Niedergösgen

Bruchstellen mit Spritzbeton zu fixieren wäre die Ultima Ratio

Seit sich vor einigen Jahren ein kopfgrosser Stein vom Felsen löste, ist er unter Beobachtung. Es besteht keine unmittelbare Gefahr.

Seit sich vor einigen Jahren ein kopfgrosser Stein vom Felsen löste, ist er unter Beobachtung. Es besteht keine unmittelbare Gefahr.

Nachdem sich vor einigen Jahren ein grosser Stein löste und in den Schlosshof von Niedergösgen donnerte, wird die Wand genau beobachtet – auch dank Vermessungspunkten, an denen allfällige Bewegungen im Gestein erkennbar wären.

Der Niedergösger Gemeinderat nahm vergangene Woche den Bericht zur Felsinspektion im Schlosshof zur Kenntnis. Er basiert auf einem geologischen Gutachten, das alle zwei Jahre erstellt wird, hiess es.

Was hat es damit auf sich? – Gemeindepräsident Kurt Henzmann erinnert sich: Vor rund sechs oder sieben Jahren sei es gewesen, als ein kopfgrosser Stein auf den darunterliegenden Platz gedonnert sei – zum Glück ohne Folgen, «aber wir waren alle zu Tode erschrocken», so Henzmann.

Geologisches Gutachten

Als Folge davon habe die Gemeindeverwaltung sofort das geologisch-geotechnische Büro 3 B Roland Baumann in Erlinsbach AG kontaktiert und den Platz durch den Werkhof absperren lassen. Die Geologen um Baumann hätten den Felsen untersucht und abgeklärt, wie und warum sich der Felsbrocken gelöst habe. «Es handelt sich dabei um einen kompakten Kalkfelsen mit vertikal-horizontalen Verklüftungen», erklärt Baumann auf Anfrage. Der Felsen sei verwitterungsanfällig, denn in den Klüften könne Wasser zirkulieren, gefrieren und so Felsbrocken wegsprengen. Wetter, wie man es in den letzten Wochen erlebt habe und derzeit weiterhin erlebt, könne einen solchen Prozess begünstigen «Aber derzeit besteht keine unmittelbare Gefahr, es ist einfach noch zu wenig kalt», versichert Baumann.

Das Team um den Geologen habe unmittelbar nach dem Ereignis auch Vermessungspunkte angebracht, an denen allfällige Bewegungen im Gestein erkennbar wären. Mittels Abklopfen durch Felshammer würden ferner sogenannte «Sollbruchstellen» eruiert und mit Zementmörtel verfestigt. An einigen Orten, vor allem auf der Höhe der Bruchsteinmauer, hätten Schwachstellen beobachtet werden können. «Schwierigkeiten gestalteten sich dort, wo Fels und Bruchsteinmauer von Bepflanzungen stark überwachsen waren», so Baumann. Entsprechend habe man Äste, Wurzeln und Efeu entfernen müssen. «Diese Pflanzen konnten sich wohl aus Samen entwickeln, die Vögel mittels ihrer Exkremente fallen lassen und dann auskeimen», vermutet Henzmann.

Nicht alles entfernt

Das von Baumann erstellte Gutachten hält unter anderem fest: «Auf der Westseite, vorwiegend auf der Höhe der Bruchsteinmauer, wurde die in Breite und Höhe stark ausgedehnte Bepflanzung nicht entfernt, da diese sich im Eckbereich befindet und das darunterliegende Gestein und Mauerwerk dadurch der Gewölbewirkung ausgesetzt ist. Uns ist nicht bekannt, dass sich in diesem Eckbereich Steine gelöst haben.»

Das Gutachten hält ferner fest, dass es sich dabei um einen Verwitterungsprozess handle, der «weitgehend eine Frage der Zeit» und «bei weitem nicht abgeschlossen» sei. Aus diesem Grund sei «ein gänzlicher Verzicht auf künftige Inspektionen nicht empfehlenswert».

An diese Empfehlung halte sich die Gemeinde, bemerkt Henzmann und hält fest, dass die entsprechenden Inspektionen im Zweijahresturnus durchgeführt worden seien, letztmals zwischen dem
28. und 31. Oktober letzten Jahres. Die Ausbesserungen, die dank einer zugeführten Hebebühne realisiert werden konnten, reichten fürs Erste. «Sicherheitsnetze aus Stahl wurden auch besprochen. Dies wäre eine Lösung, wenn der Spritzbeton nicht mehr reicht», sind sich Baumann und Henzmann einig.

Und: «Wenn selbst dann nichts mehr hilft, müssten wir die Bruchstellen mit Spritzbeton fixieren». Aber dies schaue hässlich aus und wäre nun wirklich die Ultima Ratio. «Dennoch, wir behalten den Felsen weiterhin im Auge, denn schliesslich führt durch den Schlosshof auch ein Teil des Schulweges. Wenn sich ein Felsbrocken unvermittelt lösen würde, könnte dies tödlich enden, und das wäre dann wirklich eine Katastrophe», bemerkt der Gemeindepräsident.

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