Jahresrückblick
Das beschäftigte das Niederamt im Jahr 2016

Der Eppenbergtunnel war im Jahr 2016 das wohl grösste Thema im Niederamt. Zu reden gab ausserdem das Trinkwasser in Stüsslingen – während drei Wochen musste dieses vor Gebrauch abgekocht werden. 2017 werden sich die Niederämter ausserdem an viele neue Gesichter gewöhnen müssen, denn nach diesem Jahr «räblet» es in den Gemeindehäusern. Diese und weitere Themen bewegten das Niederamt 2016 – ein Überblick.

Christian von Arx
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Jahresrückblick 2016 Niederamt
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FeelGood: «Scharlachrot» von Patent Ochsner war der letzte Song am Feelgood-Festival. Die 10. Ausgabe vom 29. und 30. Juli war auch die letzte auf dem Niedergösger Mösli. Das OK mit Präsident Andreas Widmer (rechts) will jetzt zumindest mal Pause machen.
Obergösgen: Endlich wieder ein Niederämter höchster Solothurner: Mit 96 von 96 Stimmen wurde Urs Huber (SP) zum Kantonsratspräsidenten 2017 gewählt – mit Ehefrau Mina genoss er eine tolle Feier an seinem Wohnort Obergösgen.
Ausserdem gab es im Niederamt folgende Spitzenleistungen: Beim jährlichen Süssmostwettbewerb der Kantone Solothurn und Baselland am Wallierhof gingen einmal mehr Karl und Käthy Hürzeler aus dem Grod (Gretzenbach) als Sieger hervor. Die Niederämter wissen längst, wo Bartli den Most holt: Im Grod.
… und Nr. 1 bei Guetzli: Der Wettbewerb um die Oltner Guetzlikönigin 2016 war komplett in Niederämter Hand: Siegerin Rita Steiner (mit Krone) aus Gretzenbach, vor Annelies Elsenberger (Trimbach) und Silja Schärli (Starrkirch-Wil) – der Kreativitätspreis ging an Michael Marti aus Kienberg.

