Etwas mehr als ein Jahr lang frass sich die riesige Tunnelbohrmaschine durch den Eppenberg. Auf ihrem 2600 Meter langen Weg schob sie sich von Wöschnau her durch Schotter und Gestein in Richtung Gretzenbach. Das technisch komplexe Ungetüm mit einem Gewicht von 2400 Tonnen bohrte nicht nur einfach ein langes Loch, sondern verschalte dieses auch gleich laufend mit Fertigelementen aus Beton. Dadurch wird die nötige Stabilität des Tunnels durch die verschiedenen Gesteinsschichten gewährleistet. Je nach geologischer Beschaffenheit legte die Tunnelbohrmaschine auf diese Weise bis zu 20 Meter am Tag zurück.

Ende 2017 hat die Tunnelbohrmaschine das Westportal in Gretzenbach erreicht. Der Durchstich wurde am 2. Februar im Beisein von 200 Gästen gefeiert. Jetzt, da der Koloss seine Schuldigkeit getan hat, darf er die Baustelle verlassen. Bei einer Konstruktion von diesem Ausmass versteht es sich von selbst, dass dies nicht über Nacht geschieht. Zunächst rückt die Maschine zu der eigens zu diesem Zweck erstellten Zielbaugrube am Tunnelausgang in Gretzenbach vor.

Mit einer Abmessung von 24 mal 17 Meter ist diese aber viel zu klein, um die 115 Meter lange Bohrmaschine als Ganzes aufzunehmen. «Die Zielbaugrube ist genau so lang wie die einzelnen Elemente der Tunnelbohrmaschine», erklärt Remo Pinazza, Baustellenchef von der Firma Marti Tunnelbau AG, die im Auftrag der SBB als Bauherrin den Eppenbergtunnel erstellt.

Die Maschine wird daher Abschnitt für Abschnitt auseinandergenommen, angefangen mit dem Bohrkopf und Schildmantel. Dahinter verbirgt sich der Förderkreislauf mit der Stützflüssigkeit, gefolgt von der Personenschleuse und dem Tübbingerrektor für den Einbau der Betonelemente. Erst danach folgt die Förderanlage, auf der das Aushubmaterial aus dem Tunnel zur Aufbereitungsanlage abtransportiert wurde – täglich rund 4200 Tonnen.

Bahntunnel Eppenberg – Von der Installation bis zum Durchschlag

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Auf das Timing kommt es an

Um die einzelnen Bestandteile dieser fahrenden respektive bohrenden Fabrik zu verladen, braucht es schweres Gerät. Wie schon beim Aufbau kommt ein 400-Tonnen-Kranz zum Einsatz. Die engen Platzverhältnisse – eine ständige Herausforderung auf dieser Baustelle – erfordern eine präzise Planung. «Die Kunst ist es, das Timing auf den Abtransport abzustimmen», erklärt der Baustellenchef. 10 bis 15 Mitarbeiter werden in den kommenden Wochen mit der Demontage beschäftigt sein. Für mehr hat es gar keinen Platz.

Das Auseinandernehmen und Abtransportieren der Tunnelbaumaschine wird laut Pinazza etwa bis Ende April dauern. Bereits der Aufbau im Jahr 2016 hatte rund zwölf Wochen in Anspruch genommen. Die Spezialanfertigung geht zurück an ihren Besitzer, das auf Tunnelvortriebstechnik spezialisierte Unternehmen Herrenknecht in Deutschland. Marti hat die Maschine im Auftrag der SBB gemietet, respektive durch Mietkauf übernommen. Das sei bei solchen Maschinen üblich, sagt Pinazza. «Falls die Tunnelbohrmaschine bald für ein weiteres Projekt verwendet werden kann, würde man sie übernehmen.» Derzeit sei das aber nicht vorgesehen.

Innenausbau beginnt

Die Tunnelarbeiter werden der Bohrmaschine nicht nachtrauern. Sie ist schlicht ein Arbeitsgerät. Einen Spitznamen habe «TBM S194» von den Tunnelarbeitern nicht erhalten. «In Deutschland und anderen Ländern sind solche Spitznamen üblich, in der Schweiz weniger», sagt Remo Pinazza.

Die Marti-Gruppe ist neben dem Eppenberg an mehreren grossen Tunnelbau-Projekten beteiligt, so etwa am Sanierungstunnel Belchen oder bei der dritten Röhre am Gubrist. Ihr Werkhof, wo die Tübbing-Betonelemente für den Untertagebau hergestellt werden, befindet sich in der Klus bei Balsthal.

Während vorne die Bohrmaschine Stück für Stück verschwindet, beginnt am anderen Ende die nächste Bauetappe: der Innenausbau des Tunnels. Die Röhre wird mit Beton ausgekleidet, das Trassee für die Schienen wird gelegt und die Bahntechnik installiert. Ende 2020 sollen die ersten Züge durch den neuen Eppenbergtunnel rollen (siehe Kontext).