Lostorf
Der alte Traktor hat die Fasnacht überlebt

Der knapp 60-jährige Bührer-Traktor als jeweiliger Blickfang zur Fasnachtszeit wurde am Wochenende ins Trockene gebracht

Urs Huber
Drucken
Teilen
Bühner Jahrgang 1957 mit Besitzer Stefan Roos (am Lenkrad) und Lorenzo Dietschi, beide vom Fasnachtsverein Lostorf.

Bühner Jahrgang 1957 mit Besitzer Stefan Roos (am Lenkrad) und Lorenzo Dietschi, beide vom Fasnachtsverein Lostorf.

Hub

Während der letzten zwei, drei Wochen sind jedem Bührer-Liebhaber vielleicht die Augen übergegangen, wenn er den südlichen Dorfeingang Lostorfs mit dem Auto passierte. Grund: Rechterhand stand in der freien Wiese ein Traktor der Traditionsmarke Bührer, der mit aufgesetztem Plakat als Blickfang für die diversen Fasnachtsaktivitäten im Dorf Werbung machte. Originell die Idee, aber während der letzen Wochen war das Wetter mies. Regen und Schnee wechselten ständig. Der Traktor trotzte allen Widerwärtigkeiten, auch wenn die Liebhaber landwirtschaftlicher Fahrzeuge bangen mochten und allenfalls befürchteten, das Gefährt könnte ob der meteorologischen Bedingungen Schaden nehmen. Entwarnung: Am Wochenende wurde das Fahrzeug wieder ins Trockene gebracht.

Der hält so was aus

«Die Augen übergehen? Ja, sicher nicht!» Besitzer Stefan Roos lacht.
«Also so schlimm ist das auch nicht.» Natürlich sei das nicht Balsam für den Veteran, stets draussen zu stehen bei Wind und Wetter. Aber der halte was aus. Und tatsächlich: Der Sanitärmonteur aus Schönenwerd braucht den Zündschlüssel nur einmal zu drehen, und schon springt der Motor an. Üblicherweise steht das Gefährt mit Jahrgang 1957 und 25 PS Motorenleistung in einer Remise droben bei der Mineralquelle. «Geschützt vor Wind und Wetter», wie Roos und sein Kollege Lorenzo Dietschi vom örtlichen Fasnachtsverein versichern. Im Übrigen: Der Bührer liesse sich auch mit der Handkurbel starten, sagt Dietschi und zeigt auf die Öffnung im Frontbereich des Motorgehäuses. «Wäre kein Problem.»

Wie aber kommt ein Sanitärmonteur auf die Idee, einen Traktor zu besitzen? Roos räuspert sich. «Nun ja, ich bin auf einem Landwirtschaftbetrieb in Kestenholz aufgewachsen», meint er. Das erklärt natürlich alles. Vor fünf, sechs Jahren, genauer kann sich der 30-Jährige nicht mehr erinnern, hat er den Bührer in Buus BL von einem Landwirt gekauft. Über die Zeitschrift «Tierwelt» sei der Kontakt zustande gekommen, wie er sagt. Ein gutes Geschäft. Die Maschine sei, rein technisch betrachtet, in einem tipptoppen Zustand. Wie viele Betriebsstunden der Traktor aufweise, könne er allerdings nicht sagen. «Der Bührer hier hat keinen Stundenzähler.» Allerdings weiss Roos, dass sein Gefährt beim vormaligen Besitzer nie für Ackerdienste im Einsatz stand. Und wofür braucht ihn Roos – neben der Fasnacht – denn sonst noch? Er fährt mit ihm etwa ins Holz. «Fräsen, spalten, den Betrieb der Seilwinde», sagt er. Die Maschine sei wirklich gut in Form. «Starke Zapfwelle», schiebt er hinterher, wenig Kraftstoffverbrauch. Und er gesteht, dass für ihn keine andere Traktorenmarke infrage käme. Er schätzt, für den Veteran im Fall der Fälle ab Platz so zwischen 1500 und 2000 Franken zu bekommen.

Später eine Restaurierung

Aber die Diskussion darüber ist eine rhetorische. Denn Roos denkt nicht an Verkauf, Roos denkt ans Sanieren, jedenfalls zu einem späteren Zeitpunkt. «Klar, die Sache ist aufwendig», meint er. Das Bührer-Grün wieder flott hinzukriegen wäre noch das wenigste. Er lacht. Der Besuch von Traktorentreffen jedenfalls steht schon jetzt auf seiner Traktandenliste. Auch mit dem Veteran von 1957? «Ja klar, letztmals war ich an einem Meeting im Luzerner Hinterland.» Ein bisschen zurechtgemacht war er schon, der Veteran in Grün, der bald 60 Jahre auf dem Buckel hat. Aber: «Man will ja nicht bloss die Restaurierten sehen», sagt Lorenzo Dietschi. «Es schadet nichts, wenn an den Vehikeln auch Arbeitsspuren zu sehen sind.» Sprichts – und dann geht die Reise zurück ins Trockene, droben «beim Bad», wie man in Lostorf sagt. «Siidefin» hört sich das Motorengeräusch an. «Ein Benziner halt», meint Roos noch zum Schluss, «und gegen 35 km/h schnell.»

Aktuelle Nachrichten