Schönenwerd
Das motiviert Mütter für dem Ferienpass

Wer sind die Frauen, die ehrenamtlich einen Ferienpass mit Dutzenden von Kursen für Schulkinder auf die Beine stellen? «Meistens Mütter», antworten Conny Bieri und Claudia Bondt vom OK des Schönenwerder Ferienpasses, «halt solche, die gern Freiwilligenarbeit machen.»

Christian von Arx
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Claudia Bondt (links) und Conny Bieri vom OK Schönenwerder Ferienpass in der Turnhalle Dorf, wo die Kinder dem Karatekurs von Ben Waeber folgen.

Claudia Bondt (links) und Conny Bieri vom OK Schönenwerder Ferienpass in der Turnhalle Dorf, wo die Kinder dem Karatekurs von Ben Waeber folgen.

Bruno Kissling

«Zwei Drittel der Erst- bis Sechstklässler von Schönenwerd machen irgendwo beim Ferienpass mit», schätzen Conny Bieri und Claudia Bondt vom OK, «aus jeder Schulklasse sind Mädchen und Buben dabei.» Mit den Kursthemen Basteln, Tiere und Sport würden alle angesprochen, jüngere und ältere Primarschulkinder, aus allen Dorfteilen und aus allen sozialen Schichten. «Diese Durchmischung wollen wir mit dem Ferienpass hinbringen, und das haben wir geschafft.»

Was sind die Renner unter den Kursangeboten? «Dieses Jahr klar die Bastelkurse und der Kurs ‹Feines vom SchoggoLade›», sagt Conny Bieri. «Und alle Kurse mit Pferden könnten wir zehnmal füllen.» Klar also, dass nicht jedes Kind jeden gewünschten Kurs besuchen kann. «Manchmal werden stark gefragte Kurse doppelt geführt, oder die Kursleiter können mehr Kinder aufnehmen als geplant. Wir haben die Möglichkeiten ziemlich ausgereizt.» Einzelne Kinder melden sich für bis zu 12 oder 13 Kurse an, andere nur für einen oder zwei. Die OK-Frauen bemühen sich um Gerechtigkeit. Aber es sei schon so: «Die Einteilerei ist Knochenarbeit.»

Gibt es auch negative Reaktionen auf Absagen? Bondt und Bieri blicken sich an und schmunzeln: «Manchmal hören wir etwas durch die Blume.» Ärgerlicher ist für sie etwas anderes. Claudia Bondt erzählt: «Für den Kurs ‹SchoggoLade› hatten wir nur 8 Plätze, aber 35 Anmeldungen. Und dann sind drei Angemeldete, die eine Zusage erhalten hatten, unabgemeldet nicht gekommen.» Kurzfristigen Ersatz aufzubieten war nicht mehr möglich. «Das war ein Ablöscher für uns.»

«Es ist eine geniale Sache»

Sechs Frauen übernehmen die unterschiedlichen Aufgaben im OK des Schönenwerder Ferienpasses: Neben Conny Bieri und Claudia Bondt sind es Bea Fäs, Jacqueline Hunn, Sandra Lüscher und Antoinette Meier. Was sind das für Leute, die sich ohne Entschädigung einen solchen Aufwand aufladen? «Meistens Mütter», lautet die Antwort. «Halt solche, die gern Freiwilligenarbeit machen. Frauen, die sich Zeit nehmen für die Kinder. Es hängt viel davon ab, wie man selbst aufgewachsen ist und welche Werte man mitbringt.»

Conny Bieri ist schon seit sieben Jahren dabei, Claudia Bondt seit drei Jahren. Warum setzen sie Zeit für den Ferienpass ein? «Damit meine Kinder den Ferienpass auch noch erleben können», lacht Bondt. «Es ist wirklich eine geniale Sache.» «Man tut etwas für die Kinder und kommt selber mit interessanten Themen in Kontakt», ergänzt Conny Bieri. «Die Kehrichtverbrennungsanlage oder das Kinderspital zum Beispiel hätte ich sonst vermutlich nicht gesehen.»

Der schönste Lohn seien die Reaktionen der Teilnehmer: «Die Kinder zeigen manchmal grosse Freude an den Kursen, sie sind sehr wertschätzend», berichtet Bieri, und ihre Kollegin bestätigt das. Als OK-Mitglieder leiten sie in der Regel nicht selber Kurse, gehen aber manchmal als Begleitpersonen mit. «Wenn wir an einem Kurs dabei sind, kennen uns die Kinder nachher, grüssen uns im Dorf und verbinden uns mit dem Ferienpass.» Es gebe auch Mütter, die sich bei den Organisatorinnen bedanken.

Neue Mitglieder gesucht

Derzeit haben zwei OK-Mitglieder Rücktrittsabsichten, Claudia Bondt ist auf der Suche nach Nachfolgerinnen. «Das ist nicht ganz einfach: Manche Mütter arbeiten auch noch, oder sie haben kleinere Kinder, für die sie jemanden zum Hüten finden müssen.» Ausserdem sollten die neuen Mitglieder ins Team passen.

Als Programmgestalterinnen des Ferienpasses sind die OK-Frauen immer auf der Suche nach neuen Ideen. Werden die Kinder mit dem grossen und vielfältigen Kursangebot nicht etwas verwöhnt – müssten sie sich während der Ferien nicht selber beschäftigen können? «Das tun sie auch so», hält Conny Bieri dagegen, «der Ferienpass ist ja nur eine Woche im Jahr.» Er gebe Kindern und Eltern oft auch Anstösse und Ideen, um selber etwas zu machen oder mal etwas Neues auszuprobieren, Inputs zum Basteln etwa. Er sei eine Abwechslung in dem, was die Familien sonst selber machen. «Manchmal bleiben Kinder nach dem Ferienpass auch bei einem Hobby oder einem Verein hängen, das finde ich sinnvoll», meint das erfahrene OK-Mitglied.

Der neue Teilnehmerrekord im Jahr 2016 gibt den Ferienpass-Müttern recht. In zwei Jahren wird die Kurswoche in der letzten Herbstferienwoche in Schönenwerd zum 25. Mal durchgeführt. Conny Bieri und Claudia Bondt machen sich keine Sorgen: «Dieses Jubiläum werden wir sicher erreichen!»