Die CVP Niedergösgen und deren Gemeindepräsident Kurt Henzmann haben die Botschaft der Wählerschaft verstanden: Sie will einen neuen Gemeindepräsidenten. Deshalb tritt Henzmann ab – zwar nicht sofort, aber während der neuen Amtsperiode. Das muss allerdings so rasch wie möglich geschehen, und zwar im Interesse von Kurt Henzmann selbst. Es ist alles andere als angenehm, wenn ein quasi Abgewählter im Rahmen einer Übergangsregelung seine Aufgabe weiter erfüllen muss.

In Anbetracht der speziellen Situation, dass in Niedergösgen der Gemeinderat neu ausschliesslich aus CVP-Mitgliedern besteht, ist für den gewählten Weg der CVP, die vom Volksverdikt auf dem linken Fuss erwischt wurde, Verständnis aufzubringen. Es geht hier wohl nicht nur um Gesichtswahrung. Denn die CVP trägt derzeit die volle Führungsverantwortung, auch für die entstandene Situation. Sie hätte die Kritik am Führungsstil von Kurt Henzmann ernster nehmen müssen. Dass die CVP jetzt nicht aus den Hüften schiessen will, ist nachvollziehbar. Doch die Einwohnerschaft von Niedergösgen will nicht nur wissen, was jetzt geschehen soll. Sie will auch Klarheit über den zeitlichen Ablauf.

Nein zu einem Schnellschuss bedeutet auch Nein zu einem Langschuss. Denn Kurt Henzmann ist faktisch abgewählt worden. Die Wählerschaft hat die einzige Möglichkeit ergriffen, um sich des langjährigen Gemeindepräsidenten zu entledigen. Andere Interpretationen des Wahlergebnisses sind reine Wortklauberei. Doch jetzt muss nicht nur die CVP den Fokus nach vorne richten. Auch die anderen Parteien sind aufgefordert, sich aktiv einzubringen. Schade, dass es in Niedergösgen so weit kommen musste. Lehre aus dem Vorfall: Die Abstumpfung altgedienter Politfunktionäre, die bei besonderen Machtverhältnissen sogar in Amtsarroganz ausmünden kann, kommt nicht gut an. Und: Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.