Hauenstein-Scheiteltunnel
Bei seiner Eröffnung vor 162 Jahren war es der längste Gebirgsdurchstich der Welt

Für den Hauenstein-Scheiteltunnel wurden drei Schächte gegraben. Einer wurde nie vollendet, ein anderer verursachte eine Katastrophe.

Lorenz Degen
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Die Darstellung aus dem Jahr 1857 zeigt den Streckenverlauf von Basel nach Olten (unten), den Tunnel mit Schächten im Querprofil (Mitte) und die Portale.

Die Darstellung aus dem Jahr 1857 zeigt den Streckenverlauf von Basel nach Olten (unten), den Tunnel mit Schächten im Querprofil (Mitte) und die Portale.

Stadtbibliothek Olten

Ein Jahr später als geplant wurde am 1. Mai 1858 der durchgängige Eisenbahnbetrieb von Basel nach Olten aufgenommen. Heute gehört der Tunnel zwischen Läufelfingen und Trimbach mit seinen rund 2,5 Kilometern Länge zu den kurzen Eisenbahntunnels. Die Alpendurchstiche haben ihn in den Schatten gestellt. Dabei war er bei seiner Eröffnung vor 162 Jahren der längste Gebirgsdurchstich der Welt.
Der Engländer Thomas Brassey (1805-1870) offerierte den Bau für 4,24 Millionen Franken, die Vollendung wurde für das Frühjahr 1857 festgelegt. Im Juli 1853 begann die Schweizerische Centralbahn als Bauherrin mit den Arbeiten an den Tunnelmündungen, am 1. Februar 1854 übernahm Brassey die Baustelle. Tausende von Arbeitern, vor allem aus Süddeutschland, waren mit dem Vortrieb beschäftigt.

Um den Ausbruch zu beschleunigen und die Tunnelröhre zu belüften, waren drei Schächte vorgesehen: Schacht 1 mit einer Tiefe von 167 Meter wurde hinter dem Dorf Hauenstein, in der Matte beim Lantel, ausgehoben. Schacht 2 oberhalb des Hofes Pulvisei, bereits auf Baselbieter Boden, musste nach 60 Metern aufgegeben werden, weil zuviel Wasser eindrang. Seine Gesamttiefe hätte 194 Meter betragen. Schacht 3 war mit 123 Metern der kürzeste der drei, er wurde unterhalb der Läufelfinger Seppenweid gegraben.

Auf dem Schacht 3 unterhalb der Seppenweid befindet sich ein Betondeckel mit der römischen Jahreszahl für 1950.

Auf dem Schacht 3 unterhalb der Seppenweid befindet sich ein Betondeckel mit der römischen Jahreszahl für 1950.

Lorenz Degen

Der Tunnel wurde von beiden Seiten aus in Angriff genommen, wobei der Fortschritt auf der Seite von Trimbach bedeutend grösser war. Probleme bereitete insbesondere das eindringende Wasser, das Richtung Trimbach gut abfliessen konnte, sich auf der Nordseite jedoch knietief aufstaute und von Hand abgepumpt werden musste. Gearbeitet wurde mit Brechstangen, Hämmern und Meissel, Sprengungen wurden mit Schwarzpulver durchgeführt.

Zur besseren Belüftung wurde unterhalb des Schachtes 1 eine Schmiede installiert, die auch als eine Art Ventilator für das Absaugen der giftigen Luft funktionierte. Am 28. Mai 1857 geriet ein geteertes Seil, das im Schacht hing, in Brand.

Ein Gedenkstein erinnert beim Schacht 1 an das Unglück.

Ein Gedenkstein erinnert beim Schacht 1 an das Unglück.

Lorenz Degen

Die hölzerne Auskleidung fing Feuer und der Schacht stürzte ein. Für die 52 eingeschlossenen Arbeiter kam jede Hilfe zu spät. 11 Helfer verloren bei der Rettungsaktion wegen Sauerstoffmangel ihr Leben.

Vom Schacht 1 ist heute nichts mehr zu sehen. Ein älterer Anwohner erinnert sich noch an zwei Schutthügel, die in den 1950er-Jahren von der benachbarten Tongrube abgetragen wurden. Vom aufgegebenen Schacht 2 sind ebenfalls keine Spuren mehr sichtbar. Schacht 3 umgibt wahrscheinlich das ursprüngliche Ausbruchmaterial. Ein quadratischer Betondeckel mit der Jahreszahl 1950 in römischen Buchstaben zeigt seine Position an. Vermutlich sind alle drei Schächte heute verfüllt.

Hinweis: Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von Christoph Rast aus Olten und der Stadtbibliothek Olten.