Aus der geplanten Attraktion auf dem Rumpel wird nichts: Das schilfgedeckte Bauernhaus aus dem Living-History-Projekt des Schweizer Fernsehens SRF hätte dort einen neuen Standplatz finden sollen. Das war zumindest der Plan von Reinhold Dörfliger Senior, der das Haus letzten Sommer erworben hat.

Der Unternehmer aus Egerkingen war einer von rund fünf Interessenten, die nach Abschluss der Fernsehserie beim SRF vorstellig wurden. Unterdessen ist aber bekannt geworden, dass der Kanton das Vorhaben auf dem Rumpel nicht bewilligen wird.

Leben wie im Spätmittelalter

Im Rahmen des Projekts «Im Schatten der Burg – Leben vor 500 Jahren» wurde in Oensingen auf einer Wiese hinter der Neu-Bechburg ein Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert nachgebaut. Darin wurde die sechsköpfige Familie Dietschi aus Kestenholz einquartiert – daher der Übername des Hauses.

Fast drei Wochen lang hatte die Familie Dietschi hier wie zu spätmittelalterlichen Zeiten gewohnt, gegessen und gearbeitet. Regelmässig wurde in der Sendung «Schweiz aktuell» darüber berichtet. Am Ende des Projekts sollte das Haus so schnell wie möglich wieder rückgebaut werden – die Landbesitzer wollten verhindern, dass es sich zu einer Touristenattraktion entwickelt.

Unter den verschiedenen Interessenten war es Reinhold Dörfliger, der den Kaufzuschlag erhielt. Er beabsichtigte, das Dietschi-Haus in Trimbach neben dem Restaurant Rumpel, das sich in seinem Besitz befindet, wiederaufzubauen. Das Haus hätte dort der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Wie Dörfliger erklärt, hätte das nach mittelalterlichem Vorbild erbaute Bauernhaus Schulklassen als Anschauungsobjekt dienen können.

Das Haus hätte zudem eine kleine Ausstellung mit alten landwirtschaftlichen Gerätschaften beherbergen sollen, die Dörfliger über die Jahre gesammelt hat. So hätte das Bauernhaus den Kindern nicht nur das Leben im Mittelalter, sondern das Leben auf dem Land generell näher bringen können. Aber auch Erwachsene wollte Dörfliger ansprechen.

Hochzeitsgesellschaften oder Teilnehmer von Klassenzusammenkünften und Jahrgangstreffen hätten den Besuch des Dietschi-Hauses mit der Einkehr ins Restaurant Rumpel kombinieren können, so die Idee des Unternehmers.

Keine Aussicht auf Bewilligung

Aus Dörfligers Projekt wird vorerst nichts. Weil sich die Parzelle beim Restaurant Rumpel ausserhalb der Bauzone befindet, muss nebst der Gemeinde auch der Kanton über das Bauvorhaben entscheiden. Und wie eine Voranfrage der Reinhold Dörfliger AG beim kantonalen Amt für Raumplanung ergeben hat, besteht keine Aussicht auf eine Bewilligung.

Das Amt ist in seiner Vorprüfung zum Schluss gekommen, dass das in der Landwirtschaftszone gelegene Bauvorhaben nicht zonenkonform sei. Um zonenkonform zu sein, müsste der geplante Bau zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den produzierenden Gartenbau tatsächlich nötig sein. Da aber die Reinhold Dörfliger AG keinen landwirtschaftlichen Betrieb führe, könne keine Bewilligung erteilt werden, schreibt das Amt in seiner Erklärung.

Auch eine Ausnahmebewilligung komme nicht infrage, so das Amt weiter: Eine solche wäre dann möglich, wenn der geplante Bau aus technischen oder betriebswirtschaftlichen Gründen einen Standort ausserhalb der Bauzone erforderte; dies sei aber beim Wiederaufbau des Bauernhauses nicht der Fall. In seinem Fazit hält das Amt für Raumplanung fest, dass es für das Aufstellen des Dietschi-Hauses auf dem Rumpel «keine Zustimmung in Aussicht stellen» könne. Und meint abschliessend: «Eventuell findet sich in der Region innerhalb der Bauzone (bei einem Schulhaus oder einem Museum) eine Lösung».

Neuer Standort in Abklärung

Wie Dörfliger auf Anfrage erklärt, ist er mit der Antwort des Kantons nicht zufrieden. «Ich bin enttäuscht von den Beamten», sagt er dazu. Er könne deren Begründung nicht nachvollziehen, denn schliesslich wolle er das Dietschi-Haus nicht einfach auf eine offene Wiese setzen, sondern geplant war, das Bauernhaus am ehemaligen Standort einer vor längerer Zeit abgebrochenen Scheune aufzustellen. Ausserdem befänden sich rund um das Restaurant Rumpel noch weitere Gebäude, sodass das Dietschi-Haus in eine grössere Anlage eingebettet gewesen wäre.

Bei der Erklärung des Amtes für Raumplanung handelt es sich nicht um einen anfechtbaren Entscheid. Um einen solchen zu erhalten, müsste Dörfliger erst bei der Gemeinde Trimbach ein ordentliches Baugesuch einreichen. Darauf will Dörfliger aber verzichten, wie er erklärt: Auf ein rechtliches Hin- und Her mit dem Kanton wolle er sich nicht einlassen. Er habe damit gerechnet, dass die Realisierung des Projektes auf dem Rumpel schwierig werden würde. «Trotzdem bereue ich es nicht, das Dietschi-Haus erworben zu haben», meint Dörfliger.

Er sei nun auf der Suche nach einem alternativen Standort. Vor allem die Umgebung müsse passen: Es sei nicht ideal, das nach mittelalterlichem Vorbild gestaltete Dietschi-Haus mitten in eine Gewerbe- oder Industriezone zu setzen. In welcher Region er nach einem passenden Grundstück Ausschau halte, wollte Dörfliger nicht verraten, um die Verhandlungen nicht unnötig zu gefährden. Sicher ist lediglich: Bis ein optimaler Standort gefunden ist, verbleibt das Dietschi-Haus dort, wo es sich gegenwärtig befindet: zerlegt und zwischengelagert in einem Container.