Die Gemeindewahlen vom Sonntag in der Region Olten haben ihre Sensation: Der Niedergösger Gemeindepräsident Kurt Henzmann hat seine Wiederwahl nicht geschafft, obwohl er der einzige Kandidat war. 350 Stimmen hat er am Sonntag im ersten Wahlgang erhalten, aber 386 Wahlzettel waren leer. 19 Stimmen fehlten ihm zum absoluten Mehr von 369 Stimmen.

Dieses beispiellose Ergebnis drückt ein grosses Unbehagen aus, Unzufriedenheit, Protest. Henzmann selbst fühlt sich «abgestraft». Ist es die lange Amtsdauer von 20 Jahren? Lasten die Einwohner ihrem Präsidenten eine (Mit-)Verantwortung für das Malaise im Gemeinderat an, das zuletzt im Verzicht von FDP, SP und SVP auf die Teilnahme an den Gemeinderatswahlen gipfelte? Oder ist es die von manchen als ruppig und verletzend empfundene Art seines Umgangs im politischen Alltagsgeschäft?

Sicher ist: Die Mehrheit von Leerstimmen drückt den Wunsch nach Veränderung in der Gemeinde aus. Dieses Votum muss Kurt Henzmann akzeptieren. Dass er an seiner Kandidatur festhalten und sich im 2. Wahlgang in stiller Wahl doch noch als Gemeindepräsident wählen lassen könnte, würde den Wählerwillen missachten.

Zu wünschen wäre Niedergösgen jetzt ein Gemeindeoberhaupt, das seinen Auftrag aus einer echten Wahl ableiten kann. Darum sollte die CVP auf die ihr nach Gesetz zustehende Möglichkeit verzichten, für den 2. Wahlgang eine neue Kandidatur zu benennen, die in stiller Wahl gewählt erklärt würde. Der richtige Weg wäre: Verzicht auf die Durchführung des 2. Wahlgangs, Neuausschreibung des Gemeindepräsidiums mit der Möglichkeit für alle, neu zu kandidieren – ohne Kurt Henzmann.

christian.vonarx@azmedien.ch