Auf Uneingeweihte könnte der Waldstreifen oberhalb der Hängebrücke an der Aare in Niedergösgen zurzeit unheimlich wirken. Aus abgeholztem Umfeld ragen halbhoch abgesägte, entastete Baumstämme heraus, die Vorstellung von Marterpfählen weckend. «Die werden mit der Wurzel ausgerissen und umgekehrt in der Sohle des neuen Seitengerinnes verankert», erklärte Gabriel Zenklusen die seltsame Szenerie.

Der Leiter der Abteilung Wasserbau im kantonalen Amt für Umwelt warb am Samstag am Waldgang der Bürgergemeinde Niedergösgen um Verständnis für die massiven baulichen Eingriffe an der Aare. Zurzeit passiert aus Rücksicht auf die Brutzeit der Vögel wenig, aber ab August bis in den Winter wird es hart zur Sache gehen.

«In einem Jahr fliesst Wasser in dem neuen Seitengerinne, dann sieht es nicht mehr so schlimm aus», besänftigte Zenklusen. Das eingebaute Totholz bietet Unterschlupf für Tiere im und am Wasser. Die zusätzlich entstehenden Uferlinien seien ökologisch interessant. Auch die bevorstehende Beseitigung der Ballyschwelle begründete er mit Vorteilen für die Natur: «Heute ist sie nicht fischgängig.» Der Stau oberhalb der Schwelle werde beseitigt, die Aare werde schneller und belebter.

Dorfgrenze entlang Wasserläufen erkundet

Rund 200 Einwohnerinnen, Einwohner und Gäste aus Nachbargemeinden konnte Bürgergemeindepräsident Patrick Friker zum Waldgang begrüssen. In einer «Prozession» überquerten sie die Hängebrücke, wanderten auf Gretzenbacher Boden flussaufwärts und erreichten so die Niedergösger «Exklave» im Andresenschachen auf der Südseite der Aare, bevor sie in Einerkolonne über die Cartaseta-Brücke wieder aufs Niedergösger Inseli und dann ins Mülidorf zurückfanden.

Dort erklärte ihnen alt Bürgergemeindepräsident Otto Meier die 350-jährige Geschichte des Dorfbaches. Dieser entspringt in der Düberten an der Grenze zu Obergösgen und floss ursprünglich bei der alten Mühle westlich des Mühledorfes in die Aare. Erst auf langjährigen, hartnäckigen Wunsch der Gemeinde wurde er umgeleitet, als 1666 die neue Mühle gebaut wurde. Seit dem Kraftwerkbau 1914 bis 1917 quert er zweimal den Kanal. In einem komplizierten, oft unterirdischen Verlauf führt er durchs Dorf und endet unterhalb des Restaurants Brücke in der Aare. «Schön wärs, wenn er erhalten bliebe, nicht weiter eingedolt würde und mehr Wasser führen könnte», sagte Otto Meier, den der Dorfbach an seine Kindheit im Mühledorf erinnert.

Eine Vorführung der Feuerwehr-Vereinigung Wolga Wohlen mit einer historischen Handdruck-Spritze am Dorfbach und eine Demonstration des Holzdesigners Felix Kündig (Büsserach) mit der Motorsäge rundeten das vielfältige Programm des Waldgangs ab. Beim Imbiss in der Mehrzweckhalle Inseli gab es für die Waldgänger viel Gesprächsstoff.