Trachtengruppe Niedergösgen

Das Ehepaar Zahnd lebt für die Volksmusik

Hans und Beatrice Zahnd in ihrem Garten in Niedergösgen.

Hans und Beatrice Zahnd in ihrem Garten in Niedergösgen.

Das Ehepaar Zahnd hat ein Leben lang viel zur Erhaltung des Brauchtums im Niederamt beigetragen. Die Zukunft der Trachtengruppe Niedergösgen ist auf jeden Fall bis auf weiteres gesichert. Die Zahnds geben das Zepter in ihrer Familie weiter.

Hans und Beatrice Zahnd leben in Niedergösgen direkt an der Aare. Das dreistöckige Haus wird von drei Generationen bewohnt, den Zahnds, ihrer ältesten Tochter und deren Mann sowie deren drei Kinder. Das Herzstück der Stube der Zahnds ist ein grosser, roter Kachelofen, welcher im Winter für viele gemütliche, warme Abende sorgt.

Sie ergänzen sich gut, Hans und Beatrice. Er ist eher schweigsam, sie plaudert gerne und erzählt von alten Zeiten. «Ich drücke mich lieber mit Musik aus», lacht Hans Zahnd. Kennen gelernt haben sich die zwei vor bald 60 Jahren ebenfalls durch die Musik.

Hans spielte damals überall mit seinem Akkordeon zum Tanz auf, wo es etwas zu feiern gab. Die zehn Jahre jüngere Beatrice war eine leidenschaftliche Tänzerin und von Hans’ Können beeindruckt. So trafen sich die beiden zwangsläufig immer wieder, und haben schnell gemerkt, dass nicht nur die Musik sie verbindet.

«Kein richtiges Instrument»

Hans Zahnd stammte ursprünglich aus Rüschegg im Kanton Bern, wo er mit acht Geschwistern aufwuchs. Er kam nach Schönenwerd, um für eine Baufirma zu arbeiten, und landete irgendwann bei der Bally. Um sich die Stunden zu vertreiben, die er frei hatte, fing er im Jahr 1950 an, sich selbst das Akkordeonspielen beizubringen.

Nachdem er jeden Tag eine Stunde lang geübt hatte, war er drei Jahre später bereit für seinen ersten Auftritt. Und da ihm das Unterhalten der Leute mit Musik so viel Freude machte, hat er bis heute nicht damit aufgehört. «Einmal wollte ich mit dem Akkordeon sogar nach Zürich ans Konservatorium», erzählt der 87-Jährige. «Doch die haben mich da nur ausgelacht, und meinten, das sei gar kein richtiges Instrument.»

So entwickelte er sein Können selbst weiter, begleitete Trachtengruppen aus der ganzen Schweiz und komponierte gar einige eigene Stücke. Es blieb nicht bei Auftritten in der Schweiz, als musikalische Begleitung bereiste er fast die ganze Welt.

Immer an seiner Seite: seine Frau Beatrice. «Wir waren in Amerika, Korea, Costa Rica», schwärmt sie, und hört mit dem Aufzählen exotischer Länder gar nicht mehr auf. Neben diesen Reisen gab es auch immer wieder gemeinsame Projekte des Paares. «Wir haben eine Zeit lang sogar den Mädchen auf dem Wallierhof in Solothurn Tanzunterricht gegeben», erzählen sie.

Niedergösgen ging nie vergessen

Auch Beatrice Zahnd trug einiges zur Erhaltung des Schweizer Brauchtums bei. Sie engagierte sich im kantonalen Trachtenverband lange Zeit als Präsidentin, in der Schweizer Vereinigung hielt sie den Vorsitz über die Tanzkommission. Trotz der vielen Engagements ging die heimische Trachtengruppe bei den Zahnds nie vergessen.

Hans Zahnd war dort seit je Hausmusiker und liess fast keinen Probetermin aus, Beatrice hielt auch im Niedergösger Verein lange das Präsidium inne und war Tanzleiterin. Der Stolz auf «ihren Verein» sprüht förmlich aus den Gesichtern der Zahnds, wenn sie von den Hochs und Tiefs aus dessen Geschichte erzählen. Das Gründungspapier aus dem Jahr 1936 ist noch unversehrt und wird bei den Zahnds, zusammen mit den Programmen sämtlicher Trachtenabende, sorgsam aufbewahrt.

Vor dem Bau der Niedergösger Mehrzweckhalle im Jahr 1978 musste der Verein mit seinem Trachtenabend zwischen Niedergösgen, Stüssligen und Erlinsbach umherziehen, je nachdem, wo es für die stetig wachsende Gruppe gerade Platz gab. «Seitdem haben wir aber jedes Jahr unseren Trachtenabend in der Mehrzweckhalle durchführen können», freut sich Beatrice Zahnd. Ein zu starkes Wachstum ist heute leider nichts mehr, was für die Trachtengruppe ein Problem darstellt.

«Wir dürfen zwar im Moment nicht klagen, weil wir in letzter Zeit einige Neuzugänge hatten», meinen die beiden. Dennoch gäbe es immer Jahre, wo gar niemand Neues eintritt. Dazu kommt, dass das Niederamt als Industriegebiet nicht gerade als Hort des Schweizer Brauchtums bezeichnet werden kann. Dennoch sind die Zahnds zuversichtlich und glauben daran, dass diese Traditionen, wenn auch vielleicht in etwas anderer Form, auch in Zukunft noch bestehen werden.

Trachtengruppe als Familienprojekt

Die Zukunft der Trachtengruppe Niedergösgen ist auf jeden Fall bis auf weiteres gesichert. Die Zahnds haben das Zepter – wie könnte es auch anders sein – in ihrer Familie weitergegeben. Der Schwiegersohn übernahm das Präsidentenamt und gleichzeitig, gemeinsam mit seiner Frau, die Tanzleitung. Hans und Beatrice Zahnd haben sich etwas zurückgezogen, ganz ans Aufhören denken sie aber noch nicht. Sie freuen sich auf den 80. Jubiläums-Trachtenabend und hoffen, dass dieser noch lange nicht der letzte sein wird.

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