Jahresrückblick 2016 Niederamt

Bruno Kissling
Niederamt 2016: Was auch noch geschah Januar: Kurz nach Jahresbeginn kündigt Glas Trösch die Schliessung seines Werks in Trimbach an, das auf die Automobilindustrie spezialisiert ist. 38 von 52 Mitarbeitenden verlieren ihre Stellen.
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In Dulliken wird das Projekt eines Neubaus mit 24 Wohnungen für Betreutes Wohnen im Alter (BIA) neben dem Altersheim Brüggli vorgestellt. Gesamtkosten: 16,4 Mio. Franken.
Die Sport- und Eventhalle Mittelland in Schönenwerd erhält die Baubewilligung. Ende Jahr sichert der Solothurner Regierungsrat 716 000 Franken aus dem Sportfonds zu.
Februar: Der Gemeinderat Gretzenbach vermietet die Zivilschutzanlage Täli für ein Jahr als Unterkunft für maximal 100 Asylsuchende. 350 Gretzenbacher besuchen den Infoanlass im April, erste Bewohner ziehen im Oktober ein.
Schönenwerd kauft die ehemalige CS-Bankfiliale für 2,05 Mio. Franken als neue Gemeindeverwaltung. Auf Neujahr 2017 zieht das Personal ein.
Obergösgen legt die Pläne für die zentrale Überbauung Steinengasse auf. Es gehen 22 Einsprachen ein, die vom Gemeinderat abgelehnt werden.
Unruhe im Niedergösger Gemeinderat: Gemeindevizepräsidentin Judith Piller (SVP) tritt zurück, ebenso die Gemeinderäte Thomas Hartmann (SVP) und Mara Moser (SP). Bei der CVP ersetzt der parteilose Andreas Meier Pia Küchler und wird neuer Vize. Ende Jahr hört auch Marco Morach (FDP) auf.
Lostorf startet die zweite Phase der Sanierung der Hauptstrasse, im August folgt die dritte – im November ist das Sanierungsprogramm beendet. (Sanierungs- bedürftig war damals auch noch die Schreibweise des Ortsnamens auf dieser Beschilderung)
Die bereits angekündigte Fusion der Raiffeisenbanken Däniken-Gretzenbach und Dulliken-Starrkirch wird kurz vor den entscheidenden Generalversammlungen abgeblasen – den Ausschlag gaben Vorbehalte in Dulliken.
April: Ex-SP-Gemeinderat Hannes Steiger reicht in Trimbach eine Motion ein, um das Pensum des Gemeindepräsidiums zu erhöhen, im Juni fordert eine CVP-Motion die generelle Überprüfung der Führungsebene. Beide Motionen werden erheblich erklärt, eine Arbeitsgruppe legt bis März 2017 Ergebnisse vor.
Mai: Der Schweizer Heimatschutz zeichnet den Bally-Park mit dem Schulthess-Gartenpreis 2016 aus. Das Preisgeld von 25 000 Franken wird für den Erhalt des alten Kornspeichers eingesetzt.
Die Trianel Suisse AG (Solothurn) räumt ein, dass die von ihr 2012 veröffentlichten Visualisierungen vom Windpark Wisnerhöchi nicht professionell waren. Bald darauf löst sich die Firma auf.
Der Kreisel in Trimbach wird zu einem 22-Meter-Betonkreisel ausgebaut. Seit Dezember ist er frei befahrbar, bis Sommer 2017 wird weiter gebaut.
Juni: Das Amtsgericht Olten-Gösgen spricht einen 42-jährigen Eritreer schuldig, am 17. Oktober 2013 in Trimbach seine Ex-Partnerin mit einem Messer erstochen zu haben, und verurteilt ihn wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 19 ½ Jahren.
Däniken verkauft der Saltech AG ein benachbartes Stück Industrieland. Die stark wachsende Munitionsfabrik will ausbauen.
Juli: An der Gösgerstrasse in Winznau wird am 4. Juli ein Kosovare erschossen. Ein 38-jähriger Italiener gesteht die Tat.
Die Schibli Möbel AG in Trimbach kündigt auf Ende 2016 die Schliessung an, nach 73 Jahren Geschäftstätigkeit.
August: Die Schloss-Spiele Falkenstein überzeugen im Niedergösger Schlosshof mit Shakespeares «Romeo und Julia».
In beiden Erlinsbach sagen die Stimmberechtigten an der Urne klar ja zum Schulraum-Ausbau für 8,3 Mio. Franken.
Der Preis Pro Wartenfels 2016 geht an Stefan Frey (Olten), die Elektro-Fürst Holding AG (Lostorf), das Arthouse-Kino Lichtspiele (Olten) und den Theatermann Christoph Schwager (Härkingen).
September: Die Jahrring-Analyse datiert das letzte Strohdachhaus des Kantons Solothurn in Rohr auf 1787, einen Anbau auf 1813.
In Lostorf löst das Betriebs- und Gestaltungskonzept für die Hauptstrasse Nord wegen der hohen Kosten Opposition aus.
Das Franziskushaus Dulliken schliesst seine Tore. Das Konzept eines Studentenwohnheims war nicht tragfähig.
Zwei Bauern finden in Dulliken eine stark verweste Leiche im Maisfeld – eine 34-jährige Frau aus Dulliken.
Oktober: Schönenwerd löst das Arbeitsverhältnis mit Schulleiter Men Wieland auf. Ad interim springt Hanspeter Jeseneg ein. Auf März 2017 wird Heinrich Peterhans, bisher in Niedergösgen, angestellt, auf den in Niedergösgen Charalabos Nikou folgt.
In der Härterei Schmid an der Industriestrasse in Dulliken richtet ein Brand grossen Sachschaden an.
November: Die Baselbieter Regierung will das Läufelfingerli durch Busse ersetzen. Im Kanton Solothurn wehrt sich ein Komitee dagegen.
In Niedergösgen weiht die Swissgrid eine moderne gasisolierte 220-Kilovolt- Schaltanlage für 25 Mio. Franken ein.
Nach vier Jahren ist es wieder soweit: Gwärb Niederamt eröffnet in der Däniker Erlimatthalle die Gewa 2016.
Neuer Partner für den Kiesabbau: In den nächsten 12 Jahren kann die Strabag AG in der Kiesgrube Hard Dulliken 840 000 Kubikmeter Kies abbauen.
Die Windpark Burg AG legt die Planunterlagen für einen Windpark Burg in Kienberg und Oberhof AG zur Mitwirkung auf – der Verein Pro Burg kündigt Widerstand an.
Dezember: Gretzenbach und Schönenwerd gründen die öffentlich-rechtliche Unternehmung Wasserversorgung unteres Niederamt. Sie wird für 8,7 Mio. Franken ein Pumpwerk und ein Reservoir bauen.
Däniken, steuergünstigste Gemeinde in der Region, erhöht den Steuerfuss von 77 auf 80, für Firmen von 50 auf 60 Prozent.
Erlinsbach SO kauft die Liegenschaft am Dorfplatz 2, um eine Arztpraxis anzusiedeln. Eine Urnenabstimmung zum Umbau folgt.
Die Gemeindeversammlung von Rohr (knapp 100 Einwohner) gibt grünes Licht für Abklärungen zu einer Fusion.

Niederamt 2016: Was auch noch geschah Januar: Kurz nach Jahresbeginn kündigt Glas Trösch die Schliessung seines Werks in Trimbach an, das auf die Automobilindustrie spezialisiert ist. 38 von 52 Mitarbeitenden verlieren ihre Stellen.

