Das Restaurant Wartenfels in Lostorf steht zum Verkauf. Die langjährige Wirtefamilie Wyss will die Dorfbeiz veräussern. Die einheimische Vogt AG hatte zuerst Interesse daran gezeigt, wird das Traditionslokal aber nun nicht übernehmen. Überraschend äusserte sich am Donnerstag der Geschäftsführer der Vogt AG, Thomas Vogt, auf seiner Facebook-Seite: «Es tut mir leid, mitteilen zu müssen, dass wir das Projekt Wartenfels nicht weiter verfolgen.»

Der Verwaltungsrat der Vogt AG sei sich nicht darüber einig gewesen, wie das Gebäude genutzt werden solle. Auch über die Finanzierung eines möglichen Projektes im Restaurant Wartenfels sei der Verwaltungsrat unterschiedlicher Meinung gewesen. «Nachdem so viel Zeit und Herzblut ins Projekt geflossen sind, bin ich selber sehr enttäuscht, diese interessanten Pläne nicht weiter verfolgen zu können», so Vogt weiter. Wenn es alternative Ideen für eine sinnvolle Nutzung des Gebäudes gebe, sei er aber sofort bereit, mitzuhelfen.

Vogt AG begann im «Wartenfels»

Mit dem Kauf des Restaurants hatte Thomas Vogt nicht das Ziel, profitorientiert in das Gastgewerbe einzusteigen. Der Betrieb des Restaurants lohne sich nicht, um den Kauf zu rechtfertigen, gibt Vogt in einem Gespräch Auskunft. Finanziert hätte sich der Betrieb des Restaurants mit den Mietwohnungen, die in einem anderen Teil des Gebäudes untergebracht sind. Die Vogt AG hätte mit dem Kauf einen kleinen Teil ihrer Geschichte bewahren wollen: Nach der Gründung der Firma 1962 war sie in dem Haus Wartenfels bei der Familie Vogt eine gewisse Zeit eingemietet. Heute beschäftigt das Unternehmen, welches Einzelteile und Komponenten für elektromechanische Anwendungen herstellt, über 100 Angestellte und stellt nach eigenen Angaben jährlich über zwei Milliarden Artikel her.

Auch für die Gemeindepräsident Thomas Müller ist es eine Enttäuschung, dass der Verwaltungsrat der Vogt AG sich gegen einen Kauf des Hauses Wartenfels entschieden hat. «Ich weiss zwar nicht genau, was die Vogt AG in dem Gebäude geplant hat», so der Gemeindepräsident. «Aber die Vogt AG gehört zu Lostorf und hätte wohl im Sinne des Dorflebens in das Gebäude investiert.»

Der mögliche Verlust des Restaurants ist für die Vereine im Dorf besonders schmerzhaft, denn der grosse Saal im «Wartenfels» ist beliebt für Sitzungen und Vereinsanlässe. Und das gelegentliche Feierabendbier in der Beiz gehört für viele im Dorf immer noch dazu. Der Verkauf des Restaurants gibt darum in Lostorf zu reden. Auch die SP hat den Verkauf in der Lostorfer Rundschau aufgegriffen. Aus Sicht der SP wäre ein Käufer mit Blick fürs Ganze begrüssenswert. Jemand, dem es nicht nur um Rendite, sondern auch um das Dorf geht. Denn die Treffpunkte in Lostorf werden rar.

Konkrete Massnahmen, um das Restaurant Wartenfels zu erhalten, plant die Gemeinde trotzdem keine. «Wir können dem künftigen Besitzer nicht vorschreiben, was er mit dem Haus Wartenfels tun darf», so Müller. Aber er könne sich vorstellen, dass die Gemeinde dem neuen Besitzer bei Interesse dabei helfen würde, schnell alle notwendigen Bewilligungen für den Betrieb einer Beiz zu erhalten.

Vielleicht müsse man in Lostorf aber einfach eine Entwicklung akzeptieren, die er als Gemeindepräsident schon länger beobachte: «Die Gastrobetriebe wandern immer mehr in Richtung der Hauptverkehrsachsen, abgelegene Restaurants haben es schwer.»

Wirt André Wyss hält sich bedeckt

In Lostorf ruhen die Blicke der Bürger nun gespannt auf dem Haus Wartenfels und seinem jetzigen Besitzer, Wirt André Wyss. Dieser will zu seinen Verkaufsplänen keine Stellung nehmen und erst dann informieren, wenn der Verkauf abgewickelt ist. Mit dem allfälligen Verkauf würde auch die Geschichte der Familie Wyss im Restaurant Wartenfels zu Ende gehen: Seit 1912 hat die Familie das Lokal betrieben.