Trimbach

Der neue Kindergarten entsteht an alter Stätte

Hat ausgedient: der Kindergarten an der Brückenstrasse. Ab 2020 soll er abgerissen und ersetzt werden.

Trotz angespannter Finanzlage ersetzt die Gemeinde Trimbach den Kindergarten Brückenstrasse für 2,4 Millionen Franken. Zu reden gab einzig die Standortfrage. Die Gemeindeversammlung einigte sich darauf, das neue Gebäude an alter Stätte zu errichten.

Dieses Dach verdient seinen Namen nicht. Seit Jahren ist es undicht. In den Unterrichtsräumen des Kindergartens Brückenstrasse wurde es deswegen auch schon nass. Eine thermische Dämmung fehlt im über 40-jährigen Gebäude fast gänzlich, was die Unterhaltskosten entsprechend in die Höhe treibt. Mit einem Notdach verhinderte die Gemeinde letztes Jahr zumindest, dass es den Kindern auf die Köpfe tropfte.

Die Trimbacher haben genug von diesem Trauerspiel. An der Budgetversammlung letztes Jahr beschloss eine Mehrheit der Anwesenden, der Sanierung des Kindergartens höchste Priorität zu geben und andere Projekte zurückzustellen. Diesem Auftrag kam die Gemeinde in der Zwischenzeit nach: An der Rechnungsversammlung letzten Montag stellte sie den 49 anwesenden Stimmbürgern die geplanten Massnahmen vor.

Ein Unterrichtsraum mehr

Konkret soll der bisherige Kindergarten abgerissen werden. An selber Stelle soll dann ein zweigeschossiger Neubau mit insgesamt drei Schulzimmern entstehen. Rund 2,4 Millionen Franken lässt sich Trimbach das Ganze kosten. Das Anliegen an sich war unbestritten.

Visualisierung des Neubaus: Etwa so könnte der neue Kindergarten aussehen

  

Bauverwalter Roland Brunner hätte das Projekt vermutlich gar nicht so stark umwerben müssen, wie er es dann tat. Die zentrale Lage sei geeignet, begann er. Den Keller des bisherigen Gebäudes könne man, mit einigen kleinen Anpassungen, übernehmen. Ebenso grosse Teile der Umgebung. Würde man den Kindergarten an einem anderen Standort neu bauen, käme er deutlich teurer. Um etwa eine halbe Million, so die Schätzung. Und schliesslich könnten durch den zusätzlichen Raum (der momentane Kindergarten hat zwei Unterrichtsräume) auf die steigenden Schülerzahlen reagiert werden.

Eine weitere Visualisierung: Auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage geplant.

  

Für das Projekt gab es viel Lob aus dem Plenum. Aber auch ganz leise Kritik und zwar von Seiten der FDP. «Das Projekt ist zwar super», begann Hans Marti, Präsident der Ortspartei, «es hat aber einen Fehler: Es ist am falschen Standort.» Man würde doch heute keinen Kindergarten an einer so stark befahrenen Strasse wie der Brückenstrasse bauen, argumentierte er. Gescheiter würde man gleich an einem anderen Ort bauen, nämlich im Dellenpark.

Mit diesem Votum löste Marti eine kurze aber heftige Diskussion aus. Denn fast niemand im Saal war gleicher Meinung wie der Freisinnige. Nebst inhaltlicher Kritik an seinem Vorschlag (zu teuer, die meisten Kinder müssten zudem auch beim anderen Standort die Strasse überqueren), gab es auch viele emotionale Voten. «Zuerst gibt man dem Kindergarten allerhöchste Priorität und dann heisst es doch wieder wenn und aber. Das ist einfach nicht logisch», war eines davon. Ein anderes: «Den Dellenpark werden wir sicher nicht für einen Kindergarten hergeben.»

So heftig war der Widerstand, dass die FDP schliesslich zurückkrebste. Den Kindergarten wolle man schon nicht verhindern. Bei der Planung seien einfach Alternativen zum Projekt zu wenig berücksichtigt worden, das habe man zur Sprache bringen wollen. So sprachen sich dann die Stimmbürger ohne Gegenstimme für den Kredit von 2,4 Millionen Franken aus. Geht es nach der Gemeinde, soll der neue Kindergarten bereits im Sommer 2020 bezogen werden können. Während der Bauzeit wird die Gemeinde einen zusätzlichen Raum im Kirchfeld mieten.

Angespannte Finanzlage

Diese Investition könne man sich leisten, gaben Politik und Verwaltung an der Versammlung unisono durch. Trotzdem: 2,4 Millionen Franken sind eine Menge Geld. Insbesondere für Trimbach. Mit einem Ertragsüberschuss von 120'000 Franken schrieb die Gemeinde zwar schwarze Zahlen. Doch auch nur, weil man mit 5,2 Millionen Franken aus dem Finanzausgleich einen gewaltigen Zustupf bekam. Entsprechend abhängig ist man von diesem. Auch die Nettoinvestitionen von insgesamt 2,4 Millionen Franken konnten nur zu 70 Prozent aus dem eigenen Sack bezahlt werden. Die Nettoverschuldung pro Kopf stieg damit auf 1053 Franken.
Die Ressorts bemühten sich, an allen Ecken und Enden zu sparen. Und fast allen ist das gelungen, das Budget wurde vielerorts unterschritten. Nicht aber bei den Ausgaben für die soziale Sicherheit. Um 336'000 Franken wurde dort das Budget überschritten.

Hauptverantwortlich dafür: Mehrausgaben bei der Sozialregion. Eine Entwicklung, die nicht nur bei den anwesenden Stimmbürgern, sondern auch bei Gemeindepräsident Martin Bühler für Unmut sorgt: «Auch wir sind unglücklich mit dieser Entwicklung», kommentierte er. Mehr als vertrösten konnte Bühler die Anwesenden aber auch nicht. Man sei im Gespräch mit Olten und den anderen Gemeinden, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Die Rechnung wurde schliesslich einstimmig genehmigt.

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