Stüsslingen
Bauern wollen nur den halben Preis für ihr Wasser bezahlen

Die Gemeindeversammlung von Stüsslingen unterstützt das Anliegen, das jedoch im Widerspruch zu kantonalen Tarifvorschriften steht.

Urs Amacher
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An der Gemeindeversammlung von Stüsslingen wurde ein Anliegen unterstützt, das im Widerspruch zu den kantonalen Tarifvorschriften steht.

An der Gemeindeversammlung von Stüsslingen wurde ein Anliegen unterstützt, das im Widerspruch zu den kantonalen Tarifvorschriften steht.

Bruno Kissling

An der Gemeindeversamm­lung am Freitagabend sorgte das Traktandum «Wassergebühren» für Gesprächsstoff. Der Gemeinderat beantragte den 36 anwesenden Stimmberechtigten, den Gebührenansatz für Wasserverbrauch für die kommenden fünf Jahre von bisher 2 Franken je Kubikmeter Wasser um 1 Franken auf 3 Franken pro Kubikmeter zu erhöhen.

Dominik Frauchiger, der Leiter des Ressorts Wasser­werke, legte die Gründe für den Antrag dar. Stüsslingen hat im letzten Jahr das für knapp 2 Millionen Franken erstellte neue Reservoir Ängi in Betrieb genommen und die Reservoirleitung erneuert.

Zwar erzielte die Spezialfinanzierung Wasserversorgung im Jahr 2019 noch einen Gewinn von rund 60'000 Franken. Schon im laufenden Jahr muss jedoch mit 24'000 Franken Aufwandüberschuss gerechnet werden, der bis 2025 ohne Gegenmassnahmen auf jährlich 58'000 Franken anwachsen wird. Um die Gebührenerhöhung beim Wasser etwas abzufedern, schlug der Gemeinderat vor, dafür beim Abwasser, wo regelmässig Ertragsüberschüsse resultieren, den Tarif (inklusive Mehrwertsteuer) von 2 Franken auf 1.83 Franken zu reduzieren.

Gleichzeitig soll beim Frisch- wie beim Abwasserwasser die bisherige Grundtaxe vereinheitlicht werden. Statt 100 Franken für Mehrpersonenhaushalte und 50 Franken für Einzelpersonen soll eine generelle Grundgebühr von 85 Franken erhoben werden.

Diesem Konzept erwuchs Widerstand von bäuerlicher Seite. Toni Bucher brachte vor, dass ein Landwirtschaftsbetrieb grob gerechnet 1400 bis 1600 Kubikmeter Wasser beziehe, was beim vorgeschlagenen Taxaufschlag jährliche Mehrkosten von 1400 bis 1600 Franken bedeuteten. Er beantragte deshalb, dass den Bauernbetrieben auf die Gebührenerhöhung ein Rabatt von 50 Prozent gewährt werde, was einem zukünftigen Wassertarif von 2.50 Franken je Kubikmeter entspricht. Diesem Ansinnen stehen allerdings kantonale Vorschriften, die keine unterschiedlichen Tarife vorsehen, entgegen. Nach ausgiebiger Diskussion überwies das Plenum den Antrag mit 22 Ja- zu 11 Nein-­Stimmen an dem Gemeinderat.

Der Erhöhung der Wassergebühr auf 3 Franken pro Kubikmeter stimmte die Versammlung mit 20 zu 10 Stimmen zu. Die damit verbundenen An- träge zur Vereinheitlichung der Grundgebühren und zur Senkung des Abwassertarifs wurden jeweils einstimmig oder mit wenigen Gegenstimmen gutgeheissen.