Walterswil bietet dieser Tage ein optisches Open-Air-Konzert: Tausende von Märzenglöckchen versetzen die Herzen von Naturfreunden in Schwingung. Der Waldboden im kantonalen Naturreservat Mattental ist ein weisser Teppich. Die Arena des lautlosen Schauspiels ist ein stiller, abgelegener Ort, eine Geländemulde am Engelberg-Südhang.

Vom Schneeglöckchen unterscheidet sich das Märzenglöckchen (Leucojum vernum), von vielen Märzenbecher genannt, durch die gelbgrünen Punkte auf den Spitzen der weissen Blütenblätter. Es ist nicht der einzige Reichtum des Reservats.

Laut dem kantonalen Naturschutzinventar zeichnet sich das Waldstück durch eine reiche Flora und artenreiche Avifauna (Vogelarten) aus. Die angrenzenden Wiesen werden im Rahmen des kantonalen Mehrjahresprogramms Natur und Landschaft von einem Walterswiler Landwirt naturnah bewirtschaftet. Im Auftrag des Kantons beobachtet Jeannette Schoop aus Lostorf regelmässig die Artenvielfalt.

Seit 1974 unter Schutz

Im Naturreservat von gut 3 Hektaren Fläche mit seinem Eschen-Bergahorn-Buchenbestand verlangt der 1974 vom Solothurner Regierungsrat ausgesprochene Schutz eine naturnahe Waldbewirtschaftung: «Verjüngung auf natürlichem Weg, Pflanzungen ausschliesslich von standortheimischen Baumarten nur im Ausnahmefall und auf Empfehlung des zuständigen Försters, tote Bäume im Bestand belassen», nennt Thomas Schwaller, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft im Amt für Raumplanung, einige der Anforderungen an die Eigentümer.

Der Schutz scheint zu wirken. «In meiner Jugend gab es hier viel weniger Märzenglöckchen, weil die Leute sie ausstachen», erinnert sich der Walterswiler Josef von Arx. «Seither haben sie eindeutig zugenommen.» Obwohl das Märzenglöckchen vom Kanton generell geschützt ist, hat Jeannette Schoop auch in den letzten Jahren im Mattental Pflanzendiebe angetroffen. Deren Tun ist nicht nur verboten, sondern auch sinnlos: «Die Pflanzen werden zu Hause eingehen, denn sie benötigen genau den Boden und die Bedingungen, wie sie hier vorhanden sind», sagt die Expertin. «Anschauen und die Stimmung dieses magischen Orts geniessen», rät sie den echten Naturfreunden.