Die Integration stellt nicht nur die Personen aus dem Ausland, die neu in die Schweiz kommen, vor Herausforderungen. Auch die Einwohnergemeinden müssen sich intensiv damit auseinandersetzen, wie sie die Integration ihrer Neuzuzüger fördern können. Seit Anfang 2018 müssen die Gemeinden das Konzept «start.integration» umsetzen (siehe Box).

Für die Gemeinden Dulliken, Trimbach und Schönenwerd kommt das Projekt gelegen: Sie verfügen über einen vergleichsweise hohen Ausländeranteil: In Trimbach beträgt dieser 40 Prozent, in Dulliken sind es 43 Prozent und Schönenwerd verzeichnet einen Anteil von 37 Prozent.

Die Niederämter Gemeinden sind sich den Umgang mit ausländischen Neuzuzügern also gewohnt. Esther Bischof, Integrationsbeauftragte und Leiterin der Einwohnerkontrolle von Dulliken, sagt: «Mir ist die Problematik mit der Integration schon vorher aufgefallen, da ich als Leiterin der Einwohnerkontrolle automatisch die Anlaufstelle der Migranten war. Ich hatte diesbezüglich jedoch keinen klaren Auftrag.»

Pilotgemeinde hat Vorsprung

Dulliken wurde 2016 vom Kanton angefragt, bei der Pilotphase des Projekts mitzuwirken. Die Gemeinde hat bei der Durchführung des Konzepts also schon Erfahrung: «Wir haben natürlich einen Vorsprung. Darum haben uns Nachbargemeinden um Beratung bei der Ausgestaltung von ‹start.integration› gefragt», so Bischof.

In Dulliken würden die ausländischen Zuzüger nach dem Erstgespräch zu einem Apéro inklusive Dorfführung eingeladen. Den Personen würden die lokalen Vereine vorgestellt und das Kursangebot präsentiert. Bischof: «Ich sehe mich als eine Art Drehscheibe, die den Personen hilft, die richtige Anlaufstelle zu finden.» Die Gemeinde wolle das Konzept aber laufend erweitern. «Unser Integrationsprojekt darf nicht einschlafen.» Darum sei beispielsweise ein Sprachcafé für alle Einwohner geplant.

Konzept ist ein willkommener Partner

Martin Bühler, Gemeindepräsident von Trimbach, sagt, das Konzept sei «kein Klotz am Bein, sondern ein willkommener Partner». Es gebe den Neuzuzügern gewisse Spielregeln vor und erkläre auch die Erwartungen der Gemeinde. Bühler: «Wenn jemand bei der Integration nicht mitmachen will, muss es Konsequenzen geben. Denn jeder, der hier leben will, ist in der Pflicht, sich wenigstens ein Stück weit zu integrieren.»

Gerade da mehr als die Hälfte aller Neuzuzüger in Trimbach einen Migrationshintergrund hätten, sei der Gemeinde das Thema wichtig. «Es geht nicht darum, die Leute herzlicher zu empfangen, sondern denjenigen in schwierigen Situationen schneller und koordinierter zu helfen», so der Gemeindepräsident.

Auch für Schönenwerd erweist sich das Konzept als sinnvoll: Melde sich jemand aus dem Ausland neu auf der Gemeinde an, werde angeschaut, ob ein Erstgespräch nötig sei oder ob das Aushändigen einer Informationsmappe ausreiche, erklärt Gemeindeschreiberin Mirela Todorovic. «Es ist jeweils eine Ermessensentscheidung von mir als Integrationsbeauftragte.» Jeder Fall werde separat beurteilt.

Schönenwerd will aber nicht nur helfen, sondern hat auch Erwartungen: Nebst der Sprache sei eine möglichst rasche Identifikation mit der Gemeinde und eine Integration in die Gesellschaft von grosser Bedeutung. Den Neuzuzügern werde darum nahegelegt, sich einem Verein anzuschliessen.

Nach dem Erstgespräch mit den neu zugezogenen Personen findet ein Treffen in der Gruppe statt. Daran nehmen auch der Gemeindepräsident sowie eine Delegation des Gemeinderats teil. Todorovic: «Wir erwarten dann von den Teilnehmenden, dass sie sich auf Deutsch den anderen vorstellen.» Das habe bisher gut geklappt. Auch seien die Zuzüger vom Vorgehen der Gemeinde begeistert: «Es kam der Wunsch nach einer Wiederholung dieses Treffen», so Todorovic. Diesem wolle man nun nachkommen.

Aufwand für kleine Gemeinden

Für die kleineren Gemeinden im Niederamt bedeutet das Konzept «start.integration» jedoch ein Mehraufwand. Obwohl Gretzenbach einen Ausländeranteil von 24 Prozent hat, hätten bisher erst drei Erstgespräche stattgefunden, sagt Gemeindeschreiberin Andrea Walder. «Wir laden nur diejenigen ein, die die Absicht haben, länger in der Schweiz zu bleiben.»

Die Gemeindeschreiberin von Stüsslingen, Saskia Niggli, hat als Integrationsbeauftragte für Stüsslingen und Rohr die nötigen Kurse des Kantons absolviert, bisher wurde jedoch noch kein Erstgespräch geführt. Grund dafür sei unter anderem der tiefe Ausländeranteil in Stüsslingen (8 Prozent) und Rohr (13 Prozent).

Auch in Lostorf – die Gemeinde hat einen Ausländeranteil von 11 Prozent – wurden bis anhin keine ausländischen Neuzuzüger zu Erstgesprächen eingeladen. «Wir arbeiten derzeit noch an der Ausgestaltung des Konzepts», sagt die stellvertretende Gemeindeschreiberin Pascale Zumstein.