Seit dem Jahr 2000 engagiert sich Ballyana für die Erhaltung der Hinterlassenschaften der Industrie- und Familiengeschichte Bally. Ein Team von Enthusiasten konnte in den vergangenen Jahren eine grosse Sammlung von Objekten und Dokumenten zusammentragen und archivieren. Zudem veranstaltete Ballyana verschiedene Ausstellungen und veröffentlichte Bücher und Broschüren.

Höhepunkt ist die grosse Dauerausstellung in der Shedhalle der ehemaligen Bally Band mit funktionstüchtigen historischen Maschinen. Ballyana feiert am 25. Oktober 2015 mit einem besonderen Besuchertag das Jubiläum.

Die Bally-Geschichte ist reich an Krisen und dramatischen Momenten. Im August 1999 schienen sich die Ereignisse wieder einmal zu überstürzen. Mitte Monat jährte sich der Todestag Carl Franz Ballys zum hundertsten Mal. Der Oltner Historiker Dr. Peter Heim veröffentlichte zu diesem Anlass einen ganzseitigen Beitrag im OT zu Ehren des Pioniers der Schönenwerder Schuhindustrie. Keine zwei Wochen später berichteten die Medien, dass die US-amerikanische Private-Equity-Gruppe «Texas Pacific» die Traditionsfirma übernimmt.

Private-Equity-Unternehmen gelten als «Heuschrecken», also kalt rechnende Super-Kapitalisten, die keine Rücksichten nehmen und nach ihrem Abzug eine Wüste hinterlassen. So erstaunte es nicht, als die neuen Eigentümer kurz nach der Übernahme erklärten, dass sie alle Aktivitäten in Schönenwerd einstellen und den Hauptsitz nach Caslano (TI) verlegen wollten. Dies bedeutete das Ende einer Firmengeschichte, die ihre Wurzeln in der Zeit der napoleonischen Kriege hat.

Grosses Entsetzen

Das Entsetzen war gross. Aber je klarer wurde, dass die Epoche der klassischen Industrie sich dem Ende zuneigte, umso mehr wuchs das Interesse an ihrer Geschichte. Angeregt durch vier Führungen und eine Publikation von Dr. Heim gründeten daher einige Initianten die Ballyana Stiftung, die fortan die verstreuten Hinterlassenschaften des riesigen Bally Erbes sammeln und bewahren sollte. Dabei ging es nicht nur um die weltberühmte Schuhsammlung, sondern um alles, was in irgendeinem Zusammenhang, mit der langen Bally-Geschichte stand.

Die Sammlung wächst stetig

In den ersten Jahren konnte Ballyana hauptsächlich Privatnachlässe aus der Bally Familie übernehmen. Da diese mit vielen Briefen, Tagebüchern und Bildern eine reichhaltige Quelle sind, bilden sie bis heute ein Kernstück der Sammlung. Schon bald wurde jedoch einem weiteren Kreis bekannt, dass Ballyana alles sammelt, was mit der Bally Geschichte zu tun hat.

Seiher wächst die Sammlung stetig. Manchmal kommt es zu grossen Schenkungen von ehemaligen Bally-Angestellten, die ein Leben lang Dokumente und Objekte im Zusammenhang mit ihrer Arbeit zusammengetragen haben. Manchmal sind es scheinbar unbedeutende Einzelstücke, wie ein paar Bally Schuhe, ein Foto aus alter Zeit, ein kleines Werbegeschenk oder eine Schuhschachtel – lauter Dinge, die sonst in den Müll wandern. In der Ballyana Sammlung können sie zu Museumstücken werden.

Zwei grosse Zugänge erweiterten die Sammlung wesentlich. Von der Firma Bally erhielt die Stiftung leihweise Teile der Sammlung historischer Maschinen.

Diese Sammlung konnte darauf mit weiteren Stücken namentlich Webmaschinen gezielt ergänzt und erweitert werden. Die Maschinen befinden sich heute grösstenteils in der Ausstellung. Ein weiteres Glanzlicht ist das Archiv der ehemaligen Bally Band. Diese Sammlung besteht aus Musterbüchern, Fotografien sowie Korrespondenz- und Buchhaltungsbüchern, die bis in die Zeit um 1810 zurückreichen. Mit dem Erwerb dieses Archivs kann Ballyana Industriegeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart dokumentieren.

Ziel: 5000 Eintritte pro Jahr

Doch wer soll all diese Objekte und Dokumente erlesen, verwalten und ablegen? Wer pflegt die Maschinen und wer macht die Führungen? Wer sorgt für die Finanzierung, die Administration und die vielen Gästeapéros? Zum Glück ist es gelungen, im Verlaufe der Jahre ein Team von rund 35 ehrenamtlichen Enthusiasten zusammenzustellen.

Sie halten diese anspruchsvolle Kombination von Museum, Archiv und Fabrik aufrecht, sodass Ballyana der Öffentlichkeit stets offen steht. Und das Publikumsinteresse ist gross. Heute besuchen anlässlich der 24 ordentlichen Öffnungszeiten und rund 100 Führungen gegen 2000 Person jährlich die Ausstellung. Ziel ist es, auf 5000 Eintritte pro Jahr zu kommen, sodass mit den Erlösen die laufenden Kosten gedeckt werden können.

Grosses Jubiläumsprogramm

Am Sonntag, 25. Oktober 2015, 10.00 bis 17.00 Uhr führt Ballyana einen besonderen Besuchertag durch, an dem nebst der ordentlichen Ausstellung auch Dokumente aus dem Archiv, die Digitalisierungsprojekte und historische Filme vorgestellt werden. Höhepunkte sind eine kleine Modeschau mit historischen Bally Schuhen sowie ein Handschuhmacher, der seine Künste vorführt.

Besucheranlass vom 25. Oktober, 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr in der Ballyana – Sammlung Industriekultur, Schachenstrasse 24, Schönenwerd. Das Ballyana-Team zeigt unter anderem: eine kleine Modeschau mit historischen Bally-Schuhen, die Digitalisierung der Bally-Mitarbeiterzeitschriften 1920 bis 2000, Verschiedene historische Filme, die Kunst des Handschuhmachers durch Franz Kälin von der Schuhmacherei «Zwickmühle», das Ballyana-Archiv und Eduard Ballys monumentales Memoirenwerk «Geschichte der C.F. Bally AG» im Original und der digitalisierten Version.

Das detaillierte Tagesprogramm findet sich unter www.ballyana.ch.