Der Milchexpress, ein verstaubtes Relikt aus jener Zeit, als es noch keine Grossverteiler in praktisch jedem grösseren Dorf gab? Eine Hinterlassenschaft, die durch die beiden grossen orangen Riesen und die deutschen Billig-Discounter nicht mehr notwendig ist? Könnte man meinen. Scheint aber nicht ganz der Realität zu entsprechen. Zumindest nicht in Trimbach und Umgebung. Dort sorgt der Milchexpress seit je für frische Produkte, die Herr und Frau Schweizer bequem in den Hausschuhen besorgen können.

Vor drei Jahren hat Landwirt Dominik Hess vom Trimbacher Rintelhof den Milchexpress von Nazmi Buchs übernommen. Seither beliefert er, beziehungsweise ein Angestellter, mehrmals die Woche die Gemeinden Olten, Wangen, Winznau, Wisen, Hauenstein-Ifenthal und Trimbach mit frischen Produkten. Mittlerweile ist Nazmi Buchs wieder ins Geschäft eingestiegen und fährt seitdem alle Touren von Montag bis Samstag. «Die Kunden schätzen mich und ich schätze sie», erklärt er. Aus diesem Grund mache ihm seine Arbeit Spass, fügt er an.

Konzept mit Potenzial

Seit 2. August hat der Trimbacher Milchexpress ein noch grösseres Einzugsgebiet: Neu übernimmt der fahrbare Laden vom Rintelhof die Route der Dulliker Molkerei Köhli, die altershalber geschlossen wurde, und beliefert seither zudem die Gemeinden Starrkirch-Wil, Däniken, Dulliken, Obergösgen und Schönenwerd. «Je grösser das Einzugsgebiet, desto besser», lautet die Devise.

Einkaufsmöglichkeiten gäbe es in der Region theoretisch genug. Da stellt sich die Frage, ob es einen Milchexpress überhaupt (noch) braucht. Dominik Hess ist überzeugt vom Milchexpress: «Er ist persönlich und regional. Das kommt gut an bei der Kundschaft.» Ein weiterer Vorteil des «kleinen Grossverteilers», wie Hess den den fahrbaren Laden nennt, sei, dass damit auf Kundenwünsche individuell eingegangen werden kann. «So entsteht ein Konzept, das Potenzial hat. Man muss es nur ausschöpfen», sagt Hess und ergänzt. «Es gibt viele Leute, die nicht in die grossen Einkaufsläden gehen können oder wollen», weiss der Landwirt, der mit dem Milchexpress auch eigene Produkte vertreibt. «Preislich können wir mit den Grossen nicht mithalten», räumt Hess ein. «Aber wir definieren uns durch die Leistung und nicht durch den Preis.»

Bald auch in Walterswil?

Diese Rechnung scheint aufzugehen, laufe das Geschäft laut Buchs und Hess «recht ordentlich». Ganz ohne ist die Expansion denn aber doch nicht: Dadurch, dass der Milchexpress neu fünf weitere Gemeinden beliefert, und die alten Routen bestehen bleiben, können die alten Touren unter Umständen nicht mehr eingehalten werden. Dadurch verändern sich die Routen und auch die Liefertage. «Ausserdem müssen sich die Kunden zuerst an uns und unser Sortiment gewöhnen», erläutert Hess, der noch weitere Vergrösserungspläne ausheckt. «Wenn sich die neuen Touren etabliert haben, starten wir eine grössere Werbe-Offensive», erklärt er. Ausserdem wurde er von der Gemeinde Walterswil angefragt, ob der Milchexpress nicht auch dorthin fahren könnte. «Mittlerweile würde das gehen. Zumal wir ja auch in Dulliken und Däniken unterwegs sind», macht er den Walterswilern Hoffnung. Im September soll es so weit sein.

Mit vielen frischen und regionalen Produkten in verschiedenen Preisklassen spricht der Milchexpress eine breite Kundschaft an. Und passt damit so gar nicht ins Bild von einem verstaubten Relikt. Dies soll auch noch lange so weitergehen. Mindestens zehn Jahre, wenn es nach Dominik Hess geht.