Noch vor knapp einem Jahr schien das Projekt aufgegleist. Die Swisscom gelangte damals mit einer Anfrage an die Gemeinde Starrkirch-Wil. Sie wollte gerne eine neue Mobilfunkantenne auf dem Dach der Liegenschaft an der Aarauerstrasse 23 aufstellen. Das Gebäude gehört der Gemeinde selbst. Darin untergebracht sind ein Coiffeurgeschäft sowie drei Wohnungen, die an die Sozialregion Olten vermietet sind. Die Antenne wäre mit 5G-Technologie ausgerüstet worden.

Die Gemeinde hätte nicht nur jährlich eine Miete über 7500 Franken einkassieren können. Sie wollte damit auch eine Möglichkeit anbieten, um den neuen Mobilfunkstandard 5G zu verbreiten. Und sie hätte das bestehende Funkloch in der Gemeinde geschlossen, wie Gemeindepräsident Christian Bachofner an der Gemeindeversammlung im Juni 2018 sagte.

Sammeleinsprache mit 200 Unterschriften

Das Vorhaben wurde damals akzeptiert. Zumindest gab es laut Bachofner keine Reaktionen auf die Mitteilung. Als dann im Januar 2019 das Baugesuch für die Erstellung der Mobilfunkantenne ausgeschrieben wurde, änderte sich dies schlagartig: Gleich mehrere einzelne Einsprachen sowie eine Sammeleinsprache mit über 200 Unterschriften gingen auf der Bauverwaltung ein.

Die kantonalen Fachstellen gaben eine Stellungnahme ab, das Baugesuch wurde abgelehnt, mehrere Parteien reichten Rekurs beim Baudepartement ein – das Verfahren läuft noch immer, wie Barbara Röthlisberger vom kantonalen Bau- und Justizdepartement bestätigt. Demnächst soll der Fall zur Vernehmlassung an alle beteiligten Parteien gehen.

Widerstand geht weiter

Doch nun wird klar: Das Verfahren könnte hinfällig werden. Denn obwohl die Einsprachen noch bearbeitet werden, wehren sich einige Starrkirch-Wiler mit neuen Mitteln gegen das Mobilfunkantennen-Projekt. «Vier Initianten haben eine Unterschriftensammlung für die Einberufung einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung eingereicht», teilt Bachofner mit. Die 201 gültigen Unterschriften richteten sich gegen die Errichtung einer Mobilfunkantenne.

Der Gemeinderat hat die Initianten nun zu einem Gespräch eingeladen. Mit dem Ziel, offene Fragen zu klären und das Anliegen zu verstehen. An der Gemeinderatssitzung vom vergangenen Montagabend besprach der Gemeindepräsident die Erkenntnisse mit seinen Ratskollegen. Das Ergebnis: Es wird keine Mobilfunkantenne auf dem Dach der Liegenschaft an der Aarauerstrasse aufgestellt.

«Das müssen wir ernst nehmen»

Dass sich so viele Starrkirch-Wiler engagierten, zeige dem Gemeinderat: Das Vorhaben kann laut Bachofner nicht weiterverfolgt werden, «ohne im Dorf unnötig Zwist zu sähen». Denn: «Wenn sich mehr als 200 Personen kritisch äussern, dann müssen wir das ernst nehmen. Das ist unsere Aufgabe als Gemeinderat», sagt der Gemeindepräsident.

Vom heftigen Widerstand aus der Bevölkerung wurde der Gemeinderat überrollt. «Wir haben es bestimmt nicht mit dieser Heftigkeit erwartet», sagt Bachofner. Zu Beginn des Vorhabens Mitte 2018 habe es keine Rückmeldungen gegeben. Für die seit Januar aufgekommene Ablehnung hat der Gemeindepräsident aber eine Erklärung: «Das hat sicher mit der 5G-Diskussion zu tun, die derzeit sowohl national als auch regional geführt wird.»

Als nächsten Schritt wird der Starrkirch-Wiler Gemeinderat nun das Gespräch mit der Swisscom suchen. Der bereits bestehende Vertrag zwischen der Gemeinde und dem Telekommunikationsanbieter muss aufgelöst werden.