Lostorf

«Das Lernen soll Kopfkino auslösen»: Dieser Solothurner hat einen Erotik-Sprachkurs entwickelt

René Häberli zeigt auf dem Laptop-Bildschirm die Homepage seines neu entwickelten Sprachkurses.

René Häberli zeigt auf dem Laptop-Bildschirm die Homepage seines neu entwickelten Sprachkurses.

René Häberli aus Lostorf hat den Sprachkurs «Lingooh!» entwickelt, der sich an erotischen Wörtern orientiert.

Sprachkurse boomen, hat René Häberli, 73, festgestellt. Der frühere Betreiber einer Autogarage und Immobilienhändler ist ein Rentner im Unruhestand. Er hat den Markt studiert: «Es gibt eine hohe Nachfrage im Online-Bereich.» Platzhirsche sind Babbel mit über einer Million zahlender Nutzer und der kostenlose Anbieter Duolingo, der sich über Werbung finanziert. Häberli wollte ein neues Angebot schaffen, da ihm die angepeilten Zielgruppen viel zu gross erschienen: «Die Kurse sind für Leute von acht bis achtzig Jahren konzipiert und haben daher keinen grossen Erinnerungswert.» Zu beliebig sind für ihn die Wörter, zu realitätsfern die Geschichten.

So kam er auf die Idee, einen Online-Sprachkurs zu entwickeln, der sich ausschliesslich an Erwachsene richtet. Mit Hilfe einer Ghostwriterin und Informatik-Spezialisten schuf er die Online-Plattform «Lingooh!», einen Sprachkurs mit erotischem Inhalt. «Sprachen lernen besteht vor allem aus Repetitionen», so Häberli, der selber neben Deutsch auch Französisch und Englisch beherrscht. Das Lernen soll angenehm sein und «Kopfkino auslösen». Häberli macht selber keinen Hehl daraus, dass für ihn ein erfülltes Liebesleben wichtig ist: «Ich bin kein Kind von Traurigkeit», bekennt er lachend.

«Lingooh!» gibt es in einer hetero- und einer homoerotischen Variante. In beiden Kursen bildet eine fiktive Geschichte die inhaltliche Grundlage. Bei der Hetero-Fassung steht Lena im Mittelpunkt, ein Mädchen vom Lande, das in die Stadt zieht und in einer WG sexuelle Erfahrungen sammelt. In der Gay-Geschichte erhält der Kursteilnehmer Einblick ins Leben der Figur Sebastian. «Soft-Erotik» nennt Häberli die Skripte. Das Verhalten der Menschen sei wie bei einer Gitarre: «Die Saiten beginnen zu schwingen, wenn sie berührt werden.» Wichtig war für ihn, dass die Geschichten von einer Frau geschrieben wurden. «Die Sprache wurde dadurch dezent.»

Kurs ist noch ausbaufähig

Zwölf Lektionen mit über 500 Übungen stehen auf dem Programm. 17000 Wörter, die meisten davon nicht jugendfrei, werden vermittelt. Der Kursteilnehmer kann einschlägige Wörter in Leerstellen setzen, sich Passagen laut vorlesen lassen oder muss falsche Satz-Kombinationen erkennen und verbessern. Eine neue Lektion kann erst begonnen werden, wenn die vorige erfolgreich abgeschlossen wurde. «Lingooh!» wird in Französisch, Spanisch, Englisch und Portugiesisch angeboten. Häberli hat auch überlegt, Russisch, Chinesisch (Mandarin) oder Arabisch ins Programm zu nehmen, allerdings scheitern diese Kurse an den ganz anderen Tastaturen, die für diese Sprachen nötig wären. Sechzig Personen fungierten als Testpersonen.

«Lingooh!» ist erst ab 18 Jahren erlernbar. Der Nutzer bestätigt mit einem Häkchen sein Alter. Auf der Homepage stehen Gratis-Probelektionen zur Verfügung. Wer sich dann registriert, bezahlt 19.50 Euro für eine Sprache bei unbegrenzter Nutzungsdauer. «Der ursprüngliche Preis lag bei 69 Euro, weil diese Zahl an eine Stellung erinnert», bemerkt Häberli. Es habe sich jedoch gezeigt, dass der Kurs zu teuer war. Rund 260000 Franken hat er in sein Projekt investiert. Häberli wäre auch offen für neue Vertriebs- und Geschäftspartner: «Der Kurs könnte auch im Franchising- System betrieben werden. Wenn also jemand zum Beispiel das Angebot für Frankreich aufbauen möchte, kann er mit mir reden.»

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