Aus welchen Gründen hat Volley Schönenwerd das Saisonziel, eine Top-3-Klassierung, verpasst und landete auf Platz 5?

Daniel Bühlmann: Die Qualifikation war schlecht. Die Mannschaft brauchte sehr lange, um auf Touren zu kommen. Wir hatten zwei, drei Änderungen im Team und einen neuen Trainer, das musste sich zuerst einspielen. Rechnerisch wäre lange Zeit noch mehr drin gelegen. Doch die Mannschaft zeigte nur teilweise Spitzen-Volleyball und konnte das Niveau oft nicht über ein ganzes Spiel halten. Und es zählen am Schluss halt nicht die Spitzenwerte, sondern der Durchschnitt.

War das Ziel zu hoch gesteckt?

Nein, ich würde es wieder genau gleich formulieren. Wir dürfen keine anderen Ansprüche haben als die Top 3, sonst müssten wir gar nicht mehr antreten. Aber man muss auch beachten, dass sich die vorderen vier Teams auf diese Saison hin deutlich verstärkt haben. Dann reicht es halt nicht, wenn wir gleich gut sind wie im letzten Jahr.

Steht der Trainer zur Diskussion?

Konkrete Gespräche folgen noch. Wir wollen zuerst alle Fakten sammeln und dann zeitnah einen Entscheid fällen.

Pech hatte man mit der Wahl des zweiten Ausländers: Cody Kessel wirkte anfangs auf dem Feld wie ein Fremdkörper. Als er sich dann allmählich akklimatisiert hatte, beendete eine Verletzung seine Saison frühzeitig. Hat Kessel eine Zukunft bei Volley Schönenwerd?

Nein, Cody wird den Klub verlassen. Von seinem Engagement hätten wir natürlich mehr erwartet, und er hatte sich die Saison sicher auch ganz anders vorgestellt. Cody hat sich selbst extrem unter Druck gesetzt. Es war insgesamt eine schwierige Story. Was ich daraus lerne, ist, dass wir keine Spieler mehr holen, die frisch vom College kommen. Wir haben nicht die Zeit, ausländische Spieler auszubilden. Bei den Schweizern sieht das anders aus. Da sind wir bereit, Zeit in die Ausbildung zu investieren.

Gibt es trotz des verpassten Saisonziels auch positive Aspekte, die man aus dieser Saison mitnehmen kann?

Am Ende sind wir natürlich nicht zufrieden. Doch in meinen Augen lief die Saison besser als die letzte. Die vergangene Saison wurde halt überstrahlt durch den Cupfinal, den wir leider verloren. Die Playoffs waren aber schwach letzte Saison. Dieses Jahr konnten wir uns in den Playoffs steigern: Zwei solide Siege gegen Einsiedeln, gute Spiele gegen Lausanne und Näfels, sogar sehr gute Leistungen gegen Volley Amriswil, das meiner Meinung nach Schweizer Meister wird. Nur das Auswärtsspiel in Lugano, als das Team unterwegs im Schneesturm steckenblieb, war unbrauchbar, der abschliessende Heimsieg gegen die Tessiner dafür umso besser.

Dieses Spiel war für Libero Marco Heimgartner und Captain Jan Schnider das letzte ihrer Karriere. Wie kann man die beiden Abgänge ersetzen?

Jan Schnider nur mit einem Ausländer. Es gibt keinen Schweizer, der ihn ersetzen könnte. Uns werden natürlich seine Punkte fehlen in der nächsten Saison, Jan war aber auch die Identifikationsfigur schlechthin. Er konnte die Mannschaft dank seiner ruhigen Art tragen. Mit Leandro Gerber wird uns im kommenden Jahr ein weiterer Angreifer fehlen, er wird wohl einen einjährigen Auslandaufenthalt einlegen. Für Libero Heimgartner haben wir bereits in dieser Saison einen Ersatz aufgebaut: Julian Fischer wird nächste Saison unser einziger Libero sein.

Das tönt, als würde Schönenwerd auch nächste Saison auf zwei Ausländer setzen.

Mindestens, es könnten auch drei sein, je nach Optionen auf der Aussen-Position. Auf der Diagonalen wird sicher ein Ausländer kommen. Man muss die Kirche aber im Dorf lassen. Wir bekommen keinen Ibrahimovic, um den Fussball als Vergleich zu nehmen. Dafür ist die NLA noch nicht attraktiv genug, auch wenn wir nicht tiefere Löhne bezahlen als andere Ligen in Europa.

Dass Kessel nicht bleibt, haben Sie gesagt. Wie siehts mit dem Australier Jordan Richards aus?

Jordan ist definitiv eine Option. Ich will sicher nicht drei neue Ausländer holen. Bei ihm wissen wir schon, was wir an ihm haben. Er ist auch ein Spieler, den man mittlerweile kennt. Die Leute fragen nach ihm und erkundigen sich, ob er wiederkommt. Jordan ist ein spektakulärer Spieler. In der Quali noch etwas inkonstant, das letzte Spiel gegen Lugano war aber Weltklasse. Ich habe oft von Zuschauern gehört, dass Richards Annahmen zu wenig gut seien. Doch wenn er so gut annehmen würde, wie er im Angriff punktet, würde er sicher nicht mehr in der Schweiz spielen.

Was ist schon fix in Sachen Kaderplanung für die nächste Saison?

Alle Verträge sind ausgelaufen. Wir schliessen jeweils nur 1-Jahres-Verträge ab mit den Spielern. Doch wir sind auf gutem Weg. Der Kern des Teams wird bleiben. Ein Luxusproblem haben wir auf der Passeur-Position. Wir haben gleich mehrere Zuspieler mit NLA-Niveau. Die Verträge werden in den nächsten zwei Wochen unter Dach und Fach gebracht.

Schönenwerd lockte in dieser Saison wiederum weniger Zuschauer in die Halle als im Vorjahr. Sind die Niederämter nach sechs NLA-Jahren bereits satt?

Nein, aber das Publikum wird anspruchsvoller. Es ist ganz einfach, und gilt für alle Klubs: Wenn die Leistung nicht stimmt, kommen die Leute nicht. Wir müssen uns sputen, machen aber auch wirklich viel, um die Fans in die Halle zu locken, doch am Ende zählt vor allem die Leistung des Teams.

Wie läuft eigentlich das Projekt mit der eigenen Halle?

Es ist voll im Gange, alle Ampeln sind auf Grün. Das Bauprojekt läuft. Dieses wurde dank des Entgegenkommens einiger Parteien und Defizitgarantien ohne Finanzierungssicherheit gestartet. Ich war immer überzeugt vom Projekt, jetzt kippen langsam auch die Skeptiker auf unsere Seite. Ich hoffe, dass im Juni die Bagger auffahren können.