Niederamt

Bestrafung der «sozial Schwächeren»: Trimbacher wehrt sich gegen den Abbau des Studenten-GAs

Alliance SwissPass will das GA für Studierende abschaffen.

Alliance SwissPass will das GA für Studierende abschaffen.

Karl Zimmermann aus Trimbach findet die Abschaffung des Studenten-Generalabonnements ungerecht. Deshalb unterstützt er eine Petition der Jungsozialisten (Juso) und des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS), die eine Beibehaltung fordern.

Die Schlagzeile der Mitte Juni versandten Medienmitteilung von Alliance SwissPass, die für die Verkehrsbetriebe die Tarife im öffentlichen Verkehr regelt, klang für Kunden positiv: «Preise im öV werden nicht erhöht». Dass das Generalabonnement für Studierende per 13. Dezember 2020 abgeschafft wird, steht erst im zweiten Abschnitt. Das «GA Junior für Studierende», wie das Produkt offiziell heisst, kann von eingeschriebenen Studenten an Universitäten, Fachhochschulen, Höhere Fachschulen und Pädagogische Hochschulen im Alter zwischen 25 und 30 Jahren bezogen werden und kostet 2650 Franken.

Ab Dezember sollen als einmalige Abfederungsmassnahme alle Inhaberinnen und Inhaber dieses Abos beim Wechsel auf das GA Erwachsene 500 Franken gutgeschrieben erhalten. Das bedeutet: 25-Jährige bezahlen neu 3360 Franken für ein GA, ob sie studieren, spielt keine Rolle. Ab 26 Jahren muss dann ein GA für Erwachsene gekauft werden, das 3860 Franken kostet. Ein halliger Preisaufschlag von gut 1200 Franken hat diese Gruppe zu erwarten. Als Gründe für die Abschaffung führt Alliance SwissPass an, das Studierenden-GA stelle «einen Sonderfall dar und führt zu einer Ungleichbehandlung innerhalb dieser Altersgruppe.»

Karl Zimmermann aus Trimbach (69) stört sich an dieser Änderung. «Die sozial Schwächeren werden damit bestraft», sagt der Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Deshalb unterstützt er eine Petition der Jungsozialisten (Juso) und des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS), die eine Beibehaltung fordern. Auf ihren Online-Plattformen kann man sich derzeit eintragen. Zwar sei eine Petition ein schwaches Werkzeug, aber immerhin könne man damit ein Zeichen setzten, findet Zimmermann. Er befürchtet massive Mehrbelastungen für Haushalte: «In Anbetracht dessen, dass insbesondere jetzt nach Corona-Kosten überall nach neuem Steuersubstrat gesucht wird, sehe ich bei einem Scheitern der Petition auch den im Kanton Solothurn bisher für Studis bis 30 geltenden Steuerabzug von 6000 Franken pro Jahr in Gefahr. Das ist dann für die betroffene Familie als Ganzes im Schnitt mindestens eine Verdoppelung der Folgen über zusätzlich höhere Steuern.»

Zimmermann: GA-Preisschraube am Überdrehen

Für den Bahnfachmann, der zwei Drittel seines Berufslebens bei den SBB und den Rest bei ch-Direct, der Vorläuferorganisation von Alliance SwissPass arbeitete, ist die Preisschraube des GA generell am Überdrehen: «Das GA ist selbst für Pendler, geschweige denn erst für nur in der Freizeit reisenden Kunden, an der oberen Akzeptanzgrenze angekommen.» Auch die immer wieder zitierte «Übernutzung» durch Vielfahrer ist für den Tarifspezialisten unglaubwürdig: «Berücksichtigt man die heute angebotenen Sparpreis-Billette und die auf Fairtiq jeweils zugrundegelegten günstigsten Fahrpreise ist die Schwelle zur Übernutzung wesentlich höher und differenzierter zu setzen als mit dem linearen Vergleich GA versus Normaltarif. Für viele Kunden ist das GA bereits heute ein preislich nicht ausgereiztes Konvenienz-Produkt zum problemlosen Reisen und mit der zunehmenden Attraktivierung von Homeoffice mit reduzierten Arbeitsweg-Fahrten wird diese Gruppe, die nicht durch Preiserhöhungen geärgert werden sollte, noch grösser.»

Support erhält Zimmermann vom Oltner Nationalrat Felix Wettstein (Grüne): «Ich finde die Abschaffung des Studierenden-GA ein Fehler. Der öffentliche Verkehr sendet nun zur Unzeit ein unglückliches Signal», so der Verkehrspolitiker.

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