Stromnetz-Deal
Das steht bei einem Verkauf der Avag auf dem Spiel

Mario Schenker, Exponent der Gemeinde Elektras, sagt im Interview seine persönliche Meinung zum möglichen Avag-Verkauf.

Christian von Arx
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Ein Herzstück der Alpiq Versorgungs AG (Avag) ist das Umspannwerk (links oben) beim Wasserkraftwerk Gösgen, wo das überregionale Netz der Avag (110/50 kV) mit dem weiträumigen Transportnetz (400/220 kV) verbunden ist. Archiv-Flugaufnahme: Bruno Kissling

Ein Herzstück der Alpiq Versorgungs AG (Avag) ist das Umspannwerk (links oben) beim Wasserkraftwerk Gösgen, wo das überregionale Netz der Avag (110/50 kV) mit dem weiträumigen Transportnetz (400/220 kV) verbunden ist. Archiv-Flugaufnahme: Bruno Kissling

Bruno Kissling

Herr Schenker, Alpiq hat die Region überrascht mit der Ankündigung, ihre Tochtergesellschaft Alpiq Versorgungs AG (Avag) mit regionalen und überregionalen Stromnetzen verkaufen zu wollen. Wie beurteilen Sie diesen Schritt?

Mario Schenker: Nun, Alpiq ist ein börsenkotiertes Unternehmen und frei, ihre Beteiligungen zu verkaufen. Die strategische Ausrichtung besteht erklärtermassen darin, das Unternehmen zu entschulden.

Avag ist aber nicht irgendeine Beteiligung, sondern ein Herzstück, das in die Entstehungszeit des Vorgängerunternehmens Atel zurückweist. Avag verkörpert die Verbindung von Alpiq mit der Region Olten.

Exponent der Gemeinde-Elektras Mario Schenker (Gretzenbach), dipl. Experte in Rechnungslegung und Controlling, ist Inhaber und Geschäftsführer der Treuhand- und Unternehmungsberatungsfirma Schenker & Partner AG in Däniken. Er ist seit der Gründung 2007 Mitglied der Verwaltungsräte der vier Elektra-Aktiengesellschaften derGemeinden Däniken, Dulliken, Gretzenbach und Obergösgen. In diesem Interview äussert er seine persönliche Meinung.

Exponent der Gemeinde-Elektras Mario Schenker (Gretzenbach), dipl. Experte in Rechnungslegung und Controlling, ist Inhaber und Geschäftsführer der Treuhand- und Unternehmungsberatungsfirma Schenker & Partner AG in Däniken. Er ist seit der Gründung 2007 Mitglied der Verwaltungsräte der vier Elektra-Aktiengesellschaften derGemeinden Däniken, Dulliken, Gretzenbach und Obergösgen. In diesem Interview äussert er seine persönliche Meinung.

zvg

Die Gemeinden der Region Olten-Niederamt haben ihre Besorgnis öffentlich kundgetan. Müssen die Endkunden mit höheren Strompreisen rechnen?

Die Tarife sind reguliert. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission Elcom überwacht die Tarifierung und kann nicht begründete Erhöhungen verhindern. Dass ein Käufer der Avag seine Investition durch die Erhöhung der Strompreise rascher amortisieren könnte, ist also nicht so leicht möglich. Dazu kommt, dass die Strompreise der Avag heute keineswegs die günstigsten auf dem Markt sind, wie die leicht zugänglichen Strompreisvergleiche zeigen.

Könnten anderweitige Gefahren drohen? Welche?

