In einem finanziellen Kraftakt hat die Christkatholische Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen den Turm der Stiftskirche St. Leodegar in Schönenwerd renoviert. Eigene Rückstellungen, dazu die Unterstützung der eidgenössischen und kantonalen Denkmalpflege, des Christkatholischen Synodalverbands des Kantons Solothurn und vieler Spenderinnen und Spender aus der Region machten es möglich. Doch wie die kleine Kirchgemeinde in Zukunft das Geld für eine nächste Renovation aufbringen will, weiss niemand.

«Ja, wir haben es geschafft», bestätigt Kirchgemeindepräsident Bruno Haas. Bis auf die Neupflanzung der kleinen Rasenfläche beim Turm sind die Arbeiten abgeschlossen. Noch liegen nicht ganz alle Handwerkerrechnungen vor. «Aber der bewilligte Kostenrahmen wird eingehalten», atmet Haas auf.

Zwei Nachtragskredite nötig

Allerdings wurde das Vorhaben erheblich teurer als am Anfang angenommen. Ursprünglich sollte der Turm nur einen neuen Verputz erhalten, dafür bewilligte die Kirchgemeindeversammlung 320 000 Franken. Doch als das rund 40 Meter hohe Gerüst stand, wurde die Gelegenheit genutzt, um auch das Zifferblatt der Turmuhr mit den vergoldeten Ziffern und Zeigern und dem Gestänge sowie auch die Kirchturmspitze zu renovieren; dafür bewilligte eine nächste Versammlung einen Nachtragskredit von 33 000 Franken. Weitere 82 000 Franken mussten die Kirchgemeindemitglieder schlucken, als sich Löcher im kupfernen Kirchturmdach zeigten: «Mit diesem Geld wurden die schadhaften Stellen fachgerecht repariert, das hält wieder für 60 Jahre», meint dazu der beigezogene Architekt Reto Esslinger (Olten).

Die Kosten sind gedeckt

Insgesamt kostete die Turmrenovation also 435 000 Franken. Kein Pappenstiel für eine Kirchgemeinde mit rund 170 Mitgliedern und einem Jahresbudget von rund 280 000 Franken. «Unser Ziel war, diese Sanierung ohne Verschuldung zu schaffen», sagt der Kirchgemeindepräsident.

Von der Denkmalpflege ist die Stiftskirche Schönenwerd als Objekt von nationaler Bedeutung eingestuft, darum erhält sie den höchsten Beitragssatz von 40 Prozent: «23 Prozent vom Kanton und 17 Prozent vom Bund», wie der kantonale Denkmalpfleger Stefan Blank aufschlüsselt. Fest bewilligt sind bisher 132 000 Franken, nämlich 76 000 Franken vom Kanton und 56 000 Franken vom Bund. Über den definitiven Betrag wird anhand der detaillierten Schlussabrechnung noch zu verhandeln sein.

An zweckgebundenen Rückstellungen aus dem Mietzins der reformierten Kirchgemeinde – sie benützt die Stiftskirche ebenfalls für Gottesdienste – standen rund 125 000 Franken zur Verfügung. Der Christkatholische Synodalverband des Kantons Solothurn stellt einen Anteil von 12,75 Prozent der Bauabrechnung in Aussicht, das wären nach heutigem Stand etwa 56 000 Franken. Und stolze 129 000 Franken kamen von Spendern – «zu 90 Prozent aus Schönenwerd», wie Bruno Haas sagt. Darunter sind die Einwohner-, die Bürger- und die römisch-katholische Kirchgemeinde, aber auch viele Private, Vereine und Firmen. Ein kleines Beispiel erwähnt Architekt Esslinger: Der Ornithologische Verein Olten sponserte Nistkästen für die Mauersegler, die auf Höhe der Glocken im Turm hausen.

Festgottesdienst als Dank

Dass die Stiftskirche jetzt wieder einen sanierten Turm hat, ist also auch der Bevölkerung der Region zu verdanken. Die Christkatholiken spürten Solidarität. Am 25. Oktober will die Kirchgemeinde das Werk mit einem Festgottesdienst feiern und den Spenderinnen und Spendern danken.

Die Turmrenovation ist geglückt. Aber was ist in der ältesten Kirche des Kantons, deren Anfänge auf die Zeit von 1025 bis 1050 zurückgehen, als Nächstes zu renovieren? «Wir haben noch Rückstellungen für den Kreuzgang», erklärt Bruno Haas. Doch an der grossen Anlage gibt es vieles zu unterhalten. Von der Bühlmauer bröckeln Stücke ab. Der frisch renovierte Turm lässt die andern Fassadenteile umso älter aussehen. Und was, wenn einmal das Kirchendach saniert werden muss?

Die Finanzen der christkatholischen Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen sind kritisch. Mit 23 Prozent hat sie den höchsten Steuerfuss der Christkatholiken im Kanton. «Für 2016 budgetieren wir ein Defizit, und das ohne Investitionen für die Kirche», erwähnt der Präsident. Die Anzahl Mitglieder geht stetig zurück. Und schon in naher Zukunft haben alle Kirchgemeinden im Kanton Solothurn deutlich weniger Mittel aus dem Finanzausgleich zu erwarten.

Allein ist es nicht zu schaffen

Im Blick auf die unvermeidlichen Unterhalts- und Sanierungsausgaben für die Stiftskirche sei allen Mitgliedern des Kirchgemeinderates klar: «Sparen allein reicht nicht. Wir müssen unsere Aufgaben anders anpacken.» Nur: Wie, darüber seien sie sich nicht einig.

«Die Schönenwerder Stiftskirche ist herausragend – im unteren Kantonsteil ist sie der bedeutendste Kirchenbau», sagt Architekt Reto Esslinger. Es liegt darum auf der Hand: Die Zukunft der Stiftskirche ist nicht allein Sache der Christkatholiken, sie muss auch die andern Konfessionen beschäftigen. Und als «Schutzherren» dieses Denkmals von nationaler Bedeutung stehen Kanton und Bund in der Pflicht.