Stromnetz-Deal

Das steht bei einem Verkauf der Avag auf dem Spiel

Ein Herzstück der Alpiq Versorgungs AG (Avag) ist das Umspannwerk (links oben) beim Wasserkraftwerk Gösgen, wo das überregionale Netz der Avag (110/50 kV) mit dem weiträumigen Transportnetz (400/220 kV) verbunden ist. Archiv-Flugaufnahme: Bruno Kissling

Ein Herzstück der Alpiq Versorgungs AG (Avag) ist das Umspannwerk (links oben) beim Wasserkraftwerk Gösgen, wo das überregionale Netz der Avag (110/50 kV) mit dem weiträumigen Transportnetz (400/220 kV) verbunden ist. Archiv-Flugaufnahme: Bruno Kissling

Mario Schenker, Exponent der Gemeinde Elektras, sagt im Interview seine persönliche Meinung zum möglichen Avag-Verkauf.

Herr Schenker, Alpiq hat die Region überrascht mit der Ankündigung, ihre Tochtergesellschaft Alpiq Versorgungs AG (Avag) mit regionalen und überregionalen Stromnetzen verkaufen zu wollen. Wie beurteilen Sie diesen Schritt?

Mario Schenker: Nun, Alpiq ist ein börsenkotiertes Unternehmen und frei, ihre Beteiligungen zu verkaufen. Die strategische Ausrichtung besteht erklärtermassen darin, das Unternehmen zu entschulden.

Avag ist aber nicht irgendeine Beteiligung, sondern ein Herzstück, das in die Entstehungszeit des Vorgängerunternehmens Atel zurückweist. Avag verkörpert die Verbindung von Alpiq mit der Region Olten.

 Die Verankerung in der Region wurde schon vor Jahren bei der Fusion von Atel mit EOS zur Alpiq gelöst. Die Absicht zum Verkauf von Avag ist jetzt eine Konsequenz davon. Avag ist ein lohnendes Unternehmen und kann darum bei einem Verkauf einen substanziellen Beitrag zur Entschuldung von Alpiq erbringen. Ich bin sicher, dass es mehrere Anbieter geben wird. Diese müssen eine beachtliche finanzielle Potenz mitbringen.

Die Gemeinden der Region Olten-Niederamt haben ihre Besorgnis öffentlich kundgetan. Müssen die Endkunden mit höheren Strompreisen rechnen?

Die Tarife sind reguliert. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission Elcom überwacht die Tarifierung und kann nicht begründete Erhöhungen verhindern. Dass ein Käufer der Avag seine Investition durch die Erhöhung der Strompreise rascher amortisieren könnte, ist also nicht so leicht möglich. Dazu kommt, dass die Strompreise der Avag heute keineswegs die günstigsten auf dem Markt sind, wie die leicht zugänglichen Strompreisvergleiche zeigen.

Könnten anderweitige Gefahren drohen? Welche?

Denkbar ist, dass ein neuer Eigentümer nicht mehr so viel in Unterhalt und Modernisierung der Netze investieren würde. Damit würde er aber auch seinen Ertrag schmälern, denn genau solche Investitionen werden von der Elcom bei der Bewilligung der Tarife berücksichtigt. Das Risiko für die Konsumenten ist überschaubar. Für die Endkunden wird die Welt nicht untergehen, wenn Avag verkauft wird.

Warum ist dann die Avag für mögliche Käufer so interessant?

Für die Netze gibt es nach wie vor eine vernünftige Rendite – nicht überrissen, aber sicher. Zudem brauchen die Netze Unterhalt. Dieser schafft eine Grundauslastung für einen Netzunterhaltsbetrieb. Das ist ein gesuchtes Geschäft, mit einer nachhaltigen, vernünftigen und stabilen Rendite. Auch für institutionelle Anleger könnte dies unter Umständen interessant sein.

Und warum machen sich die Gemeinden der Region stark für eine Übernahme von Avag durch die Städtischen Betriebe Olten (sbo), wenn doch, wie Sie sagen, «die Welt nicht untergeht»?

Für die Region geht es um die Versorgungsqualität im Sinn der operationellen Betriebsführung. Das trifft nicht nur für die bisherigen Aktionärsgemeinden der Avag zu, sondern auch für Däniken, Dulliken, Obergösgen und Gretzenbach mit eigenen Netzen, die aber vertraglich von Avvon ag betrieben werden. Die Zusammenarbeit mit der Avag ist eingespielt, die Mitarbeiter kennen das Netz und die Kundenbedürfnisse. Diese Erfahrung ist Gold wert. Auch die Nähe zum Versorgungsgebiet ist wichtig, sie ermöglicht kurze Interaktionszeiten und die Endkunden haben einen Ansprechpartner in der Region.

Dann ist der kritische Punkt für die Region eher die Frage der Qualität der Betriebsführung?

Ja. Anbieter mit eigener Betriebsorganisation würden eventuell die Stromnetze der Avag selber betreiben wollen. Somit wären in Olten bisherige, wertvolle Arbeitsplätze gefährdet. Dass der Erhalt dieser Arbeitsplätze zu den Zielen des angekündigten Angebots der sbo gehört, hat deren Verwaltungsratspräsident Ernst Zingg öffentlich unterstrichen. Das unterstütze ich voll und ganz, nicht zuletzt auch wegen der guten Zusammenarbeit mit der Avag.

Wie hoch sind die Chancen eines sbo-Angebots?

Das ist schwierig zu beurteilen. Man muss sehen, dass Avag um einiges grösser ist als die sbo. Avag zu «schlucken» wäre also ein grosser finanzieller Brocken für die sbo. Betreffend Betriebsorganisation hat die sbo einen grossen Vorteil, werden doch sbo und Avag vom selben Personal betreut, nämlich dem Personal der gemeinsam gehaltenen Aare Energie AG (a.en).

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