Darum gehts: Alpiq will ihre Beteiligung an Avag verkaufen

Am 13. November 2015 teilte Alpiq mit, den Verkauf ihrer Beteiligungen an der Alpiq Versorgungs AG (Avag), Olten, und an der AEK Energie AG, Solothurn, zu prüfen, um ihre Nettoverschuldung zu reduzieren. Avag versorgt rund 30 000 Endkunden in der Region Olten mit Strom, verfügt über ein überregionales Verteilnetz und über ein Regionalnetz. Die Alpiq-Beteiligung an Avag beträgt rund 96,7 Prozent, die übrigen 3,3 Prozent werden von den 14 Gemeinden Schönenwerd, Niedergösgen, Trimbach, Wangen, Lostorf, Rickenbach, Winznau, Starrkirch-Wil, Stüsslingen, Balsthal, Gretzenbach, Hauenstein-Ifenthal, Walterswil und Wisen kontrolliert. Avag und die Städtischen Betriebe Olten (sbo) sind zu je 50 Prozent an der Energie-Betriebsgesellschaft Aare Energie AG (a.en) in Olten beteiligt. Der Wert der Alpiq-Beteiligung an Avag wird auf eine Grössenordnung von 200 bis 300 Mio. Franken geschätzt. Am 13. Januar erklärten 18 Aktionärs- und Partnergemeinden der Avag, dass sie eine Übernahme durch die sbo mit Partnern befürworten. Laut Alpiq werden bei der Auswahl des Angebots «die wirtschaftlichen Kriterien im Vordergrund» stehen, der Verkauf soll aber «weder für die Avag noch für die beteiligten Gemeinden nachteilig» sein. (cva)

Denkbar ist, dass ein neuer Eigentümer nicht mehr so viel in Unterhalt und Modernisierung der Netze investieren würde. Damit würde er aber auch seinen Ertrag schmälern, denn genau solche Investitionen werden von der Elcom bei der Bewilligung der Tarife berücksichtigt. Das Risiko für die Konsumenten ist überschaubar. Für die Endkunden wird die Welt nicht untergehen, wenn Avag verkauft wird.

Warum ist dann die Avag für mögliche Käufer so interessant?

Für die Netze gibt es nach wie vor eine vernünftige Rendite – nicht überrissen, aber sicher. Zudem brauchen die Netze Unterhalt. Dieser schafft eine Grundauslastung für einen Netzunterhaltsbetrieb. Das ist ein gesuchtes Geschäft, mit einer nachhaltigen, vernünftigen und stabilen Rendite. Auch für institutionelle Anleger könnte dies unter Umständen interessant sein.

Und warum machen sich die Gemeinden der Region stark für eine Übernahme von Avag durch die Städtischen Betriebe Olten (sbo), wenn doch, wie Sie sagen, «die Welt nicht untergeht»?

Für die Region geht es um die Versorgungsqualität im Sinn der operationellen Betriebsführung. Das trifft nicht nur für die bisherigen Aktionärsgemeinden der Avag zu, sondern auch für Däniken, Dulliken, Obergösgen und Gretzenbach mit eigenen Netzen, die aber vertraglich von Avvon ag betrieben werden. Die Zusammenarbeit mit der Avag ist eingespielt, die Mitarbeiter kennen das Netz und die Kundenbedürfnisse. Diese Erfahrung ist Gold wert. Auch die Nähe zum Versorgungsgebiet ist wichtig, sie ermöglicht kurze Interaktionszeiten und die Endkunden haben einen Ansprechpartner in der Region.

Dann ist der kritische Punkt für die Region eher die Frage der Qualität der Betriebsführung?

Ja. Anbieter mit eigener Betriebsorganisation würden eventuell die Stromnetze der Avag selber betreiben wollen. Somit wären in Olten bisherige, wertvolle Arbeitsplätze gefährdet. Dass der Erhalt dieser Arbeitsplätze zu den Zielen des angekündigten Angebots der sbo gehört, hat deren Verwaltungsratspräsident Ernst Zingg öffentlich unterstrichen. Das unterstütze ich voll und ganz, nicht zuletzt auch wegen der guten Zusammenarbeit mit der Avag.

Wie hoch sind die Chancen eines sbo-Angebots?

Das ist schwierig zu beurteilen. Man muss sehen, dass Avag um einiges grösser ist als die sbo. Avag zu «schlucken» wäre also ein grosser finanzieller Brocken für die sbo. Betreffend Betriebsorganisation hat die sbo einen grossen Vorteil, werden doch sbo und Avag vom selben Personal betreut, nämlich dem Personal der gemeinsam gehaltenen Aare Energie AG (a.en).

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