Interview

Der Gemeindepräsident von Stüsslingen über die geplante Vereinigung mit Rohr: «Die Fusion ist auf Kurs»

Gemeindepräsident Georges Gehriger führt Stüsslingen durch den Fusionsprozess

Gemeindepräsident Georges Gehriger führt Stüsslingen durch den Fusionsprozess

Georges Gehriger, Gemeindepräsident von Stüsslingen, spricht über die Gemeindefusion von Stüsslingen und Rohr in Zeiten der Corona-Krise.

Herr Gemeindepräsident, wie ist der bisherige Fusionsprozess angelaufen?

Georges Gehriger: Grundsätzlich sehr gut. Der Prozess befindet sich momentan auf Stufe des Kantonsrates und des Regierungsrates. Wie mir mein Kollege André Wyss (Gemeindepräsident von Rohr und Kantonsrat, Anm. d. Red.) sagte, sind die Vorlagen ausgearbeitet. Sie werden nun in der Sozial- und Gesundheitskommission des Kantonsrates behandelt und in der nächsten Session des Parlamentes bis Ende Juni abgeschlossen sein. Mit dem Prozess bin ich sehr zufrieden. Aus der Bevölkerung höre ich ein positives Echo, keine Kritik. Ich gehe daher davon aus, dass der weitere Verlauf unproblematisch sein wird.

Welche Arbeiten beschäftigen Sie als Stüsslinger Gemeindepräsident gerade?

In der Gemeinde müssen wir die Gemeindeordnung (GO) und die Dienst- und Gehaltsordnung (DGO) anpassen. Bevor wir sie im Gemeinderat besprechen, bereiten wir vorher an Sitzungen einen Entwurf aus, der geht in die Vernehmlassung und Diskussion eh wir den Beschluss via Gemeinderat der Einwohnergemeindeversammlung unterbreiten.

Ergeben sich Veränderungen im Bereich der Gemeindeverwaltung?

Nicht nur wegen der Fusion: Daniela Frauchiger, unsere langjährige Verwaltungsbeamtin geht in den wohlverdienten Ruhestand. Unsere bisherige Gemeindeschreiberin, Saskia Niggli, wird uns im Herbst verlassen, sie zieht der Liebe wegen ins Berner Oberland. Die bisherige Gemeindeschreiberin von Rohr, Daniela Eugster, wird nahtlos ihr Amt übernehmen können, mit einem Pensum von 50 Prozent. Neu werden das Schulsekretariat und die Einwohnerkontrolle einer 100-prozentigen Verwaltungsstelle angegliedert, der Bewerbungsprozess läuft. Daniela Eugster wird im Juni anfangen, die Einarbeitung der neuen Person folgt danach. So ist ein etappenweiser Wissenstransfer gewährleistet.

Wie gestaltet sich die Zusammenlegung der verschiedenen Milizämter?

Wir sind vom Gemeinderat aus mit den bisherigen Amtsinhabern von Kommissionen und Behörden im Gespräch. Wer altershalber aufhören möchte, wird dies tun. Wir prüfen dann, welche Posten wir mit allen Bisherigen besetzen können oder wo wir Neue suchen müssen. Ziel ist es, in der fusionierten Gemeinde alle Ämter wieder besetzen zu können.

Wie konnten Sie im Gemeinderat während dieser Pandemie arbeiten?

Wegen Corona konnten wir zwei Gemeinderatssitzungen nicht durchführen. Wichtige Traktanden haben wir auf dem Zirkularweg erledigt, haben allerdings gemerkt, dass es auch die Diskussion braucht. Das geht dann nicht per Email, das wird sonst endlos. Wir haben dann den Vereinsraum umgerüstet, wo wir als Gemeinderat mit der nötigen Distanz tagen konnten. Einmal, als noch Leute dazukommen mussten, gingen wir in die Turnhalle mit einer Riesen-Distanz, das ging dann sehr gut. Damit nicht mehr Leute als notwendig sich im Raum aufhalten, haben wir die Öffentlichkeit zu den Sitzungen leider derzeit ausgeschlossen.

Hat die Pandemie den Fusionsprozess bislang verzögert?

Die Fusion ist auf Kurs und davon nicht tangiert, da die wesentlichen Weichenstellungen bereits vorher an den Einwohnergemeindeversammlungen und an der Urne gestellt wurden. Hingegen hat die Ortsplanungsrevision einen heftigen zeitlichen Dämpfer erfahren. Da sind wir nun etwa ein halbes Jahr im Verzug, weil wir die Gespräche und die öffentliche Mitwirkung noch nicht durchführen konnten. Dabei hätten sich die verschiedenen Antragsteller aus dem Dorf zu Wort melden können, das ging mit Corona natürlich nicht. Auch die Rechnungs-Gemeindeversammlung mussten wir von Juni auf Ende August verschieben. Wir hoffen, sie dann nachholen zu können, falls nötig verschieben wir sie noch einmal.

Wie sehen Sie die nähere Zukunft von Stüsslingen?

Corona wird uns auch finanziell noch länger beschäftigen, und zwar mit weniger Steuereinnahmen und einem geringeren Finanzausgleich. Der Stillstand der Wirtschaft wird auf die Steuern der natürlichen und juristischen Personen durchschlagen. Darauf müssen wir uns planerisch vorbereiten. Das ist neben der Gesundheit der Bevölkerung meine aktuell grösste Sorge. Organisation und Unterhalt beschäftigen uns im Gemeinderat laufend, die Hausaufgaben sind gemacht, laufend kommen neue dazu. Trotz der CORONA-Krise merke ich, das Dorf lebt und die Bevölkerung schaut zueinander, Stüsslingen neu mit dem Dorfteil Rohr bleibt sehr lebenswert.

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