NamenDamen

Bire-, Birewegge, Chäs und Brot

Der Äugstler in Winznau geht auf die Äugstlerbirnen zurück – die heutigen Birnbäume tragen wohl eher neuere Sorten (im Hintergrund der Hof Ägerten).

Der Äugstler in Winznau geht auf die Äugstlerbirnen zurück – die heutigen Birnbäume tragen wohl eher neuere Sorten (im Hintergrund der Hof Ägerten).

Die NamenDamen finden in Flurnamen die Vielfalt der alten Birnensorten: Honigbirnen, Schiblerbirnen, Gagel …

Knollbirne, Kaiser Alexander oder Schweizerhose – nein, das ist keine Auflistung zufällig gewählter Begriffe, sondern das sind alles Schweizer Birnensorten. Insgesamt 840 heimische Birnensorten gedeihen in der Schweiz. Auch früher gab es eine grosse Vielfalt an unterschiedlichen Birnensorten, wie uns Flurnamen zeigen.

In Winznau finden wir den Flurnamen Äugstler. Der Name weist auf Früchte hin, die schon im August reif werden, damit sind meistens die Äugstlerbirnen, seltener auch Äpfel, gemeint. Die erweiterte Endung -ler oder -leren wird zusammen mit der Benennung von Birnensorten häufig gebraucht. Sie bezeichnet das gehäufte Vorkommen, in diesem Fall der Birnen, und verweist somit auf eine Örtlichkeit, an der zum Zeitpunkt der Namengebung Birnbäume standen. In Hägendorf und Lostorf gab es ebenfalls den Namen Äugstler, der die gleiche Namensmotivation haben dürfte. 

Einen Channenbaum sowie eine Kannenbaumstrasse finden wir in Kappel. Die Klammerform Channenbaum meint das schweizerdeutsche Wort Channenbirbaum und verweist auf die Channenbirnen, die aufgrund der kannenähnlichen Form der Frucht so genannt werden. Einen Channenbaumacker gab es auch in Holderbank, Matzendorf, Mümliswil-Ramiswil und Laupersdorf.

Chätzler für Obergösger Schützen

In Obergösgen finden wir beim Schiessstand die Flur Chätzleren, die ebenes Kulturland am Eibach bezeichnet und erstmals 1550 im Oltner Urkundenbuch schriftlich erscheint. Der schweizerdeutsche Ausdruck Chätzleren steht in verkürzter Form für die Chätzler-Birne und bezeichnet die Birnensorte «Katzenbirne».

Die Hutzle in Lostorf scheint auf den ersten Blick auf die Dörrbirne, die Hutzel, zu verweisen. Doch der Blick auf die Karte zeigt, dass der Name den langgezogenen, steilen Hang südlich der Burg bezeichnet. In diesem Fall ist das Wort auf den schweizerdeutschen Ausdruck Hutzle, das eine kleine Anhöhe von länglicher Gestalt meint, zurückzuführen.

Nicht jeder «Gagel» ist ein Gagel

In Herbetswil finden wir die Gagelmatt am Fusse des Schattenbergs. Im Zinsurbar der Pfarrkirche steht 1642 folgender Beleg: «in einem Ischlag, die Gagelmatten genannt». Handelt es sich hier ebenfalls um einen eingezäunten Birnbaumgarten? Gagel hat mehrere Bedeutungen und kann nebst der Birnensorte auch trockenes Exkrement, Kot von Tieren oder den Strauch Myrtenheide, Heidelbeermyrte bedeuten. In der Wasserämter Gemeinde Gerlafingen finden wir den gleichen Namen in einer Urkunde von 1458, die weiterhilft: «an dem gagler der ein birboum was». Gut möglich, dass es sich in Herbetswil, genau wie in Gerlafingen, tatsächlich um ehemalige Birnbäume handelt. In Herbetswil finden wir auch noch den Gagelmattrain und den Gagelmattweg.

Auch die Schiblerbirne finden wir in der Namenlandschaft. Einen Schibleracker gab es in Gretzenbach, Stüsslingen, Trimbach und Wangen. Heute finden wir noch die Schiblermatten in Rickenbach und den Namen Schibler in Wisen. In allen Fällen ist aber nicht die Birnensorte, sondern der Familienname Schibler gemeint, der für die ganze Region belegt ist und auf den Fensterscheibenmacher zurückgeht.

Wer sich nun auf dem Flurstück Hüngeler in Aedermannsdorf oder Dulliken befindet, muss nicht Hunger leiden. Der schweizerdeutsche Name geht ebenfalls auf eine Birnensorte zurück und bezeichnet die Honigbirne.

Überall Chäs oder Chees

«Bire-, Birewegge, Chäs und Brot» summt es in meinem Kopf – es gibt tatsächlich auch Brot und Chäs in unserer Region. In Oberbuchsiten gibt es den Cheesiweg, in Obergösgen, Neuendorf und Hägendorf den Chäsiweg sowie den Cheesturmweg in Härkingen. Diese Chäs-Namen deuten auf Stellen hin, die mit der Käserei zu tun haben oder hatten. Die unterschiedlichen Schreibweisen (Chees, Chäs) können dabei durchaus die Unterschiede in der örtlichen Aussprache ausdrücken. Das Chäsloch in Winznau hingegen, hat nichts mit dem Käse zu tun, sondern deutet mit dem Wortbestandteil «Chäss/Käss» auf Viehmast hin. Der Name verweist auf die damalige Schweinehaltung, bei der die Tiere in der Nähe dieses Loches zur Mast getrieben wurden.

Den Flurnamen Brotkorb gibt es in Hägendorf, Mümliswil-Ramiswil und Wangen. In Stüsslingen finden wir eine andere Form; den Brotchübel. Der Name kann auf die Geländeform verweisen und bezeichnet in diesem Fall eine korbartige Mulde. Im übertragenen Sinn kann der Name auf eine Flur hinweisen, die sehr ertragreich ist und «den Brotchrob füllt».

In der Stadt Bern, im westlich der Stadt gelegenen Weiler Oberbottigen, gibt es sogar den Flurnamen «Chäs und Brot», der sich angeblich auf den kriegerischen Auszug der Berner nach Laupen bezieht, bei dem sie sich am 20. Juni 1339 an dieser Stelle ausgeruht und mit Käse und Brot gestärkt hätten. E Guete!

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