Furka Bergstrecke
Däniker arbeitet bei Dampfbahn – und packt auf 2000 Metern über Meer zu

Jürg Morf aus Däniken engagiert sich als freiwilliger Helfer bei der Dampfbahn Furka Bergstrecke. Muskelkraft ist dabei gefordert.

Lorenz Degen
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Jürg Morf, Furka Bergstrecke
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Das Buch über die Dampfbahn Furka-Bergstrecke von Beat Moser und Peter Krebs ist im AS-Verlag erschienen

Jürg Morf, Furka Bergstrecke

zvg/Jürg Morf

Man sieht seinen Händen nicht an, dass sie kürzlich tonnenweise Felsbrocken bewegt haben. Jürg Morf (77) hat auf der Station Furka Steinkörbe umgeschichtet. Die harte Arbeit auf 2160 Metern über Meer hat ihm grosses Vergnügen bereitet: «Es war eine der schönsten Wochen, die ich je erlebt hatte!»
Die Eisenbahn spielte in seinem Leben immer wieder eine Rolle, sagt Morf, doch seine «richtige» Bähnler-Laufbahn begann erst, wo andere ihren Ruhestand antreten: «Am 31. März 2008 ging ich in Pension – am 1. April 2008 habe ich bei der Dampfbahn Furka Bergstrecke als freiwilliger Helfer angefangen.» Den Wunsch dazu hatte er schon lange, aber die Zeit fehlte, da er während vieler Jahre die Musikschule von Däniken leitete. «Ein Arbeitskollege machte bei der DFB tatkräftig mit, da habe ich immer wieder mit einem Einsatz geliebäugelt.»

Der gelernte Schlosser trat der Sektion Aargau bei, obschon es auch eine Solothurner Sektion des Vereins Furka Bergstrecke gibt. «Da sich in Aarau die Wagenwerkstätte der DFB befindet, habe ich mich dort angemeldet.» Jeweils am Dienstag arbeiten dort am Nachmittag Pensionierte an den historischen Personenwagen, am Abend kommen die Berufstätigen hinzu. Dazwischen gibt es ein währschaftes Mahl. Der fast zwei Meter grosse Morf spezialisierte sich bald darauf, Lampenfassungen zu montieren oder Glühbirnen auszuwechseln: «Andere brauchen dazu ein Stägeli, ich nicht», meint er lachend.
Die Saison der Dampfbahn Furka Bergstrecke dauert gewöhnlich von Mitte Juni bis Ende September. In dieser Zeit finden auch die sogenannten «Bauwochen» statt. Freiwillige arbeiten ehrenamtlich am Streckenunterhalt mit. «Die DFB übernimmt die Kosten für Verpflegung und Übernachtung sowie das Billett für die An- und Rückfahrt.» Sein erster Einsatz dauerte eine Woche, dann später reiste er jeweils für zwei Wochen nach Realp. Die Kameradschaft unter den «Fronis» sei aussergewöhnlich: «Es kommen Gruppen aus der ganzen Schweiz. Grosse Sektionen sind die Ostschweizer, die Zürcher, die Innerschweizer und die Sektionen aus Deutschland und Holland.» Die Zusammenarbeit klappe sehr gut: «Alle haben den gleichen Vogel», kommentiert Morf die Truppe humorvoll.

«Achtung, passt auf, der Doppelmeter kommt!»

Doch ein Eisenbahnbetrieb bleibt eine ernste Sache. «Auch wenn es ein Hobby ist, so muss man sich doch immer der Gefahren bewusst sein», gibt Morf zu bedenken. Da er ein organisatorisches Talent besitzt, wurde er bald als Gruppenleiter eingesetzt. In dieser Funktion achtete er besonders auf die Arbeitssicherheit. Wegen seiner Körpergrösse erhielt er bald den Übernamen «Doppelmeter», der zum Synonym für Achtsamkeit werden sollte.

Morf erinnert sich, wie er zwei Helfern den Auftrag gab, Äste eines Baumes zurückzuschneiden. «Sie haben die Leiter nicht am Stamm angebunden. Ich ging hin und sagte ihnen, sie sollen die Leiter festbinden. Als ich nachschauen ging, war die Leiter nicht befestigt. Ich sagte es ihnen wieder. Ich ging nochmals vorbei, die Leiter war nicht angebunden. Als ich beim dritten Mal am Baum stand und die Leiter lose war, sagte ich zu den beiden: ‹Ihr könnt zusammenpacken. Ich will euch hier nicht mehr sehen›.» Beim Mittagessen habe er der Mannschaft erklärt, dass er ein solches riskantes Verhalten nicht toleriere und jeden heimschicke, der sich nicht an die Regeln halte. «Mein Auftritt hat gewirkt, von da an hiess es, wenn ich kam, ‹Achtung, passt auf, der Doppelmeter kommt!›»

Das Feld der Betätigungsmöglichkeiten auf der hochalpinen Zahnradbahn ist sehr breit. Auch Frauen sind willkommen: «Wir haben einige Frauen auch im Baubereich, die packen an wie die Männer», so Morf. Doch auch abseits der Gleise gibt es viel zu tun: Ob im Lokomotiven- oder Wagenunterhalt, bei der Vegetationsgruppe, in Küchenmannschaft oder im Souvenirshop, je nach persönlichem Interesse findet sich eine Tätigkeit, erklärt der langjährige Freiwillige. Wie in anderen Vereinen sind auch bei der Dampfbahn Furka Bergstrecke die Nachwuchskräfte nicht gerade üppig vorhanden, wie Morf bestätigt: «Jede Hand ist wichtig.»

Auch der «Löschzug» braucht Personal

Morf weist noch auf ein Feld hin, an das man bei einer Dampfbahn nicht unbedingt denken würde: «Wir suchen auch Leute mit Feuerwehr-Erfahrung.» Denn die Strecke von Oberwald nach Gletsch durchquert einen geschützten Lärchenwald. Jedem Dampfzug folgt ein sogenannter «Löschzug». Eine Diesellokomotive schiebt einen Wagen mit einem Wassertank. Wird ein Glimmbrand neben der Strecke entdeckt, der durch Funkenflug entstanden sein kann, rückt die Feuerwehrtruppe mit ihren Schläuchen zur Brandbekämpfung aus. «Da muss man fit sein, wenn es gilt, möglichst rasch den Berg hoch zu rennen!», beschreibt Morf, der früher auch im Löscheinsatz tätig war. «Allerdings immer nur talwärts, das ist weniger streng.»

Das Amt, die Baueinsätze zu koordinieren, hat Morf diesen Sommer an Jean Claude Zimmerli abgegeben. Doch nächsten Sommer will er wieder zur Furka fahren und zupacken, wo es nötig ist. Morf weiss um sein Alter, doch bleibt er ein Chrampfer: «Ich arbeite draussen, so lange es geht. Und sonst schreibe ich noch die Rapporte für den neuen Chef!»

Hinweis
Wer sich für die Dampfbahn Furka Bergstrecke engagieren möchte, kann sich bei Jürg Morf melden: Tel. 062 291 11 40.