Bruno Kissling

Das grosse Zittern am Eppenberg

Wird der Fels halten? Haben Ingenieure, Bauleiter und Maschinenführer ihre Sache im Griff, sodass alle Arbeiter jeden Abend wieder heil aus der Tunnelröhre kommen werden? Können die Bewohner auf dem Eppenberg, in Schönenwerd und Gretzenbach auch nächstes Jahr ruhig schlafen? Wird Karin Imbimbo, die Gemeindeschreiberin von Eppenberg-Wöschnau, sich ihres Amts als Tunnelgotte ungetrübt freuen können?

Es bleibt ein Quantum Ungewissheit und Spannung, wenn am Montag, 9. Januar 2017, die Tunnelbohrmaschine im Eppenbergtunnel den Betrieb aufnimmt. Ende 2017 oder Anfang 2018 soll sie nach gut 2500 Metern den Durchschlag in Gretzenbach erreichen.

Seit dem Bau des Hauenstein-Basistunnels zwischen Trimbach und Tecknau vor über 100 Jahren (1912 bis 1916) gab es im Niederamt keine grossen Tunnelbauten mehr. Die Bautechnik mag in diesem Jahrhundert noch so grosse Fortschritte gemacht haben: Der Respekt für ihre Schutzpatronin Barbara bezeugt das Bewusstsein der Mineure, dass es eine totale Sicherheit bis heute nicht gibt.

Im Jahr 2016 konnten die Niederämter mitverfolgen, wie das Riesenbauwerk vor ihren Augen fast jeden Tag weiter vorankam. In den Bahnhöfen Dulliken und Däniken sind neue Perrons in Betrieb. Die Bahnreisenden bemerken es kaum, wenn die Züge wieder neu verlegte Gleise befahren. Die Tagbautunnel in Gretzenbach und in der Wöschnau werden länger und länger.

Zwei der drei Notausstiege sind im Bau. Die ersten Tübbinge (Beton-Schalenelemente) liegen auf dem Installationsplatz in Schönenwerd bereit. Die Planung für den Abtransport von 1 Million Tonnen Ausbruchmaterial steht.

So viel steht fest: 2017 wird das grosse Tunnelbaujahr im Niederamt.

Sauberes Wasser – Chlor sei Dank

Für die rund 1080 Einwohnerinnen und Einwohner von Stüsslingen ist der Spätherbst 2016 mit einer unangenehmen Erfahrung verbunden: Während drei Wochen, vom 25. November bis am 15. Dezember, mussten sie ihr Trinkwasser – soweit es für den menschlichen Konsum, die Mundhygiene oder die Lebensmittelzubereitung bestimmt war – vor Gebrauch gründlich abkochen. Grund war eine Verschmutzung der kommunalen Wasserversorgung durch Fäkalbakterien. Eine unbekannte Anzahl Einwohnerinnen und Einwohner waren im November an Durchfall erkrankt, bevor die Verschmutzung im Rahmen der periodischen Kontrolle von Wasserproben erkannt wurde und die Behörden die Abkochvorschrift erlassen konnten. Da der Ursprung der Verschmutzung trotz umfangreicher Suche bis heute nicht herausgefunden wurde, entschlossen sich die Behörden am 8. Dezember zur Notchlorierung des Trinkwassers, die rasch zum Ziel führte. Die Chlorierung wird nun schrittweise zurückgefahren, die Proben werden fortgesetzt.

Es «räblet» in den Gemeindehäusern

Nach den Wahlen von 2017 werden sich die Niederämter an viele neue Gesichter an den Spitzen ihrer Gemeinden gewöhnen müssen. Nicht weniger als acht der 18 Gemeindepräsidenten zwischen Olten und Aarau hören auf Ende dieser Amtszeit auf. Es sind dies: Nach vier Amtsperioden Gery Meier (FDP, Däniken); nach je drei Amtsperioden Markus von Arx (FDP, Erlinsbach SO), Matthias Geiger (Starkes Wisen) und Daniel Thommen (SP, Starrkirch-Wil); nach je zwei Amtsperioden Christoph Kunz (SP, Obergösgen), Jürg Ryffel (parteilos, Hauenstein-Ifenthal) und Karl Tanner (SP, Trimbach); nach einer Amtsperiode Marco Wyss (parteilos, Stüsslingen). Die meisten geben ihr Alter oder die Amtsdauer als Grund für den Rücktritt an, der erst 38-jährige Stüsslinger Marco Wyss nennt die zeitliche Belastung durch das Amt neben Beruf und Familie. Wacklig erscheinen vor allem die drei SP-Präsidentenstühle: In Starrkirch-Wil und Obergösgen stehen mit Christian Bachofner und Peter Frei zwei Freisinnige in den Startlöchern, in Trimbach ist noch alles offen.