Wegzug
«Degen Bier» verlässt Trimbach – Region Olten verliert ihre grösste Brauerei

Claude Degen zieht mit «Degen Bier» diesen Frühling nach Zofingen. Der Grund für den Wegzug: Die Brauerei-Räume wurden einfach zu klein.

Kelly Spielmann
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Die Brauerei Degen ist nur noch bis im Frühling in Trimbach.
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Danach wird das Bier in Zofingen abgefüllt
Brauerei Degen in Trimbach ist nicht mehr lange da

Die Brauerei Degen ist nur noch bis im Frühling in Trimbach.

Remo Fröhlicher

Ein Erlebnis, welches wohl jeder Bierliebhaber der Region kennt: Beim Öffnen der Flasche gibt diese ein leises Zischen von sich, die Luft riecht sogleich fruchtig-würzig. Prickelnd setzt sich der Schaum beim Einschenken, bevor auf der Zunge die leicht süsslichen, exotischen Malznoten zum Vorschein kommen. Im Abgang verabschiedet sich der Geschmack abgerundet bitter. Das Alltagsbier «Kobra» im Stil eines amerikanischen Pale Ale wird schon seit rund fünf Jahren von Claude Degen in Trimbach gebraut.

Doch nun verlässt der gebürtige Trimbacher mit seinem Geschäft die Region: «Degen Bier» zieht diesen Frühling nach Zofingen.

Dass Degen umziehen muss, liegt daran, dass seine bisherige Brauerei in Trimbach für seine wachsende Produktion langsam aber sicher zu klein wird. Der Wegzug aus der Region in den angrenzenden Kanton habe jedoch nichts mit seinem jetzigen Standort zu tun: «Es geht keinesfalls darum, der Region Olten und meinen treuen Kunden hier den Rücken zu kehren», erklärt er. «Ich habe in Zofingen eine fantastische Möglichkeit entdeckt. Es wäre unklug von mir, diese nicht zu nutzen», fügt der Bierbrauer an. Diese Möglichkeit eröffnete sich Degen im Spätsommer letzten Jahres, als er ein neu eröffnetes Restaurant im «TrilaPark» belieferte.

Den Kunden mehr bieten

Das Restaurant «Chuchifabrik» befindet sich im «TrilaPark» inmitten der Zofinger Industrie und war die Inspiration hinter Degens Plänen. Der Park, in welchem sich noch ein Tanzstudio und Kleingewerbe befindet, soll ein lebhafter Treffpunkt für Zofinger sowie Auswärtige werden. An einem Freitagabend – Burger-Abend in der «Chuchifabrik» – konnte Degen diese Lebhaftigkeit bereits kennenlernen. «Das Konzept hat mir einfach gut gefallen. Hier in Trimbach habe ich praktisch keine Laufkundschaft. Neben einem Restaurant, in welchem man mein Bier trinken kann, könnte sich das ändern», so die Idee des Bierbrauers. Daher habe er sofort angefragt, ob noch Mietfläche vorhanden sei.

Nach dem positiven Bericht des TrilaParks konnte Degen mit der Planung seiner Visionen beginnen. Von diesen erzählt er voller Elan und Eifer: Eine grössere Brauerei, Besichtigungen und Degustationen, einen Taproom, in welchem die Kunden sich hinsetzen und ein Bier geniessen können – die Liste hört kaum auf.

Im Grossen und Ganzen will Claude Degen seinen Kunden mehr bieten können, als seine momentane Brauerei erlaubt. Obwohl sich der Trimbacher über die neuen Möglichkeiten in Zofingen freut, ist ihm die Region Olten noch immer sehr wichtig. Denn hier hat seine Karriere als Hobbybrauer vor 10 Jahren begonnen. Der Bierbrauer, welcher seiner Leidenschaft seit rund einem Jahr hauptberuflich nachgeht, hofft daher auch in Zofingen auf seine Oltner Stammkunden.

Kompromissloses Bier

Für alle, welchen den Weg nach Zofingen nicht auf sich nehmen wollen, gibt es jedoch Trost: «Wittich Weine und Biere» verkauft auch nach dem Umzug noch das Trimbacher Bier, und «Brunner Getränke» aus Gretzenbach bleibt der Hauptverteiler. Auch in vielen Oltner Bars und Restaurants sowie in Lokalen der Region kann man jederzeit ein Kobra geniessen.

Trotzdem verliert die Region Olten mit dem Wegzug der Brauerei Degen ihren grössten Bierbetrieb. Mit jeder Abfüllung stellt Claude Degen rund 2'000 Flaschen Bier her, letztes Jahr wurden ungefähr 40'000 Liter Degen-Bier getrunken. Hierbei handelt es sich jedoch nicht bloss um das Alltags-Kobra. Jährlich stellt Degen zwischen sechs und acht seiner «Unikat»-Biere her.

Beim Sprechen über die limitierten Unikate leuchten seine Augen auf: «Ich liebe es, mit den Zutaten zu experimentieren. Die verschiedenen Malzröstungen, die unterschiedlichen, oft fruchtigen Hopfenarten und die Hefe lassen die Möglichkeiten endlos werden.» Egal, wie gut eines seiner Unikate läuft, jedes dieser Biere stellt er nur ein einziges Mal her.

Auch auf mehrmaliges Bitten seiner Kunden, ein bestimmtes Bier nochmals herzustellen, geht er nicht ein. «Mein Leben ist zu kurz, um alle Biere herzustellen, die ich möchte. Da mache ich keines zwei Mal», erklärt er seine Entscheidung. Besonders möchte er kein Getränk herstellen, welches er selber nicht mag. Auch hier hilft kein Betteln der Kunden. In der Flasche mit dem Degen ist also nur Bier zu finden, welches der Brauer selber trinkt, und hinter welchem er auch stehen kann.