Erlinsbach
Dank diesem Werkzeug ist Schluss mit dem Süssspeisenmassaker

Der Erlinsbacher Roland Kyburz erfand vor 13 Jahren den Crèmeschnitten-Schneider. Dieser setzt der Sauerei beim Schneiden des Desserts ein Ende.

Isabel Hempen
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Dieses Werkzeug sorgt für sauberes Schneiden der Schnitten.

Dieses Werkzeug sorgt für sauberes Schneiden der Schnitten.

Bruno Kissling

Da war dieser Herr in der Kantine. Jeden Tag gönnte er sich zum Nachtisch eine Cremeschnitte. Jedes Mal griff er zur Gabel, holte aus und liess sie mit Gusto auf den harten Zuckergussdeckel krachen. Creme spritzte, Blätterteig flog herum. Ein wahres Süssspeisenmassaker.

Nun bekannten zwar schon die Rolling Stones «you can cream on me». Aber der Kollege des besagten Herrn, der das Spektakel jeweils aus sicherer Entfernung verfolgte, war da anderer Ansicht. Er hatte keinen Sinn für Sauereien irgendwelcher Art. Die Creme gehörte in die Schnitte. Und sonst nirgendwohin.

Silbermedaille für Erfindung

«Kannst du nicht was erfinden?», bat er den befreundeten Werkzeugmacher Roland Kyburz. Also erfand Kyburz den so genialen wie schweizerischen Cremeschnittenschneider. Kyburz erzählt es an seinem Küchentisch in Erlinsbach. Auf dem Tisch liegen drei Modelle des Instruments, eines in Gelb, eines in Rot, eines in Grün. Daneben ein Karton aus der örtlichen Konditorei. Das müssen wohl die Cremeschnitten sein.

«Die Idee hat mich interessiert, also machte ich einen Prototypen», sagt der 75-Jährige, während er das rote Exemplar aus der Schachtel holt. Er konzipierte das Werkzeug aus einem gewöhnlichen Tafelmesser sowie einer Gabel, von der er die äusseren zwei Zinken entfernte. Messer und Gabel fügte er so durch ein Verbindungsstück zusammen, dass sie ineinandergriffen. Und siehe da: Sie zerteilten das Dessert in einwandfreie Stücke. Der Cremeschnittenschneider war geboren.

An der Erfindermesse 2004 in Genf gewann Kyburz mit seiner Innovation die Silbermedaille. «Dann wollte ich das Gerät fertigen lassen, aber keiner war in der Lage dazu», sagt Kyburz. Er öffnet die Konditoreischachtel. Wie erwartet, schmiegen sich darin zwei Cremeschnitten aneinander. Kyburz erzählt, dass in der Schweiz keine Firma Interesse gezeigt habe. Ein Unternehmen in Deutschland sagte kurz vor der Produktion ab. Und der Prototyp, den er in China herstellen liess, griff nicht ineinander. «Den konnte man nicht brauchen», erinnert er sich.

5000 Stück verkauft

Kyburz musste sich etwas einfallen lassen. Und stiess 2006 auf die Lösung: Kunststoff. Produzieren liess er die Geräte bei der Firma Hänggli Thermoplast in Niedergösgen. Er platziert eine der Cremeschnitten auf einem Teller. Nimmt das Werkzeug in die Hand. Die Gabel setzt er an einer Längsseite des Gebäcks an. Auf der anderen Seite übt er Druck auf das Messer aus und zieht es durch die Blätterteig-Creme-Schicht hindurch. «Bitte, nehmen Sie ein Stück», sagt er, und deutet auf das sauber zerteilte Dessert.

Seinen Cremeschnittenschneider liess Kyburz patentieren. Rund 5000 Stück hat er bisher davon verkauft. Jedes Jahr nehme die Anzahl der Bestellungen zu, meint Kyburz erfreut. Wobei er seine Erfindung zum Verkaufspreis von 49 Franken rein «hobbymässig» vertreibe. Alle Tage gebe sie ihm zu tun: Teile zusammenstecken, Bestellungen bearbeiten, die über den Internetshop hereinkommen. Sogar einige Konditoreien führen den Schneider im Sortiment.

Cremeschnitten sind zwar weltweit bekannt. Kyburz verkauft seinen Schneider aber hauptsächlich in der Schweiz. Das grosse Geschäft sei nicht sein Ziel, sagt der Pensionär.
Kyburz hat nicht aufgehört zu tüfteln. «Ich habe den Prototyp erstellt für ein weiteres Instrument im Besteckbereich», sagt er. Ein feines Lächeln umspielt seine Mundwinkel.

Was genau er kreiert hat, möchte er nicht verraten. Es sei ein Werkzeug, «damit es ringer geht». So eine Erfindung koste ihn rund 50 000 Franken, sagt Kyburz. Diese Summe beinhalte das Patent sowie die jährlichen Patentgebühren, die Erstellung der Gussformen, Prospekte und was sonst anfalle. Deshalb wolle er das neue Gerät nicht mehr dieses Jahr produzieren lassen.

Nicht sein Lieblingsdessert

Etwa zweimal im Monat isst er selbst eine Cremeschnitte, sagt Kyburz. Aber eigentlich, muss er zugeben, ist das gar nicht sein Lieblingsdessert. Am liebsten hat er, der auf der Aargauer Seite von Speuz zu Hause ist: Rüeblitorte. Klar.