapfhahn umfunktionierter Hydrant sowie eine Kaffeemaschine lassen sich auf speziell gebauten Vorrichtungen ausfahren. Hinter den Seitentüren sind etwa Plastikbecher und eine Grillzange verstaut. Mit der Holzleiter können die Vereinsmitglieder einen Bartresen aufstellen, hübsche Lampen inklusive.

Fünf bis zehn Mal pro Jahr ist der Opel Blitz unterwegs

Das Fahrzeug – der ganze Stolz der rund 40 Vereinsmitglieder – führen sie regelmässig an Oldtimer-Treffen und an Anlässen wie etwa dem Dulliker Beizlifest oder «Dulliken bewegt» am 11. Mai vor. Ausserdem kann der Opel Blitz samt Ausrüstung für Anlässe wie Hochzeiten oder Geburtstage gemietet werden – wobei immer mindestens zwei Mitglieder der Floriansbrüder dabei sind.

Etwa fünf bis zehn Mal jährlich vermietet der Verein das «Grosi», überwiegend in den warmen Monaten. Um die Unterhaltskosten des Fahrzeugs von etwa 3500 Franken pro Jahr zu decken, kann der Verein zusätzlich auf Sponsorengelder zählen.

«Jeder zapft sein Bier selbst»

Die zwölf Helfer, die an diesem Abend gekommen sind, putzen den Wagen, pumpen die Reifen und testen den Stromgenerator. Als der Oldtimer für die anstehenden Anlässe wieder bereit ist, geht die Übung in den gemütlichen Teil über. «Jeder zapft sein Bier selbst, das ist gleich eine gute Übung», ruft Ernst Will.

Auch wenn der Hauptzweck des Vereins die Pflege des Opels ist, sei der gesellschaftliche Teil genauso wichtig. Etwa 15 Mitglieder helfen bei der Pflege des Fahrzeugs, weitere 30 nehmen vor allem an den Anlässen teil, die ohne «Grosi» stattfinden.

Verein achtet auf Altersdurchmischung

Die meisten Mitglieder waren früher aktiv in der Dulliker Feuerwehr, manche der Jüngeren sind es heute noch. Die Kontaktpflege ist der Hauptgrund für Andreas Christen, sich bei den Floriansbrüder zu engagieren. Als Materialverwalter hatte er früher pro Jahr 40 bis 45 Einsätze. «Ohne die Floriansbrüder wäre es von einem Extrem ins andere gekippt», erzählt er.

Roman Kissling, der im März das Präsidium übernahm, geniesst den Austausch. «Seit die alte Garde im Verein in der Feuerwehr war, hat sich vieles verändert. Da gibt es viele Anekdoten zu erzählen», sagt der ehemalige Feuerwehrkommandant. Ihm sei wichtig, eine Brücke zur aktiven Feuerwehr zu schlagen. Bereits sein Vater war in der Feuerwehr und bei den Floriansbrüdern aktiv.

«Wir haben jetzt eine gute Altersdurchmischung, auch im Vorstand», findet Jürg Friker, der vor fünf Jahren dazustiess. Der Verein war früher nur für Ehemalige der Dulliker Feuerwehr gedacht, mittlerweile können auch Aktive sowie generell alle, die sich interessieren, mitmachen.

«Grosi» wird bald 60 Jahre alt

Viele wissen eine Geschichte zum Opel Blitz zu erzählen. Etwa wie bei einem Einsatz in der Dulliker Industrie das Benzin ausging. «Der Opel fuhr aus dem Feuermagazin raus und ist ein paar hundert Meter weiter vorne stehen geblieben», erzählt Fritz Siegrist. «Das war peinlich.» Siegrist selbst fuhr den Opel zwar nie, hilft nun aber an Anlässen aus. «So kann ich auch daran teilhaben.»

Dass das Fahrzeug die Bezeichnung «Grosi» verdient, zeigte sich bei einem Einsatz auf dem Engelberg. «Das Martinshorn tönte wie ein ‹Grosi› mit Asthma», sagt Friker lachend. Immerhin wird das «Grosi» nächstes Jahr 60 Jahre alt. Ein Anlass, der gefeiert werden will.