Den 14. Juli 2017 wird Susanne Roppel so schnell nicht vergessen. Es ist jener Freitag, an dem das alte Bauernhaus an der Aarauerstrasse 12 in Obergösgen komplett niederbrennt. In einem Teil des Gebäudes hatte sie ihren Deko- und Geschenkladen «Schöner Schenken» untergebracht.

Obergösger Bauern-Juwel niedergebrannt

Obergösger Bauern-Juwel niedergebrannt

Tele-M1-Beitrag vom Juli 2017.

Heute, etwas mehr als ein Jahr nach dem verhängnisvollen Brand, steht Roppel in ihrem neuen alten Laden und versprüht neue Hoffnung: «Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft.» Seit Oktober 2017 ist der Geschenkladen an der Schachenstrasse 2 beheimatet, unweit des alten Lokals. Sonst bleibt aber vieles beim Alten: Zusammen mit ihrer älteren Schwester Marianne Roth führt die 59-Jährige das Geschäft, das mittlerweile ein komplettes Haus umfasst. Seitdem im vergangenen Frühling die Mietwohnung oberhalb des Ladenlokals frei wurde, kann Roppel ihre Dekorationen, Blumen und Gestecke auf drei Etagen unterbringen.

Jeder Raum sieht anders aus. Im Keller befindet sich zusätzlich das Topf- und Korblager. «Das hier ist ein ganzes Haus voller schöner Dinge zum Verschenken», erzählt die Geschäftsführerin und strahlt. Von Kerzenhaltern und Laternen bis hin zu floralen Tischdekorationen und farbigen Hängegirlanden findet sich hier alles, was das feminine (und maskuline) Dekorationsherz höher schlagen lässt. Eine typische Kundin oder einen typischen Kunden habe sie denn auch nicht, meint sie nach kurzem Überlegen. «Vom Schulkind, das ein kleines Geschenk für sein Mami sucht, bis hin zu Senioren, die etwas fürs Eigenheim möchten, kommt jeder bei uns zur Türe hinein.» Auch Lieferungen und Arbeiten auf Auftrag übernimmt «Schöner Schenken».

Der Traum von etwas Eigenem

Zusammen mit ihrer Schwester ist Susanne Roppel in Niedergösgen aufgewachsen. Genau genommen an der Rosengasse. «Wir haben Blumen im Blut», meint sie und lacht. Gelernte Floristin ist sie allerdings nicht. Bevor sie vor vier Jahren das Geschäft an der Aarauerstrasse eröffnete, war sie in verschiedenen Positionen in unterschiedlichen Branchen tätig. Der Traum, einmal etwas Eigenes realisieren zu können, habe sie jedoch schon immer gehabt, blickt die Geschäftsführerin zurück. Nach einem Ferienaufenthalt im Ausland habe sie den Entschluss gefasst, ihren Traum nun in die Wirklichkeit umzusetzen. «Meine Schwester und mein Ehemann haben mich dabei von Anfang an unterstützt», berichtet Roppel dankend. Der Brand ist nicht der einzige Rückschlag, den die Geschäftsfrau in ihrer noch jungen Unternehmerlaufbahn hinnehmen musste. Nachdem sie vor einem Jahr den Laden an der Schachenstrasse wiedereröffnen konnte, fegte Sturm Burglind über die Schweiz und das Niederamt. Er riss in Obergösgen just in jenem Haus, in dem ein Teil der Lagerbestände des Dekoladens untergebracht war, ein Loch ins Dach. «Alle Töpfe waren voller Wasser», erinnert sich die Gösgerin. Mittlerweile befindet sich das komplette Lager im Keller an der Schachenstrasse 2.

Auch die nie-enden-wollende Kreisel-Baustelle im Obergösger Dorfkern hat ihre Spuren hinterlassen und Susanne Roppel ist froh, dass nun ein Ende in Sicht ist: «Es war schon ab und zu eine Belastung.» Von den Rückschlägen unterkriegen lässt sich sie nicht. Sie sagt aber auch: «Ohne Hilfe aus der Familie und der Kundschaft hätte ich es nicht geschafft.» Die Solidarität nach dem Brand sei enorm gewesen. Die Briefe, SMS und E-Mails der treuen Kunden hätten sie regelrecht überflutet.

Farbige Kürbisse in allen Formen

Am meisten an ihrer Arbeit schätze sie den Kundenkontakt, sagt die Unternehmerin, ohne zu zögern: «Auf die Wünsche einzugehen und die Kunden kompetent zu beraten, das ist das A und O unseres Geschäfts.» Sie ist überzeugt, mit diesem Konzept auch in der Zeit des Internets bestehen zu können. Auf die Frage, was sie weniger gerne mache, kommt Susanne Roppel keine Antwort in den Sinn, sie muss ihre Schwester fragen. «Blumensträusse zusammenstellen», meint Marianne Roth und fügt schmunzelnd hinzu: «Aber auch das kann sie.»

Aktuell steht der Herbst und damit Kürbisse in allen Formen und Farben im Fokus. Ende Oktober werden einige Räume in den beiden Obergeschossen weihnächtlich eingerichtet. Im Laufe des Novembers finden die Weihnachtskugeln, Samichläuse und Co. den Weg auch in die Verkaufsfläche im Erdgeschoss.

«Wenn die Menschen die Leidenschaft und die Freude am Schenken verlieren, dann sind wir arm dran», ist Susanne Roppel überzeugt. Der Besucher schenkt der gepflegten Frau mit der kecken Kurzhaarfrisur, die in ihrem Lokal voller kleiner und grösser Mitbringsel steht, sofort Glauben.