Gross war die Aufregung beim FC Erlinsbach im letzten Winter, als die Gemeindeversammlungen beidseits des Erzbachs über die Sportanlage Breite abstimmten. Denn einen Plan B hatte der Verein mit rund 300 aktiven Mitgliedern, dessen Infrastruktur veraltet ist und aus allen Nähten platzt, nicht in der Schublade.

Noch grösser die Erleichterung, nachdem sowohl die Aargauer und im Februar an der Urne schliesslich auch die Solothurner dem 4,7 Millionen Franken teuren Projekt ihren Segen erteilten. Mit der Auflage des Baugesuchs im Sommer wurde die letzte Hürde gemeistert: Keine einzige Einsprache war eingegangen. Die Angst, die «Breite» könnte zu einem zweiten «Torfeld Süd» werden, stellte sich als unbegründet heraus.

Der neuen Sportanlage steht jetzt nichts mehr im Wege. Die beiden Erlinsbach als gemeinsame Bauherrin haben das Projekt vor Kurzem öffentlich ausgeschrieben. Kernstück ist der Ersatz des alten Spielfeldes aus dem Jahr 1947 durch einen Kunstrasenplatz. Dieser ist in der Anschaffung zwar teurer als ein Naturrasen, dafür im Unterhalt deutlich günstiger.

Ausserdem hält ein Kunstrasen der Dauerbelastung viel besser stand. Mit rund 58 Spielstunden pro Woche ist die Kapazität der heutigen Anlage nämlich mehr als ausgeschöpft. Die bestehenden Plätze sind in einem entsprechend maroden Zustand.

Bläuen als Alternative

Läuft alles wie geplant, fahren im kommenden Frühling die Baumaschinen auf. «Der 1. April 2018 ist unser Jour fixe», sagt David Fiore, Bauverwalter von Erlinsbach AG, bei dem die Fäden für das Projekt zusammenlaufen. Die Arbeiten sollen ziemlich genau ein Jahr dauern. Etwas länger braucht es für die Inbetriebnahme des kleinen Naturrasenfeldes. Dort muss der Rasen zuerst anwachsen. «Unser Ziel ist es, dass der Spielbetrieb in der Rückrunde der Saison 2018/2019 aufgenommen werden kann», so Fiore.

Bis es aber so weit ist, heisst es beim FC Speuz Zusammenrücken. Mit insgesamt 21 Teams ist der Trainingsplan jetzt schon sehr dicht und während der Übergangsphase ist Flexibilität gefragt. Verein und Gemeinde spielen hier glücklicherweise im selben Team: «Wir klären derzeit mit der Gemeinde, ob für den Kinderfussball allenfalls der Rasensportplatz beim Schulzentrum Bläuen in Frage kommt», erklärt Daniel Wuffli, Präsident des FC Erlinsbach.

Vereinzelt wird dies bereits heute schon so gehandhabt. Schliesslich ist das Bläuen nicht weit von der Breite entfernt. Auch zur Schulanlage Mühlematt wäre es nicht weit. Da diese aber gerade renoviert wird, scheidet sie als alternativer Trainingsstandort aus. Bei der Suche nach Ausweichplätzen sei es dem FC zudem auch sehr wichtig, Rücksicht auf die anderen Vereine zu nehmen, betont Wuffli.

Nur Auswärtsspiele?

Trainings sind eine Sache, aber wie sieht es bei den Spielen aus? Der Hauptplatz bleibt bestehen, für die Austragung sämtlicher Heimpartien wird das aber kaum genügen, vermutet der Vereinspräsident. «Für einige Mannschaften wird es nächstes Jahr möglicherweise nur Auswärtsspiele geben.» Ein solcher Spielbetrieb könne beim Fussballverband beantragt werden. Solche Einschränkungen nehme man im Verein aber gerne in Kauf, sagt Wuffli. Denn: «Jeder Trainer und jeder Spieler im Klub ist sehr froh, dass die Anlage endlich erneuert wird.»

Auf dem neu entstehenden Kunstrasen können die Kicker des Viertligisten bei jedem Wetter trainieren. Ein Luxus, den nicht jeder Fussballverein hat. Die Kunstrasenplätze in Aarau, Olten oder Gränichen werden daher im Winter nach Möglichkeit gerne auch von auswärtigen Vereinen genutzt. Selbstverständlich würde man den Platz auch anderen Sportvereinen im Dorf zur Verfügung stellen. Dass das neue Terrain aber saisonal vermietet werden könnte, glaubt er nicht. «Wir sind mit unseren zweieinhalb Plätzen jetzt schon über der Kapazität.»

Alles unter einem Dach

Auch bezüglich Immobilien musste der FC Erlinsbach in den vergangenen Jahrzehnten häufig «Pflästerlipolitik» betreiben. Am Garderobengebäude hat der Zahn der Zeit deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. Ein ausgedientes Bürogebäude dient als Klubhaus und ein Holzpavillon wurde zur Zusatzgarderobe umfunktioniert.

Diese Einrichtungen werden im nächsten Frühling abgerissen, um einem zeitgemässen Neubau Platz zu machen. Möglicherweise werde der FC schon vor April mit der Demontage beginnen, sagt Bauverwalter David Fiore. Der Verein hat sich zum Beitrag von Eigenleistungen verpflichtet und unterstützt auch die Finanzierung mit 300 000 Franken aus der Klubkasse.

Im neuen FC-Gebäude werden alle Räumlichkeiten unter einem Dach vereint sein: sechs Garderoben im Untergeschoss, Schiedsrichtergarderobe, Sanitätsraum, Toiletten sowie Material- und Geräteräume im Erdgeschoss. Auch das neue Klublokal mit Küche und Lagerraum findet Platz. In anderthalb Jahren kann hier hoffentlich schon auf den ersten Heimsieg des FCE auf der neuen Anlage angestossen werden.