In Niedergösgen wird nicht nur die Tradition des Räbeliechtli-Umzugs liebevoll gepflegt, sondern auch die Erinnerung an ihre Entstehung wachgehalten. So ist der Lehrerschaft und der Schulleitung nicht entgangen, dass es heuer ein rundes Jubiläum zu feiern gibt.

Laut einem Bericht vom November 1996 im Oltner Tagblatt waren es Marianne Brügger und Rosmarie Pfluger, die ersten in Niedergösgen angestellten Kindergärtnerinnen, die im Jahr 1966 den Anstoss gaben, Räbeliechtli zu schnitzen. Die Räben wurden von Landwirt Franz Eng angebaut, der diese Aufgabe auch noch während vieler weiterer Jahre übernahm. Zu den späteren Niedergösger «Räbenbauern» gehörten die Familien Ueli Müller-Ludäscher und Christian Meier (Böschhof). Die heutigen Räbe-Lieferanten sind Renate und Dani Eichenberger vom Lenzhof in Muhen.

Bei der Ernte waren die rund 70 Kindergartenkinder mit ihren Lehrerinnen dabei, wie die frühere OT- und «Dorfglüüt»-Redaktorin Ida Kupferschmid in ihrem Jubiläumsartikel von 1996 berichtete: «Jedes Kind durfte sich auf dem Feld eine geeignete Räbe aussuchen, sie waschen, aushöhlen und verzieren.» Die Abfälle seien von den Familien zu Hause gekocht oder den Kaninchen verfüttert worden.

Auf dem Umzug hätten die Kinder jedes Jahr zuerst bei Pfarrer Josef Schwegler angeklopft und ihm ein Räbeliechtli überreicht. Später ging die Organisation des Räbeliechtli-Umzugs und der Vorarbeiten von den Kindergärtnerinnen an die Primarschule über.

Diese Tradition hat sich in Niedergösgen nun über ein halbes Jahrhundert hinweg erhalten: Morgen Donnerstagabend um 18.30 Uhr findet der Räbeliechtli-Umzug 2016 zum 50-jährigen Jubiläum statt. Um 18.15 Uhr besammeln sich die Schülerinnen und Schüler der 1. bis 3. Klassen in ihren Schulzimmern.

Die Umzugsroute führt vom Schulhaus über die Falkensteinstrasse, Römerstrasse, Jurastrasse, Schlossmattstrasse, den Strickweg und die Stiftsherrenstrasse bis 19 Uhr zurück zum Schulhaus, wo die Kinder den verdienten Nussgipfel erhalten. Eltern und Einwohner sind eingeladen, den Umzug als Zuschauer entlang der Route zu verfolgen. (cva)