Das Wasserreservoir Ängi in Stüsslingen hat ausgedient. Bald dürfte das über 100-jährige Reservoir durch einen Neubau ersetzt werden. Das Baugesuch für den Neubau wurde zwar bereits letzten Sommer ausgeschrieben. Weil sich der Bauplatz aber ausserhalb der Bauzone befindet, musste das Vorhaben zusätzlich vom Kanton begutachtet und bewilligt werden.

Dafür hat sich der Kanton Zeit gelassen. Nun ist die Bewilligung aber endlich bei der Baukommission der Gemeinde Stüsslingen eingetroffen, wie Baupräsident Heinz Wullschleger auf Anfrage erklärt. Sollte die Baukommission die offizielle Baubewilligung erteilen – was in den nächsten Tagen der Fall sein dürfte – steht dem neuen Reservoir nichts mehr im Wege.

Gemäss Wullschleger könnte bereits Ende März, Anfang April mit den Bauarbeiten begonnen werden. Etwas verzögern dürfte sich der Ersatz der Wasserleitung, der im Zusammenhang mit dem neuen Reservoir projektiert wurde. Hier ist nämlich noch die Einsprache eines Landeigentümers hängig.

Langwieriges Projekt

Eine Zangengeburt sei dieses Projekt, meint Wullschleger. Und damit hat er wohl recht. Bereits im Jahr 2010 nämlich hat die Gemeindeversammlung einen Planungskredit über 55'000 Franken gutgeheissen.

Nach diversen Abklärungen und Planungsarbeiten wurde das ausgearbeitete Projekt schliesslich 2015 der Gemeindeversammlung vorgestellt. Diese hat die beiden Kreditbegehren in der Höhe von 1,97 Millionen Franken für den Neubau des Reservoirs respektive von 390'000 Franken für den Ersatz der Wasserleitung genehmigt.

Die total 2,3 Millionen Franken sind eine stolze Summe für die kleine Gemeinde mit nur rund 1000 Einwohnern. Die Investition schlägt sich denn auch auf den Wasserpreis nieder. Per Ende 2015 müssen die Verbraucher 2 statt 1.20 Franken pro Kubikmeter Wasser bezahlen, und die Grundgebühr für einen Mehrpersonenhaushalt wurde von 50 auf 100 Franken pro Jahr verdoppelt.

Verschmutzung ohne Auswirkung

Erneut in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangte das Wasserreservoir Ängi, als eine Verschmutzung des Stüsslinger Trinkwassers vor rund eineinhalb Jahren für Schlagzeilen sorgte. Damals musste die Bevölkerung während über zwanzig Tagen das Wasser vor dem Gebrauch abkochen.

Der genaue Ursprung der mikrobiologischen Verunreinigung ist bis heute ungeklärt. Sicher ist allein, dass nicht das Reservoir die Ursache war, wie Wullschleger festhält. Dementsprechend hatte das Vorkommnis vom Herbst 2016 keine Auswirkung auf den bereits seit längerem geplanten Neubau.

Dass es gleich zu einem Neubau kommt und nicht zu einer Sanierung des alten Reservoirs, ist angesichts der Mängelliste nicht überraschend. So weist das alte Reservoir gemäss einer der Gemeindeversammlung vorgelegten Botschaft tiefe Risse im Mauerwerk auf, die sich bis zu den Wasserbecken im Inneren des Reservoirs hinziehen.

Zudem genügt die Löschwasserreservemenge nicht mehr den Anforderungen der Solothurner Gebäudeversicherung. Ferner stösst die jetzige Anlage, die das Wasser durch den Einsatz von Ozon aufbereitet, an seine Grenzen.

Bauzeit von einem Jahr

Das neue Reservoir wird mit einer Wasseraufbereitungsanlage ausgestattet, die auf dem Verfahren der Membranfiltration beruht. Ausserdem wird eine neue Steuerungsanlage installiert. Beides ist nicht ganz günstig, aber Kurt Bieber, Präsident der Wasserkommission, ist zuversichtlich, dass die budgetierten Kosten eingehalten werden.

Können die Bauarbeiten tatsächlich bald in Angriff genommen werden, dürfte der Rohbau im Herbst fertiggestellt sein, so die Einschätzung von Bieber. Über den Winter könne dann der Innenausbau erfolgen. Insgesamt würden die Bauarbeiten sicher ein Jahr dauern.

Mit einer Einschränkung der Wasserversorgung während der Bauphase sei nicht zu rechnen, da das alte Reservoir von den Bauarbeiten nicht tangiert werde, wie Wullschleger allfällige Bedenken aus dem Weg räumt.