Solothurner Bauernhäuser

Das Hauensteiner Haus ist seit vier Generationen in Familienbesitz

Im neuen Buch über die Solothurner Bauernhäuser ist dem Hof der Familie Hof-Moll in Hauenstein eine eigene Abhandlung gewidmet.

Die Türglocke macht ihrem Namen alle Ehre. Ein Drahtzug versetzt eine hängende Glocke in Bewegung, deren heller Ton durch den Gang hallt. «Numme ine», tönt es von weiter hinten. Dort, im Wintergarten unter der Laube, sitzt Bauer Josef «Sepp» Hof (79) im Lehnstuhl. Er blättert im Buch über die Solothurner Bauernhäuser, das der Architekturhistoriker Roland Flückiger-Seiler zusammen mit einem Autorenteam letztes Jahr publiziert hat. Nebst generellen Darstellungen über die verschiedenen Bauarten und regionalen Eigenheiten sind 23 Liegenschaften einzeln untersucht worden, die ausführlich mit Beschreibungen, Fotos und Zeichnungen vorgestellt werden. Der prächtige Band ist ein Standardwerk für die Dokumentation der historischen Bausubstanz auf dem Gebiet der Bauernhäuser.

Der Hof der Familie Hof-Moll mitten im Dorf Hauenstein gilt zwar nicht als ein typischer Vertreter eines Niederämter Baustils, da Wohnhaus und Ökonomieteil zwei «selbstständige, aneinander gebaute Baukörper» darstellen, wie Flückiger-Seiler festhält. Zudem ist die Scheune vor dem Wohnhaus entstanden, was sich an der unterschiedlichen Firsthöhe zeige. Es handle sich um eine «nördlich des Hauensteins vorherrschende Bauweise, die sonst im solothurnischen Gösgeramt kaum bekannt ist.» Hauenstein hat als Passdorf seit jeher regen Austausch mit dem Homburgertal gepflegt. «Es ist eigentlich ein Baselbieterhaus», erklärt Sepp Hof, der sein ganzes Leben unter diesem Dach verbracht hat.

Steinplatten aus dem eigenen Steinbruch

Sein Urgrossvater Johann Emil Hof (1838-1924) erwarb das Grundstück mit dem Hof bei einer Steigerung im Jahre 1878. 4307 Franken kostete ihn der Kauf. Kurze Zeit später nahm Urgrossvater Hof den Steinbruch unterhalb des Dorfes an der Passstrasse in Betrieb. Von dort kamen die grossen Steinplatten, die heute noch im Gang und dem Vorraum ausgelegt sind. Auch wohnten Steinbruch-Arbeiter früher zusammen bei der Familie Hof, auf der Laube hatten sie ihre einfachen Schlafplätze. «Diese Platten haben die Forscher besonders begeistert», berichtet Vreni Hof (69), die Frau von Sepp. Eine ganze Woche lang wurde das Haus vermessen und fotografiert. Obwohl es nicht unter Denkmalschutz steht und wenn auch im Laufe der Jahrzehnte etliche Umbauten stattgefunden haben, so ist doch noch viel Original-Substanz vorhanden. Der steinerne Schüttstein mit der eingemeisselten Jahreszahl 1879 wird bis heute verwendet und es sieht so aus, als würde dies auch die fünfte Generation der Familie Hof weiterhin tun. Auch der Wohnraum wird im lehrreichen Buch lobend erwähnt: «Die im Erdgeschoss weitgehend intakt erhaltene Stube kann als wertvolles Zeugnis bäuerlicher Wohnkultur bezeichnet werden.»

Sepp und Vreni Hof leben seit bald dreissig Jahren am Lantel 2 und haben drei Kinder grossgezogen. Heute führt eine Tochter den Bauernhof. Der Stall ist derzeit leer, die Rinder sind auf der Weide beim General Wille-Haus, wo sie den Sommer über bleiben. Vreni Hof kümmert sich um den wunderschönen Garten vor dem Haus. «Die Gestaltung der Beete mit dem Rondell habe ich unverändert übernommen.» Gemüse für den eigenen Bedarf wird herangezogen: Salatköpfe schauen aus der Erde, für Bohnen stehen bereits Stangen im Boden. Daneben gedeihen viele verschiedene Blumen. Das Leben im Haus sei angenehm, so Vreni Hof, mit einer Einschränkung: «Im Winter dauert es lange, bis es drinnen kühl wird, im Sommer kommt die Hitze nicht sofort. Aber zum Putzen ist es furchtbar unpraktisch!»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1