Boom registriert
Präsident des Foodtruck-Verbands: «Im bekomme im Moment relativ viele kopflose Anfragen»

Andreas Seiler, Präsident des Foodtruck Verband Schweiz, registriert derzeit einen regelrechten «Boom» in der Foodtruck-Szene. Allerdings sieht er viele Glücksritter am Werk und warnt vor deren blauäugigen Einstiegen in das harte Geschäftsfeld.

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Andreas Seiler, Präsident des Foodtruck Verbandes Schweiz.

Andreas Seiler, Präsident des Foodtruck Verbandes Schweiz.

zvg

Andreas Seiler, konnten Sie im zweiten Lockdown ein erhöhtes Interesse an Foodtrucks feststellen?

Andreas Seiler: Ja, das ist in der Tat so. Vor Corona hatten wir jeweils fünf bis sechs Anfragen pro Monat für Beratungen oder Vermietungen von Foodtrucks. Aktuell erreichen mich jedoch etwa zwei bis drei Anfragen pro Tag.

Worauf ist das zurückzuführen?

Das liegt daran, dass Foodtrucks als Take-away-Betriebe eingestuft wurden und entsprechend auch während des Lockdowns geöffnet bleiben dürfen. Deshalb haben wir viele Anfragen von Restaurants, die einen Foodtruck betreiben wollen. Es gab aber auch Anfragen aus Skigebieten und von Personen, die ihren Job verloren haben und jetzt einen Foodtruck betreiben wollen.

Ist es denn überhaupt so einfach möglich, einen Foodtruck zu eröffnen?

Nein, das ist es nicht. Das wird oft unterschätzt. Nur die Leidenschaft fürs Kochen reicht nicht. Das ist noch längst kein Business-Konzept. Gerade jetzt im zweiten Lockdown bekomme ich relativ viele Anfragen, die etwas «kopflos» daherkommen und wenig durchdacht sind.

Inwiefern?

Die Leute machen sich zu wenige Gedanken, wie sie Geld verdienen können mit einem Foodtruck. Auch das Marketing und der visuelle Auftritt werden unterschätzt. Einfach einen alten weissen Anhänger zu kaufen und dort etwas zu verkaufen, reicht nicht. Ein Foodtruck muss auch optisch ein Erlebnis sein. Leider beginnen die Probleme aber häufig schon viel früher. Viele haben das Gefühl, dass sie ihren Foodtruck einfach irgendwo hinstellen und ihr Essen verkaufen können. Das ist natürlich «Wild-West-Romantik». Standplätze für Foodtrucks gibt es nicht wie Sand am Meer und sie sind dementsprechend beliebt.

Wie steht die Foodtruck Szene in der Schweiz den vielen Neulingen gegenüber, die jetzt in den Markt drängen?

In der Gastronomie ist das Konkurrenzdenken sehr ausgeprägt – egal ob im stationären Bereich oder in der Foodtruck-Szene. Wir als Verband wollen dem etwas entgegenwirken. Wir glauben, dass wir gemeinsam besser arbeiten und voneinander profitieren können. Wir können es ohnehin nicht verhindern, dass auch Restaurants in den Foodtruck-Markt drängen. Platz für gute Konzepte hat es immer.

Ist es denn in der aktuellen Situation überhaupt lukrativ, einen Foodtruck zu betreiben?

Das kommt drauf an, wie man aufgestellt ist. Wenn man primär Caterings anbietet und auf Events unterwegs ist, dann ist der Umsatz momentan gleich null. Wenn man im Tagesgeschäft tätig ist, sieht es ein wenig besser aus. Aber die Homeoffice-Pflicht hat auch in diesem Segment zu Umsatzeinbussen je nach Standort im Bereich von 50 bis 60Prozent geführt. In der aktuellen Situation neu anzufangen, ist also alles andere als einfach. Da hilft es natürlich, wenn man sich in der stationären Gastronomie bereits einen Namen gemacht hat und auf Stammkunden zählen kann. (fba)

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