Schönenwerd
Bevor die Glocken vom Himmel stürzen: Das Glockengestühl wird renoviert

Beide Glockenstühle der römisch-katholischen Kirche Schönenwerd sind morsch und werden ersetzt.

Christian von Arx
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Markus Hunn, Präsident des Kultusvereins, im derzeit noch intakten, aber morschen Glockenstuhl im Ostturm der römisch-katholischen Kirche Schönenwerd.

Markus Hunn, Präsident des Kultusvereins, im derzeit noch intakten, aber morschen Glockenstuhl im Ostturm der römisch-katholischen Kirche Schönenwerd.

Der Westturm der römisch-katholischen Kirche von Schönenwerd ist ausgeräumt: Die drei Glocken fehlen scheinbar, der Glockenstuhl ist demontiert, die hölzernen Balken liegen in einer Mulde auf dem Kirchenplatz.

Grund ist nicht ein spektakulärer Glockendiebstahl, sondern der vollständige Ersatz der beiden hölzernen Glockenstühle. Das Eichenholz ist in den bald 80 Jahren seit der Einweihung der Kirche morsch geworden. Vor allem an der Basis der Holzkonstruktion hat die Nässe in dem offenen Glockenstuhl gewirkt. «Einen Schraubenzieher kann man dort von Hand etwa 5 cm weit ins Holz hineindrücken», beschreibt Markus Hunn, der Präsident des Kultusvereins, das Problem.

Erstmals festgestellt wurde die Schwäche des Holzes bei einer jährlichen Kontrolle 2014. Aus Sicherheitsgründen wurde das Geläute reduziert: Seit über einem Jahr läutet die unterste und grösste Glocke im Westturm nicht mehr, später wurde auch die grösste im Ostturm stillgelegt. Alle zwei Monate wird der Zustand der Holzbalken überprüft.

Bis im Juni ists geschafft

Jetzt werden die Glockenstühle ersetzt. Als erster ist seit ein paar Tagen der Westturm an der Reihe. Die drei Glocken lagern im Turm, auf dem Boden des offenen Raums des Glockenstuhls. Während des Umbaus stehen immer mindestens zwei Glocken zur Verfügung, zurzeit die mittlere und obere Glocke des Ostturms. Bis Ostern (16. April) soll der neue Glockenturm montiert sein, nach Ostern werden die Glocken in Betrieb genommen.

Danach folgt der Ersatz des Glockenstuhls im Ostturm. Bis im Juni, so der Zeitplan, ist der ganze Eingriff abgeschlossen und in Schönenwerd wird erstmals wieder das volle Geläut der sechs Glocken zu hören sein.

Der Kultusverein hat sich für den Ersatz der Glockenstühle aus Holz durch neue aus Stahl entschieden. «Für Holz-Glockenstühle hätten wir Verschalungen gegen die Nässe bauen müssen», erklärt Markus Hunn. «Sonst wäre bald wieder das gleiche Problem aufgetreten, denn heutige Eichenbalken sind nicht mehr gleich langlebig.» Die Verschalungen allein hätten 160 000 Franken gekostet.

Die Stahlträger werden in Anthrazitfarbe gespritzt und damit ähnlich dunkel wirken wie bisher das Holz. Dies auf Empfehlung der kantonalen Denkmalpflege, deren Meinung zur Frage «Holz oder Stahl» eingeholt wurde. Die Kirche steht zwar nicht unter Denkmalschutz, gilt aber als schützenswertes Objekt.

«Akustisch wird das Geläut nach dem Umbau harmonischer klingen als vorher», verspricht Markus Hunn. Grund ist der Einbau einer Motorsteuerung für das Bewegen der Glocken. Diese reguliert künftig das Aufschlagen des Klöppels an der Glockenwand.

«Dient der Nachwelt am meisten»

Der Kultusverein hatte auch eine Offerte für eine bloss teilweise Sanierung des am meisten betroffenen unteren Teils eingeholt. Dazu hätten aber nach und nach auch die Widerlager ersetzt werden müssen, und die Lebensdauer wäre geringer gewesen. «Die Glockenstühle aus Stahl sollten nun länger als 100 Jahre halten», begründet der Präsident die Materialwahl. «Das dient der Nachwelt am meisten.»

Der Gesamtkredit für den Ersatz der Glockenstühle, den der Kultusverein und die Kirchgemeinde bewilligt haben, beläuft sich auf 350 000 Franken. Ausgeführt werden die Arbeiten durch die Aarauer Glockengiesserei Rüetschi, die 1938 schon die Glocken liefern konnte und genaue Pläne der Glockenstühle besitzt.

Die nächste Renovation in der Kirche betrifft den Ersatz der elektrischen Teile der Kirchenorgel. Ein Kredit von 128 000 Franken wird laut Markus Hunn der Kirchgemeindeversammlung im Mai vorgelegt. Am Gebäude selbst werde in etwa 10 Jahren ein neues Dach nötig werden.